Mehr Kerne, mehr Leistung und viel günstiger: Der Intel Core Ultra 7 270K Plus im Test
Mit dem Core Ultra 7 270K Plus legt Intel ein knackiges Refresh auf: Über 20 Prozent mehr Multi-Core-Leistung bei gleichem Energiebedarf und einem Kampfpreis von 300 US-Dollar. Doch ein wunder Punkt bleibt, der einen sofortigen Kauf verbietet.
Der Sportwagen mit dem Extra-SchubStellen Sie sich vor, ein Automobilhersteller präsentiert das Facelift seines Sportwagens – und statt kosmetischer Retuschen stecken unter der Haube plötzlich 360 statt 300 PS, bei identischem Verbrauch. Genau dieses Kunststück versucht Intel mit dem Core Ultra...
Der Sportwagen mit dem Extra-Schub
Stellen Sie sich vor, ein Automobilhersteller präsentiert das Facelift seines Sportwagens – und statt kosmetischer Retuschen stecken unter der Haube plötzlich 360 statt 300 PS, bei identischem Verbrauch. Genau dieses Kunststück versucht Intel mit dem Core Ultra 7 270K Plus. Wo der Vorgänger Core Ultra 7 265K mit 20 Kernen antrat, schickt Intel nun 24 Kerne ins Rennen – vier zusätzliche Effizienzkerne, die in Multi-Thread-Szenarien für ein spürbares Leistungsplus sorgen sollen, ohne dass der Rennwagen von der Piste schlittert.
Für Intel ist dieses Refresh mehr als nur ein routinemäßiger Modellpflegezyklus. Die erste Generation der Core-Ultra-200S-Desktop-Prozessoren hatte es bei der Markteinführung nicht gerade einfach. Während die Multi-Core-Leistung auf dem erwarteten Niveau lag, enttäuschte die Single-Core-Performance viele Enthusiasten und Gamer, die sich von der neuen Architektur deutlich mehr erwartet hatten.
Zudem kämpfte Intel mit der Konkurrenz aus dem eigenen Haus, denn viele Nutzer hielten und halten bis heute an ihren bewährten Core-i-Prozessoren der 13. und 14. Generation fest. Mit dem Plus-Refresh und einem aggressiven Preis von 300 US-Dollar will Intel nun die Trendwende einläuten und jene Käufer auf die Rennstrecke holen, die bislang gezögert haben.
Technische Merkmale: Was unter der Haube steckt
Der Intel Core Ultra 7 270K Plus basiert auf der bekannten Arrow-Lake-S-Plattform und nutzt deren Tile-basiertes Design, bei dem unterschiedliche Chiplets auf einem gemeinsamen Substrat vereint werden. Das Herzstück bildet der Compute-Tile (Kachel), der bei TSMC im N3B-Prozess gefertigt wird und sowohl die acht Performance-Kerne als auch die nun 16 Effizienz-Kerne beherbergt. Ergänzt wird dieses Ensemble durch einen GPU-Tile mit vier Xe-Cores, der bei TSMC im N5P-Verfahren entsteht, sowie durch einen SoC-Tile in 6-Nanometer-Technik, der den Speichercontroller, die I/O-Anbindung und die Neural Processing Unit (NPU) umfasst. Das gesamte Package wird durch einen in Intels hauseigenem 22-Nanometer-Prozess gefertigten Base-Tile zusammengehalten.
Im Vergleich zum Vorgänger, dem Core Ultra 7 265K hat Intel die Kernanzahl von 20 auf 24 erhöht, indem vier zusätzliche E-Cores aktiviert wurden. Die Thread-Anzahl liegt ebenfalls bei 24, da Arrow Lake auf Hyper-Threading verzichtet – jeder Kern bearbeitet also genau einen Thread. Der maximale Turbotakt bleibt mit 5,50 GHz auf dem Niveau des Topmodells, während der P-Core-Basistakt bei 3,69 GHz angesiedelt ist. Der L3-Cache wächst auf großzügige 36 Megabyte an, was der CPU bei speicherintensiven Workloads zugutekommt.
Bei der Leistungsaufnahme bleibt Intel dem konservativen Kurs der Arrow-Lake-Generation treu: Die Processor Base Power liegt bei 125 Watt, die maximale Turbo-Leistungsaufnahme (MTP) bei 250 Watt. Damit bewegt sich der 270K Plus im selben thermischen Rahmen wie sein Vorgänger, was bedeutet, dass bestehende Kühlerlösungen für den Sockel LGA 1851 ohne Einschränkungen weiterverwendet werden können.
Auf der Plattformseite bietet der Prozessor über seine 20 PCIe-5.0-Lanes und zusätzliche vier PCIe-4.0-Lanes ausreichend Bandbreite für schnelle NVMe-SSDs und aktuelle Grafikkarten. Der Speichercontroller unterstützt DDR5-5600 nativ, wobei mit XMP-Profilen auch deutlich höhere Taktraten möglich sind. Für die integrierte Grafik stehen vier Xe-Cores zur Verfügung, die zwar für leichte Grafikaufgaben und Hardware-Beschleunigung bei der Videocodierung taugen, bei anspruchsvollen Spielen jedoch naturgemäß keine dedizierte Grafikkarte ersetzen können. Das Suffix „K" verrät wie gewohnt, dass der Multiplikator frei wählbar ist und somit Overclocking-Experimenten nichts im Wege steht.
Labortests: Zahlen, die überzeugen und Zahlen, die nachdenklich stimmen
Im Testlabor haben wir den Intel Core Ultra 7 270K Plus auf unserer Standardplattform für den Sockel LGA 1851 mit einem MSI Mainboard MPG Z890 Carbon Wifi) und 32 GByte DDR5-Arbeitsspeicher im XMP1-Profil (7200 MT/s) getestet. Windows 11 Professional lassen wir auf einer NVMe-SSD laufen. Unsere Benchmark-Tests beschränken sich auf solche Tests, die weitgehend unabhängig sind vom Einsatz einer dedizierten Grafikkarte. Für diesen Test stand der direkte Vergleich mit dem Vorgängermodell Core Ultra 7 265K im Mittelpunkt.
Multi-Core-Leistung: Das große Plus des Plus
Die Stärke des 270K Plus offenbart sich überall dort, wo viele Kerne gleichzeitig gefordert sind. Im Cinebench 2026 von Maxon, einem der anspruchsvollsten aktuellen Multi-Thread-Benchmarks, erreicht der Prozessor 10.036 Punkte im Multi-Core-Durchlauf – ein Zuwachs von 26 Prozent gegenüber den 7.949 Punkten des Vorgängers. Besonders bemerkenswert: Im integrierten Ranking des Benchmarks setzt sich der Core Ultra 7 270K Plus mit seinem Ergebnis sogar vor den teureren Core Ultra 9 285K, der in der Maxon-Datenbank mit 9.132 Punkten gelistet ist. Nur der Apple M3 Ultra mit seinen 32 Kernen und der 128-Kern-Serverprozessor Ampere Altra Max Pro liegen noch darüber.
Im CPU-Z-Benchmark, der sowohl Single- als auch Multi-Thread-Leistung erfasst, erzielt der 270K Plus einen Multi-Thread-Score von 19.141 Punkten und übertrifft damit den 265K um 21 Prozent. Zugleich überholt er die als Referenz hinterlegte Vorgängergeneration in Gestalt des Core i9-14900K deutlich, der mit 16.700 Punkten ausgewiesen wird – obwohl jener mit 24 Kernen und 32 Threads (dank Hyper-Threading) auf dem Papier eigentlich deutlich mehr parallele Rechenpower bietet.
Auch praxisnahe Anwendungen profitieren spürbar. Beim Videorendering mit Handbrake benötigt der 270K Plus nur noch 48 Sekunden für unser Referenzvideo, während der 265K dafür 57 Sekunden brauchte – ein Zeitgewinn von rund 16 Prozent. Die Pi-Berechnung auf eine Milliarde Nachkommastellen mit Gamma-Cruncher absolviert der neue Prozessor in 17 Sekunden, der Vorgänger brauchte 20, was einer Beschleunigung von 15 Prozent entspricht. Die Multi-Core-Effizienz liegt dabei laut Gamma-Cruncher bei beachtlichen 85,67 Prozent – ein Wert, der belegt, dass die vier zusätzlichen E-Cores hervorragend in das Gesamtgefüge integriert sind und die Arbeitslast effizient auf alle 24 Kerne verteilt wird.
Im 3DMark CPU-Profil, das die Prozessorleistung gestaffelt nach Thread-Anzahl analysiert, zeigt sich ein differenziertes Bild. Bei maximaler Thread-Auslastung erreicht der 270K Plus 19.127 Punkte gegenüber 17.320 beim Vorgänger – ein Plus von rund zehn Prozent. Bei 16 Threads sind es 15.602 gegenüber 15.081 Punkten, bei acht Threads 9.975 gegenüber 9.566 Punkten. Die Zuwächse werden erwartungsgemäß kleiner, je weniger Threads beansprucht werden, da die zusätzlichen E-Cores naturgemäß nur dann ihren Vorteil ausspielen, wenn sie auch tatsächlich beschäftigt werden.
Die KI-Benchmarks in Geekbench unterstreichen die Verbesserungen bei hochparallelen Rechenaufgaben. Im ONNX-Test für Single-Precision-Berechnungen steigt der Score von 7.094 auf 8.059 Punkte – ein Zugewinn von 14 Prozent. Auch bei Half-Precision-Inferenz (2.708 auf 2.930 Punkte) und bei quantisierten Modellen (11.887 auf 13.159 Punkte) legt der 270K Plus spürbar zu, was ihn für lokale KI-Workloads wie Bildgenerierung oder Sprachverarbeitung interessanter macht.
Single-Core-Leistung: Stagnation auf hohem Niveau
Die Kehrseite der Medaille zeigt sich bei der Single-Core-Leistung, die für viele Alltagsanwendungen und insbesondere für Spiele von entscheidender Bedeutung ist. Im CPU-Z-Single-Thread-Test erreicht der 270K Plus lediglich 888 Punkte gegenüber 879 beim Vorgänger – ein Plus von gerade einmal einem Prozent. Im Cinebench 2026 sieht es mit 593 gegenüber 552 Punkten etwas besser aus, was einem Zuwachs von etwa 7,4 Prozent entspricht. Doch selbst dieser Wert ist weit davon entfernt, den Rückstand auf AMDs Zen-5-Architektur oder gar Apples M4-Kerne zu schließen. Im Cinebench-2026-Single-Thread-Ranking ordnet sich der 270K Plus hinter dem Apple M4 Max (676 Punkte) und dem hauseigenen Core Ultra 9 285K (602 Punkte) auf dem dritten Platz ein.
Im 3DMark CPU-Profil bestätigt sich dieses Bild: Bei nur einem Thread kommt der 270K Plus auf 1.360 Punkte gegenüber 1.350 beim 265K – ein Unterschied, der praktisch nicht wahrnehmbar ist. Auch bei zwei und vier Threads fallen die Zugewinne mit 2.695 gegenüber 2.657 beziehungsweise 5.285 gegenüber 5.067 Punkten bescheiden aus. Für Gamer, die häufig auf die rohe Leistung von vier bis sechs schnellen Kernen angewiesen sind, bietet der 270K Plus gegenüber dem Vorgänger somit keinen entscheidenden Vorteil.
Fazit: Viel Licht, etwas Schatten – und eine Frage des Preises
Der Intel Core Ultra 7 270K Plus ist zweifellos ein gelungenes Refresh, das in Multi-Thread-Szenarien beeindruckende Zugewinne von über 20 Prozent liefert. Die vier zusätzlichen Effizienzkerne machen sich in Rendering-Aufgaben, wissenschaftlichen Berechnungen und KI-Workloads deutlich bemerkbar, während die Leistungsaufnahme im Rahmen bleibt. Dass ein Core-Ultra-7-Prozessor im Cinebench 2026 den teureren Core Ultra 9 285K hinter sich lässt, ist beachtlich und zeigt, dass Intel die Arrow-Lake-Architektur inzwischen besser im Griff hat.
Der empfohlene Verkaufspreis von 300 US-Dollar macht den 270K Plus in den Vereinigten Staaten zu einem nahezu unschlagbaren Angebot im Enthusiasten-Segment. Doch hier beginnt das Problem für deutsche Käufer: Hierzulande ist der Prozessor zum Zeitpunkt dieses Tests kaum verfügbar, und der einzige bei Geizhals.de gelistete Anbieter ruft einen Preis von rund 450 Euro auf – ein Aufschlag, der das attraktive Preis-Leistungs-Verhältnis erheblich schmälert.
Darüber hinaus bleibt die kaum verbesserte Single-Core-Leistung ein Wermutstropfen. Wer vorrangig spielt oder Anwendungen nutzt, die von wenigen, aber schnellen Kernen profitieren, wird den Unterschied zum Vorgänger im Alltag kaum spüren. Und schließlich steht bereits fest, dass Intel für die nächste Prozessorgeneration einen neuen Sockel mit mehr Kontaktflächen einsetzen wird. Der Sockel LGA 1851 ist damit eine Sackgasse ohne Upgrade-Perspektive, was die Investition in eine neue Plattform zusätzlich relativiert.
