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Mobiler Kopfhörer

Focal Elegia im Test

Ein geschlossener, voll mobiltauglicher Kopfhörer auf der Basis eines offenen High-End-Modells? Wie das geht zeigt Focal mit dem neuen Elegia. Wir haben ihn getestet.

Kopfhörer: Focal Elegia im Test

© Focal

Kopfhörer: Focal Elegia im Test

Pro

  • kompakte aber klar strukturierte Abbildung
  • ausgewogener Klang
  • hoher Wirkungsgrad und niedrige Impedanz

Contra

Fazit

Stereoplay Gesamturteil: 79 Punkte; Klang: 54 Punkte; Preis/Leistung: überragend
Hervorragend

Offen oder geschlossen? Bei Kopfhörern ist das nicht nur eine Frage der Klangphilosophie, sondern auch der Verwendung. Offene Kopfhörer sind so gebaut, dass das Gehäuse möglichst schalldurchlässig ist und der Schallwandler mehr oder weniger freischwebend in der Kapsel aufgehängt ist. So entsteht an den Ohren kein Druck- oder Wärmestau, und die Kopfhörer erzeugen besonders weiträumige Klangbilder. 

Wegen der guten Belüftung sind sie außerdem sehr angenehm zu tragen und für lange Hörsitzungen geeignet. Zahreiche namhafte Hersteller haben ihre Spitzenkopfhörer bislang vor allem aufgrund der überragenden Klangeigenschaften immer offen gestaltet. Auch Focals prominentes Topmodell Utopia ist mit seiner extrem offenen Bauweise ein gutes Beispiel dafür.

Ein gravierender Nachteil offener Kopfhörer lässt sich allerdings nicht von der Hand weisen: Der vom Kopfhörer erzeugte Schall dringt fast völlig ungehindert nach außen. Beim Musikhören beschallt man also immer auch sein Umfeld, je nach Lautstärke sogar in einem durchaus erheblichen Maß. Umgekehrt werden alle störenden Schalleinflüsse aus der Umgebung ebenfalls nicht abgehalten, sodass offene Kopfhörer eigentlich nur für intimes Hören in ruhigem Ambiente geeignet sind. 

Kopfhörer, die in lärmbelasteten Situationen eingesetzt werden sollen, haben daher geschlossene Muscheln, die möglichst wenig Schall passieren lassen. Bei Modellen für den mobilen Einsatz hat sich deshalb das geschlossene Bauprinzip auf breiter Front durchgesetzt.

Kopfhörer: Focal Elegia im Test - Explosionszeichnung

© Focal

Der gekapselte Breitband­treiber besteht aus einer geknickten Aluminium-Magnesium-­Membran mit Nitrilkautschuksicke, einer trägerlosen Kupferspule und dem Antriebsmagnet.

Immer öfter geschlossen

In den Kopfhörermuscheln entsteht durch das geschlossene Gehäuse jedoch ein Druckkammereffekt, der einerseits zwar wesentlich kompaktere Klangbilder, andererseits aber auch deutlich sattere Bässe liefert. Durch die hohe Verbreitung von Mobilkopfhörern werden aber genau diese Klangeigenschaften immer beliebter. Mehr und mehr Hersteller bringen daher geschlossene Varianten ihrer Spitzenmodelle heraus wie kürzlich Sennheiser mit dem HD 820​, oder sie setzen im HiFi-Bereich ausschließlich auf geschlossene Kopfhörer, wie zum Beispiel Denon.

Andere Hersteller haben sowohl offene als auch geschlossene Top-Kopfhörer im Angebot: Dazu gehören Beyerdynamic, der aus Tradition dem Kunden die Wahl zwischen offen und geschlossen überlässt, oder Ultrasone, der als bekannter Verfechter des geschlossenen Bauprinzips mit der Edition 15​ nun auch einen hervorragenden offenen Kopfhörer zu bieten hat. 

Jetzt reiht sich Focal ebenfalls in die Riege dieser Hersteller ein. Die Franzosen haben bislang zwei offene Modelle aus ihrem Leuchtturmprojekt Utopia abgeleitet: Den technisch etwas einfacheren Elear​, bei dem die Membran nicht aus Beryllium, sondern aus einer Aluminium-Magnesium-Legierung besteht, und ein gutes Jahr später den auf dem Elear basierenden Clear mit verbesserter Schwingspule und einer etwas dynamischeren Abstimmung.

Kopfhörer: Focal Elegia im Test - Seitenansicht

© Focal

Der Auslass ist geschickt im Focal-Logo verborgen, das sich bei genauerem Hinsehen tatsächlich als luftdurchlässig entpuppt.

Durch den Elegia wird diese Serie um einen geschlossenen Kopfhörer erweitert, der allerdings rein äußerlich seine Verwandtschaft zu den drei offenen HiFi-Modellen kaum verhehlen kann. Focal vertraut weiterhin auf die spezielle, für den Utopia entwickelte Grundform, die in aufwendigen Studien ergonomisch so optimiert wurde, dass der Kopfhörer unabhängig von der Größe des Kopfes immer perfekt sitzt. 

Die Verarbeitung ist gewohnt hochwertig, die mit Mikrofaser überzogenen Polster sorgen für Komfort, die Haltegabeln aus massivem Aluminium für Stabilität und der lederbespannte Kopfbügel für einen eleganten Auftritt. Die Treiber sind etwas nach vorne versetzt und leicht angewinkelt, was besonders gute Abbildungseigenschaften bedingen soll. Gleichzeitig befinden sie sich aber immer noch nahe genug am Ohr, um eine Wiedergabe mit maximaler Dynamik und Neutralität zu garantieren.

Einen Spalt offen

Neu sind dagegen die geschlossenen Kunststoffschalen, die auf der Innenseite mit Diffusoren versehen sind, um die Schallenergie gleichmäßig im Gehäuse zu verteilen und stehende Wellen zu unterbinden. Wobei der Kopfhörer genau genommen nicht komplett geschlossen ist. In die Schale ist ein markanter Aluminiumdeckel eingelassen, der den Schallwandler auf der Rückseite abschließt. 

Dieser Deckel besitzt eine Ausgleichsöffnung, die Kompressionseffekte im Bass verhindert. Der Auslass ist geschickt im Focal-Logo verborgen, das sich bei genauerem Hinsehen tatsächlich als luftdurchlässig entpuppt. In solchen Punkten erkennt man erst, mit welcher Liebe zum Detail dieser Kopfhörer entwickelt wurde.

Kopfhörer: Focal Elegia im Test - Tasche

© Focal

In der passgenau warm­geformten Transportbox ist der Elegia kompakt und sicher verstaut. Für Zubehör wie Kabel und Klinkenadapter bietet sie ebenfalls noch Platz.

Das gilt auch für den eigentlichen Schallwandler: Die Aluminium-Magnesium-Membran mit stabilisierendem Knick hat Focal zwar vom Clear übernommen, Sicke und Antrieb jedoch überarbeitet, um das Auslenkungsverhalten der Membran noch besser unter Kontrolle zu bekommen. Unter anderem wurde die trägerlose Kupferschwingspule um einen Millimeter verkürzt, wodurch die Impedanz des Kopfhörers bis auf Werte von etwa 30 Ohm gesenkt werden konnte. 

Damit ist der Elegia in der Lage, selbst am Smartphone einen perfekten Auftritt hinzulegen. Auch mit dem satten Bigband-Sound von Michael Bublé oder den pumpenden Bässen von Peter Fox war der Kopfhörer nicht in Verlegenheit zu bringen. In den Tiefen blieb er stets straff und kontrolliert, Dynamikspitzen steckte er ohne Probleme weg. Gepaart mit der sehr kompakten, aber immer klar strukturierten Abbildung ist der Elegia daher ein Musterbeispiel für modernen Kopfhörerklang.

Fazit

Der Elegia ist das erste geschlossene Modell aus Focals High-End-Kopfhörerserie, die auf dem offenen Spitzenmodell Utopia basiert. Er offenbart, dass die Franzosen ein außerordentlich gutes Händchen für die Abstimmung haben. Das Klangbild ist sehr kompakt, aber perfekt strukturiert und absolut ausgewogen. Hoher Wirkungsgrad und niedrige Impedanz machen ihn zudem uneingeschränkt mobiltauglich.​

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