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Pro-Ject Stream Box S2 Ultra & Pre Box S2 Digital im Test

Sie passen auf eine Handfläche, die Pro-Ject Stream Box S2 Ultra und die Pre Box S2 Digital, fressen Server und Festplatten zum Frühstück und kippen noch eine Ladung DSD hinterher. Und wer sie erst mal hat, rückt sie nie wieder raus. Lesen Sie unseren Test hierzu.

Pro-Ject Stream Box S2 Ultra & Pre Box S2 Digital im Test

© Pro-Ject

Pro-Ject Stream Box S2 Ultra & Pre Box S2 Digital im Test. Dieser Test ist mit Vorsicht zu lesen. Er löst starke Kaufgelüste aus.

Pro

  • trocken, schnell, spielfreudig
  • druckvoller Klang
  • Klang-Preis-Relation ungeheuer gut

Contra

Fazit

stereoplay-Testurteil: 88 Punkte; Klang: 64/64/63 Punkte; Preis/Leistung: überragend; stereoplay "Highlight"

Als kleine Pro-Ject-Box hat man es nicht leicht. Zuerst hängt man wie Blister-verpackte Billigware im Laden an einem Haken. Dann wird man ständig angefasst und umgedreht, weil niemand glaubt, dass auch noch Anschlüsse auf die winzige Kehrseite passen. Und als ob das nicht schon genug wäre, muss man auch noch ungläubiges Grinsen ertragen, während man heißblütig schuftet, als gäbe es kein morgen. 

Ganz abgesehen von den immer gleichen Fragen: „Ist da wirklich ein ganzer Computer drin?“ Ja, ist drin. Auf zehn mal zehn Zentimetern. Plus ein ganzer Haufen Software. Und das ergibt unterm Strich einen kompletten Streamer, der Stream Box S2 Ultra heißt. 

Wohlgemerkt: einen reinen Streamer ohne DAC. Doch dazu kommen wir gleich. Unser Mitspieler im Bund der beiden Winzlinge ist Pro-Jects Pre Box S2 Digital. Wenn man so will, ein „Digital“-Vorverstärker, weil ausschließlich digitale Eingänge zur Verfügung stehen. Das ist heutzutage alles andere als eine seltene Audio-Installation und damit zeitgemäß. 

Alle Quellen sind hier digitaler Natur, weshalb der eingebaute DAC das essenzielle Feature dieser ebenfalls in Pro-Jects Zehn-Zentimeter- Standard gefertigten Box ist. Nach dem DAC und dem Pegelsteller speist ein kräftiger Ausgangstreiber schließlich den Kopfhöreranschluss oder Endstufen-Ausgang. 

Macht man es jetzt so clever wie Pro-Ject, dann spendiert man dem kleinen DAC-Vorverstärker einen Wandlerchip der High-End-Klasse, nämlich den ESS9038 in einer Dual-Mono-Konfiguration. Der ist normalerweise nicht in dieser Preisklasse zu haben. Und befördert die Pre Box in (Klang-)Regionen, in denen solche Winzlinge normalerweise nichts zu suchen haben.

Pro-Ject Stream Box S2 Ultra - Rückansicht

© Pro-Ject

„DAC“ ist ein USB-Ausgang, der digitale Audiosignale an einen DAC liefert. Das macht die Stream Box zu einem universellen, zeitlosen Werkzeug. „HDMI“ ist für Bildschirm oder Touchpanel gedacht.

Im Team bilden Pre Box und Stream Box einen kompletten Vorverstärker für digitale Quellen, in dem Streaming, DAC, Kopfhörerverstärker und Pegelsteller unter zwei Minigehäusen vereinigt sind. Und dieser kombinierte Vorverstärker hat es faustdick hinter seinen imaginären Ohren, denn allein schon die Stream Box bietet eine höchst beeindruckende Ausstattung: 

Als Streaming Client ist die Box Roon-kompatibel und arbeitet mit DLNA/UPnP-Musikservern zusammen. Außerdem sind USB-Festplatten und Speichersticks anschließbar, der drahtlose Zugang unterstützt auch Shairplay. Softwareseitig harmoniert der Winzling mit Tidal und Spotify, Internetradio (Shoutcast) ist ebenfalls im Repertoire. 

Wer mag, könnte sogar Tastatur und Maus anschließen, eine HDMI-Buchse stellt den Kontakt zu einem Monitor oder Touch-Panel her. Das muss aber nicht sein, denn die Bedienung gelingt auch via Smartphone, Pad oder Webbrowser. In der Praxis klappte das Setup der Box im Teamwork mit einem iPad in wenigen Minuten.

Der USB-Audioausgang kann natürlich mit beliebigen Wandlern zusammenarbeiten, wobei die Box auch als Jitter hemmende „Bridge“ zwischen Computer und DAC arbeiten könnte. Um die 18-Volt-Stromversorgung kümmert sich übrigens ein Steckernetzteil, als audiophiles Update bietet Pro-Ject verschiedene Akku-Netzteile an, die um die 200 Euro liegen.

Pro-Ject Stream Box S2 Ultra - Innenansicht

© Pro-Ject

Das Geheimnis der Stream Box S2 Ultra ist die industrielle Version des bekannten Ein-Platinen-Computers Raspberry Pi. Und natürlich eine ganze Menge spezielle Software...

Farbdisplay und Filter

Bei der Pre Box S2 Digital, die sich mit Relaisklicken zum Dienst meldet und auch direkt vom Rechner mit USB-Strom versorgt werden kann, beeindruckt nicht nur die erwähnte imposante Wandlerbestückung, sondern auch das helle kleine Farbdisplay, das die Pegel-Einstellung immerhin zentimetergroß präsentiert. 

Die Pegel für Kopfhörer und Ausgangsbuchsen werden separat gespeichert, sehr praktisch. Eine Mini-Fernbedienung liegt bei, sie ermöglicht es auch, vom Hörplatz aus zwischen acht verschiedenen Digitalfiltern zu wählen, was man durchaus als Klangsteller interpretieren darf. 

Das eigens entwickelte „Optimum Transient“-Filter von Pro-Ject machte sich beim Hörtest übrigens so gut, dass es erste Wahl blieb. Da der DAC via USB PCM bis zu 32 Bit/ 768 kHz verarbeitet und sogar DSD 512 plus MQA „schluckt“, muss für Windows ein USB-Treiber installiert werden, den Pro-Ject gleich auf Disc beilegt. 

Lobenswert, dass das Manual auch ausführlich auf die komplette Installationsroutine des Foobar-Players eingeht, denn nur so ist der Windows-Maschine schließlich DSD zu entlocken.

Pro-Ject Stream Box S2 Ultra & Pre Box S2 Digital - Menü

© Pro-Ject / Screenshot & Montage: stereoplay

Das Grundmenü der Stream Box lässt keine Fragen offen.

Schlüssiges Konzept

Obwohl beide Geräte auch jeweils allein jede Menge Sinn machen, ist die Kombi schlüssig: Streaming, DAC und Vorverstärker im zweiteiligen Gehäuse, im Anschlussrepertoire Festplatten, NAS, PC, dazu drahtlos Musik vom Smartphone plus die Option, die konventionellen Digitalanschlüsse der Pre Box für TV und CD- Player zu nutzen. 

Dieses Rund-um-sorglos-Menü könnte sogar mit einem Bildschirm ergänzt werden, der High-Ender stellt sich noch ein Akkunetzteil dazu und hat so letztlich einen ausgefuchsten Vorverstärker kreiert, der bei Bedarf sogar noch mit Pro-Jects AD-Phonobox mit ihrem USB-Ausgang aufgewertet werden könnte... Und wie klingt es? Schon unheimlich gut: trocken, schnell, spielfreudig und druckvoll. 

Der ESS9038 straft die Preisklasse der Pre Box S2 Digital Lügen und befördert diese trickreiche Kombi in erhabene Klang-Gefilde, die üblicherweise nur mit ganz anderen Investitionen zu erkunden sind. Den „User“, der die Hierarchien nun so kräftig durcheinandergewirbelt erlebt und bei dem die Kleinen schon beim Auspacken ein kräftiges „Haben will“-Gefühl auslösten, freut das einmal mehr.

Fazit

Pro-Jects clevere Böxlein mausern sich still und leise zu einem bezahlbaren High-End-Baukasten, dessen Klang-Preis-Relation ungeheuer gut ist. Der digitale Anschluss- und Quellen-Rundumschlag gelingt hier prächtig, die Bedienung ist einfach, die Möglichkeiten sind fast endlos und Updates möglich. Was will man mehr? Also ran an die Festplatten!

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