Testbericht

Im Test: Röhren-Vollverstärker Magnat RV 2

Röhren laden zu den schönsten Musikreisen ein. Mit dem neuen RV 2 für 2500 Euro stellt Magnat ein ideales Traum-Luftschiff zur Verfügung.

  1. Im Test: Röhren-Vollverstärker Magnat RV 2
  2. Datenblatt
Magnat RV 2

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Magnat RV 2
Magnat RV 2

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Gebietet über Laut und Leise und liegt metallschwer in der Hand: die schicke Fernbedienung des Magnat RV 2.

Die Schönheit und Solidität des 2000-Euro-Vorgängers RV 1 haben die stereoplay-Tester in Heft 11/07 schon über den Schellenkönig gelobt. Beim neuen Magnat RV 2 gehen ihnen fast die Worte aus. Die fingerdicke Alu-Front und das Stahlblech-Chassis sind für den 2500-Euro-Amp nahezu selbstverständlich. Ebenso die Vollmetall-Drehknöpfe für Lautstärke, Balance und Eingangswahl. Oder auch die hochkarätigen Boxenklemmen und die vergoldeten Cinch-Eingangsbuchsen hinten dran.

Das Ganze - schwarz glänzend gespritzt und mit einer sicherlich ausreichend hitzefesten Kunststoffplatte auf dem Oberdeck - sieht jetzt sogar noch schöner aus. Bedenken kommen allenfalls dem Phono-Fan. Und zwar, wenn er beim genaueren Vergleich Alt gegen Neu das Fehlen eines Extra-Röhrenverschlags entdeckt. Dort ließ Magnat im RV 1 nicht weniger als vier Doppeltrioden werkeln, um die Signälchen von Moving-Magnet-Tonabnehmern auf Line-Niveau anzuheben.

Diesen Röhren-Extraluxus hat sich der Hersteller inzwischen erspart - um aber letztlich aus der Not eine Tugend zu machen. So vertraut der RV 2 die MM-Vorverstärkung und die Entzerrung der Schneidstichel-Kennlinie jetzt einem Halbleiter-Chip des Typs 5532 an. Im Etat blieb noch ein Posten für das extra rauscharme Edel-IC AD 797 von Audio Devices übrig. Als Prepre eingesetzt, befähigt es den RV 2 dazu, sich über neu hinzugekommene MC-Eingangsbuchsen auch der hauchzarten (dafür aber meist genaueren) Musikimpulse von Moving-Coil-Pickups anzunehmen.

Magnat RV 2

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Für Moving-Magnet- und Moving-Coil-Tonabnehmer gibt's separate Eingänge.

Bei solcher Anwendung macht die Halbleiterei Sinn. Doch Hochpegelsignalen etwa von CD-Spielern mutet der Magnat kein mühsames Gekrabbel durch Siliziumkristall zu. Ganz im Gegenteil: Weil sich im Eingang gleich zwei Systeme einer Doppeltriode ECC 83 nach dem Shunt-Regulated-Push-Pull-Prinzip die Arbeit aufteilen, gelingt ein besonders müheloser und klirrarmer Elektronen-Vakuumflug.

Es folgt ein weiteres Trioden-Pärchen, das mit im Winkel unveränderten und um 180 Grad verschobenen Schwingungen bereits die Gegentakt-Endstufe ansteuern kann. Musste der RV 1 noch mit den schlankeren EL 34 auskommen, bekam der RV 2 pro Kanal zwei bestens selektierte und vor-eingebrannte dickere Flaschen des Typs 6550 - und hiervon nicht irgendwelche, sondern aus Russland stammende, mit dem Haltbarkeit versprechenden Label Electro-Harmonix.

Beim Netztrafo und den beiden Ausgangstrafos, die Magnat mit Antivibrations-Kunststoff vergießen und von glänzenden Blechhauben  schmücken lässt, gibt es genauso wenig zu meckern. Und so fand die Redaktion wie beim RV 1 bloß einen einzigen Nachteil: Steht eines fernen Tages eine Ruhestromjustage an, gelingt sie nur nach Abnahme des Bodenblechs sowie unter Einsatz eines Schraubenziehers an Spindeltrimmern und eines Multimeters an Messkontakten. Das vertraut der Musikfan doch lieber dem professionellen Service an.

Magnat RV 2

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Sehr ausgewogen, auch bei Phono MM und MC mit wirksamem Subsonic-Filter

Dafür braucht er sich um die feine Phono-Wiedergabe nicht zu sorgen. Der RV 2, der laut stereoplay-Messlabor über selten ausgeglichene Frequenzgänge bei ordentlichem Rauschabstand verfügt, hörte sich entsprechend gut an. Sehr lebendig und äußerst fein aufgelöst mit MC-Tonabnehmern. Fließend, ruhig und sehr körperlich mit MMs - hier auch ohne die so häufig anzutreffende, durch Überkapazität hervorgerufene quengelige Höhenanhebung.

Magnat RV 2

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Perfekt abgestufte sowie meist gleichmäßig und lastunabhängig verlaufende Klirrkomponenten.

Bei alledem sonnte sich der RV 2 nur so in Röhrenseligkeit. Er ergötzte mit zufrieden schnurrenden Bässen und leuchtendem Perkussions-Geglitzer bei viel Luft und Weite. Der ältere RV 1 brachte mit MM noch eine Spur mehr Wärme ins Spiel. Trotzdem steht erst dem neuen MC-Magnat RV 2 der Titel LP-Champion zu.

In der CD-Wiedergabe ließ der RV 2 seinem Vorgänger erst recht keine Chance. Das Highlight aus Heft 11/07 versuchte zwar erst noch zu zicken. So wirkte die Stimme von Ulita Knaus ("It's The City") auf Anhieb etwas leichter, nuancierter, das Stock-Schnippen auf die Hi-Hat kam etwas pointierter. Doch schon nach wenigen Minuten wandten sich alle Tester der fraulicheren, volleren Stimme sowie dem substanzielleren und noch ruhigeren Musikfluss zu - und damit dem neuen Magnat.

Der RV 2 legte sich tapfer mit anderen Widersachern an. Etwa mit dem Ayon Orion , der in puncto Basspunch prompt in die Knie ging, aber bei der noch kritzelig-feineren und direkteren Höhenwiedergabe siegte. So ergab sich ein Patt: 55 Punkte. Doch beim RV 2 kommt ja noch die schöne Phono-Reisebegleitung hinzu.

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Vollverstärker

Röhren laden zu den schönsten Musikreisen ein. Mit dem neuen RV 2 für 2500 Euro stellt Magnat ein ideales Traum-Luftschiff zur Verfügung.

Magnat Audio Produkte RV 2

HerstellerMagnat Audio Produkte
Preis2500.00 €
Wertung55.0 Punkte
Testverfahren1.0

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