Smartwatch

Apple Watch im Test

Die Apple Watch ist die Beste: Apple hat es tatsächlich geschafft und die beste Smartwatch weit und breit gebaut. Die hohen Erwartungen kann sie im Test trotzdem nicht erfüllen.

Verschiedene Modelle der Apple Watch

© Apple

Verschiedene Modelle der Apple Watch

Die Apple Watch wurde so sehnsüchtig erwartet wie sonst keine Smartwatch. Von der Tech-Industrie, die hofft, dass die Watch dem Konzept des Handgelenk-Computers, das bisher bei den Kunden nicht zünden konnte, einen kräftigen Schub nach vorne gibt. Und von den Apple-Fans, die hoffen, dass ihr Unternehmen nach dem Telefon auch die Uhr neu erfindet. Es erscheint doch zweifelhaft, dass das gelingen kann, denn zuallererst macht die Watch deutlich, dass Apple auch nur mit Wasser kocht.

Ausstattung

Technisch betrachtet bietet die Watch sogar weniger als eine LG Watch Urbane oder eine Samsung Gear S (Test) - GPS fehlt genauso wie WLAN und eine Mobilfunkschnittstelle. Display und Sensorik entsprechen dem Branchenstandard, und das bedeutet: Ohne das Smartphone - in diesem Fall muss es ein iPhone sein - kann die Smartwatch nicht viel mehr als eine ganz normale Uhr. Das OLED-Display (312 x 390 Pixel) ist zwar kontraststark und vergleichsweise hell, aber an einem sonnigen Tag hat man trotzdem Probleme beim Ablesen.

Apple Watch Simple

© Apple

Apple Watch Simple

Der Akku hält bei normaler Nutzung maximal zwei Tage, realistisch ist das abendliche Ablegen und Nachtanken in der mitgelieferten magnetischen Halterung, die viel bequemer ist als das Gefummel an Micro-USB-Steckern (Sony Smartwatch 3) oder Ladekäfigen (Asus Zenwatch). Neu ist das aber nicht, Motorola macht es bei der Moto 360 ähnlich komfortabel.

Gehäuse und Verarbeitung

Uns stand eine Watch in der Sport Edition zur Verfügung, also der günstigsten Variante mit einem 42-Millimeter-Gehäuse aus eloxiertem Aluminium (449 Euro), dazu ein Lederarmband mit Magnetverschluss zum Preis von 169 Euro. Das kleinere 38-Millimeter-Gehäuse kostet 50 Euro weniger, aber selbst damit gehört die Watch noch zu den teuersten Smartwatches. Doch der Preis ist gerechtfertigt, das wird gleich nach dem Auspacken deutlich.

Die Apple Watch ist selbst in der 42er-Variante kleiner als andere Smartwatches, was erst beim Tragen auffällt, weil auch ein Designtrick dafür verantwortlich ist: Mit 10,5 Millimetern ist der Korpus zwar relativ dick, aber weil der runde Pulsmesser auf der Unterseite nach außen gewölbt ist, versinkt er teilweise in der Haut und die Apple-Uhr wirkt am Arm dünner als sie eigentlich ist.

Apple Watch Sport

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Auch der fast nahtlose Übergang der gewölbten Glasoberfläche des Displays in das abgerundete Gehäuse verstärkt den überraschend kompakten Eindruck. Die Materialwahl ist gelungen: Bereits die Sport Edition mit Aluminiumgehäuse ist ein haptischer Genuss, noch eleganter wird es mit der Edelstahlvariante, die bei 650 Euro startet. Sie kommt mit kratzfestem Saphirglas, in der Einsteigervariante muss sogenanntes Ion-X-Glas reichen, das in Bezug auf Härte und Kratzfestigkeit gut mit Gorilla-Glas vergleichbar ist, das die meisten Smartphone-Displays schützt.

Benutzeroberfläche und Bedienung

Das zweite Highlight neben dem gelungenen Design ist die Steuerung, deren hervorstechendstes Merkmal das Drehrad der rechten Seite ist. Ein Druck auf diese digitale Krone führt immer auf den Homescreen, der alle App-Icons in einer kreisförmigen Draufsicht einblendet. Wenn man jetzt am Rad dreht, werden die Symbole stufenlos vergrößert oder verkleinert. Dieses Zoomen ist eine Hauptfunktion der Krone, eine weitere ist das Scrollen durch Listen oder Texte. Der Vorteil liegt auf der Hand: Während bei Smartwatches mit Android Wear der Fingerwisch auf dem Touchscreen die Inhalte verdeckt, bleibt bei Apple das kleine Display frei.

Apple Watch

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Blick ins Gehäuse: Für die Watch hat Apple einen neuen Chipsatz entwickelt, den S1.

Steuerung per Force Touch

Eine weitere Besonderheit ist "Force Touch", der längere Druck auf den Touchscreen, der in bestimmten Apps Zusatzoptionen einblendet. Schon nach kurzer Zeit mit der Watch wird klar, dass Apple für das Problem der Steuerung komplexer Funktionen mittels begrenztem Interface die beste Lösung gefunden hat. Hinzu kommt, dass die Benutzeroberfläche um Längen besser ist und moderner aussieht als Android Wear und flink auf Eingaben reagiert. Keine Smartwatch lässt sich so bequem bedienen wie die von Apple.

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Wir zeigen Ihnen die verschiedenen Varianten der Apple Watch. Im Frühjahr 2015 soll die Smartwatch erhältlich sein.

Das heißt nicht, dass die Steuerung so einfach ist wie auf einem Smartphone. Die unterschiedlichen Tastenkombinationen, Benachrichtigungssymbole und Wischgesten erschließen sich nicht von selbst. Die Apple Watch ist kein Gadget, das man auspackt, um dann sofort loszulegen. Es lohnt sich, das Benutzerhandbuch zumindest teilweise zu lesen - leider ist es nur online erhältlich.

Funktionen und Apps

Das Freisprechen mit der Watch klappt sehr gut, auch die Navigation mit der Karten-App überzeugt. Nervig sind dagegen die Ladezeiten, die immer dann auftreten, wenn Daten aus dem Internet geholt werden müssen, etwa neue Tweets bei Twitter oder Text und Bilder in einer Nachrichten-App. Aber es stellt sich ohnehin schnell die Frage, warum man Twitter oder andere Medien überhaupt auf dem winzigen Display konsumieren soll, das nicht viel mehr als ein Dutzend Wörter anzeigen kann. Und so macht sich nach einigen Tagen des Herumspielens und Ausprobierens schnell Ernüchterung breit.

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Die Apple-Watch gibt die Zeit an, zeigt das Wetter, sammelt auf Wunsch eifrig Gesundheits- wie Fitness-Daten und sorgt für den Kontakt mit der…

Viele der Watch-Apps gehen nicht über eine simple Benachrichtigungsfunktion hinaus, wenn man mehr will, muss man doch wieder das iPhone aus der Tasche ziehen.

Fazit

Momentan ist die Watch nicht mehr als ein Signalgeber und Zeitmesser und es ist doch fraglich, ob damit ein Kaufpreis von 400 Euro gerechtfertigt ist, denn dafür bekommt man eine Armbanduhr, die mindestens genauso edel aussieht, sich aber auch an einem Sommertag noch gut ablesen lässt und nicht täglich nachgeladen muss. Auch der Watch fehlt ein echter Nutzwert - in diesem Sinne ist also auch Apple gescheitert. Gleichzeitig macht sie aber eindrucksvoll deutlich: Wenn einer das Konzept Smartwatch zum Erfolg führen kann, dann Apple.

Die folgende Galerie zeigt die wichtigsten aktuell verfügbaren Smartwatches:

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