Standlautsprecher

Focal Aria 926 im Test

Der französische Boxenhersteller Focal hat für seine neue 900er Baureihe ein vielversprechendes Membranmaterial entwickelt, basierend auf der Naturfaser Leinen. Exklusiv bei AUDIO im Test: das vermutlich gefragteste Modell der Serie, die Standbox Aria 926.

Focal Aria 926

© Hersteller/Archiv

Focal Aria 926

Pro

  • offener und lebhafter Klang
  • machtvoller Bassbereich
  • hohe Feindynamik auch bei komplexen Klängen

Contra

Wilde Zeiten waren das in den 80ern, als Focal, damals noch unter JMlab firmierend, sich anschickte, mit Chassis für Auto-HiFi-Zwecke und Bausatzboxen die Herzen seiner Fans zu erobern. Etwas ungestüm waren seinerzeit auch einige klangliche Eigenschaften, was hauptsächlich daran lag, dass sich die Selbstbauszene selten einigen konnte, welche der zahlreichen Weichschaltungen die richtige war.

Hochwertige Car-HiFi-Produkte gehören unverändert zum Portfolio von Focal, doch aus der schwer kontrollierbaren Bastelecke hat sich der in Saint-Etienne, drei Autostunden von der deutschen Grenze entfernt, ansässige Hersteller verabschiedet. Aus der einstigen Kultmarke für Tüftler ist durch Fleiß und Beharrlichkeit einer der erfolgreichsten Boxenhersteller Europas geworden.

Einer, der obendrein ein klares Bekenntnis zum Standort Frankreich ablegt und sich eine sehr hohe Fertigungstiefe leistet, die alle für Klang und Haltbarkeit relevanten Baugruppen umfasst. Auch die neue 900er Serie ist wie ihre Vorgänger, die Chorus 800 hießen, mit Chassis "Made in France" bestückt. Dieser Umstand ist schon deshalb bemerkenswert, weil viele Wettbewerber mittlerweile selbst deutlich höher positionierte Baureihen in Fernost fertigen lassen.

Focal Aria 926

© Hersteller

Das Glasfaser-Leinen-Glasfaser-Sandwich wird in beheizten Formen verbacken.

Focal Aria 926: Aufbau

Die neue Aria-Serie startet mit Paarpreisen knapp unter 800 Euro und umfasst eine Kompakt- sowie drei Standboxen. Zusätzlich ist eine Centerbox für Mehrkanalzwecke vorgesehen. Die Aria 926, die AUDIO sich noch vor der Markteinführung zum Test sichern konnte, ist die zierlichste und preisgünstigste Standbox innerhalb der Familie.

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Doch der Benjamin-Status bedeutet keinen Verzicht bei Technologie und Ausstattung. Alle Aria-Standboxen, auch die 926, sind "echte" Dreiwegesysteme mit einem von den Basstreibern akustisch (in einer eigenen Gehäusekammer) wie auch elektrisch getrennten Mitteltöner. Zwei immerhin 8 Zoll große, sehr langhubige Basstreiber signalisieren dem Kenner, dass die 926 kein Kompromissprodukt für Lifestyleverliebte sein will, sondern eine vollwertige Standbox für durchaus gehobene Ansprüche.

Focal Aria 926: Varianten

Ähnlich wie bei der Vorgängerserie sind mehrere Gehäuseausführungen im Programm, die sich preislich leicht, optisch dafür umso deutlicher unterscheiden. Die günstigere Variante der 926 kostet 1.800 Euro pro Paar trägt an den Seiten horizontal gemasertes Walnussdekor, das reizvoll mit der schwarzen Kunstleder-Bespannung der Schallwand kontrastiert. 200 Euro mehr verlangt Focal für die Nobel-Version ganz in schwarz - das Leder bleibt, aber die Seiten sind dann Hochglanz-lackiert.

Beide Ausführungen verfügen über eine Kopfplatte aus Glas und einen abgesetzten Sockel aus Aluminium-Druckguss mit integrierten Spikes. Der aufwendige Unterbau sichert einen wackelfreien Stand und kaschiert ein zweites Bassreflexrohr, dessen Austrittsöffnung zwischen Korpus und Sockel liegt. Die Doppelrohrbestückung soll eine besonders intensive und nebengeräuscharme Bassanregung gewährleisten.

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Für die Höhen ist wie von Focal gewohnt ein Kalottensystem mit inverser, also nach innen gewölbter Membran aus Aluminium-Magnesium-Legierung zuständig. Der Treiber soll, unter anderem dank einer neuen Aufhängung aus dem Elastomer Poron, noch reiner klingen als die für ihr hohes Auflösungsvermögen geschätzte Vorgeneration.

Aria Membran

© Hersteller

leicht und sehr stabil: Die Leinenstruktur ist durch die hauchdünne Deckschicht aus Glasfasergewebe hindurch noch deutlich zu sehen.

Focal Aria 926: Membran

Die große Neuheit an der 926 sind aber die Membranen ihrer Konustreiber, die Farbe und Struktur einer 0,4 Millimeter dünnen Schicht aus natürlichem Leinengewebe verdanken. Zwei um den Faktor 10 dünnere Lagen Glasfaser auf beiden Seiten veredeln den Naturwerkstoff zu einem Sandwich mit herausragenden Eigenschaften im Spannungsfeld zwischen Dämpfung, Steifigkeit und material interner Schallausbreitung.

Wie die noch steiferen W-Cone-Membranen der Electra- und Utopia-Modelle werden die "F"-Trichter (F für "Flax") zeit- und arbeitsintensiv im französischen Focal-Werk laminiert, per Laser auf Maß geschnitten, einzeln geprüft und schließlich mit Korb, Schwingspule und Sicke zu fertigen Chassis vermählt. Der Aufwand ist für diese Preisklasse außergewöhnlich, und offensichtlich lohnt er sich: bereits die Laborwerte zeigen sich gegenüber der Chorus 826 durchgehend verbessert. Der Tiefbass ist bei der 926 einige Hertz ausgedehnter und im Hochtonbereich verlaufen die Schalldruckkurven linearer.

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Besonders auffällig ist das zügige Abklingen nach breitbandiger Anregung, das Resonanzarmut und hohe innere Dämpfung des neuen Konusmaterials belegt. Diese Eigenschaften lassen aller Erfahrung nach einen besonders reinen Klang erwarten, selbst dann, wenn zahlreiche Stimmen und Instrumente gleichzeitig auf die Membranen einwirken.

Hörtest

Im Hörraum bestätigte sich diese Vorahnung mit aller Deutlichkeit. In der Gesamtschau verhielt sich die 926 nicht signifikant anders als die Vorgängerin, sie ging zuvorderst mit kräftigen und gut konturierten Bässen auf Punktejagd, ließ sich auch bei machtvollen Impulsen nicht zu Unsauberkeiten hinreißen und wurde bei aller Lebendigkeit nie vordergründig. Doch während die Vorgeneration in den Tutti auch mal grantig werden konnte, blieb die 926 stets samtig und kultiviert. Trotz dieser gelassenen, normalweise höheren Preisklassen vorbehaltenen Spielweise war der Detailreichtum enorm.

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Das kürzlich veröffentlichte Album "The Vigil" von und mit Jazz-Legende Chick Corea geriet mit diesem Klangcharakter zu einer herrlich vornehmen Veranstaltung. Anhand der vertrackten und doch eingängigen Arrangements des Altmeisters konnte die Aria 926 ihr überragendes Feingespür demonstrieren. Einen so edlen und aufgeräumten Klang bieten in dieser Klasse nur die wenigsten Boxen. Wenn doch, sind sie selten so pegelfest wie die neue Focal.

Dank guter Watt-Verwertung müssen Anwender für diesen Rasseklang nicht mal übermäßig bullige Verstärker-Geschütze auffahren. Mit dem neuen, keineswegs sperrigen Nait XS 2 von Naim harmonierte die 926 prächtig. Der Amp nahm dem mächtigen Bass etwas von seiner Fülle, ließ Mitten und Höhen engagiert leuchten, was in der Summe eine sehr fokussiert und stimmig aufspielende Kette ergab. Dass Naim seit 2011 zu Focal gehört und auch die französischen Hörräume längst mit der britischen Edel-Elektronik ausgerüstet sind - man meinte es dieser Kombination anhören zu können.

Fazit

Die Focal liefert einmal mehr den Beweis, dass es im Lautsprecherbau noch viel zu holen gibt. Bis vor kurzem sah es so aus, als seien Verbesserungen nur mit harten Werkstoffen wie Keramik oder gar künstlichem Diamant zu erreichen. Der sehr vitale Klang der Leinen-Membranen wird bei Musikfans sicher gut ankommen.

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