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Magnat Signature 1105 im Test

Eine Doppelkalotten-Anordnung mit Superhochtöner und Keramikkonen macht die Magnat Signature 1105 zum Hingucker. Dabei lädt sie gar nicht zu technischen Grundsatzdiskussionen ein – dank eines herausragend natürlichen Klangs, wie unser Test zeigt.

Magnat Signature

© Magnat / Montage: stereoplay

Magnat Signature

Pro

  • sehr musikalisch und natürlich abgestimmte Box
  • spielt räumlich tief
  • guter Sinn für Timing und Transparenz

Contra

Fazit

stereoplay Testurteil: 79 Punkte, Klang: absolute Spitzenklasse (59 Punkte), Preis/Leistung: sehr gut
Hervorragend

Einigen Erfindungen der HiFi-Geschichte war kein langfristiger Erfolg beschieden, und die Zeit ist ein Stück weit über sie hinweggegangen. Zu den Hypes der frühen 2000er-Jahre gehörte zweifellos der Super-Hochtöner, der im Zuge von SACD und DVD-Audio eingeführt wurde und nach einigen Jahren von den allermeisten Herstellern wieder aus dem Programm genommen wurde. So ganz einleuchtend erschien schon damals die Begründung einer Wiedergabe bis 50 oder 100 kHz nicht, und Interferenzen der oftmals aufgesetzten Supertweeter waren dem Klang eher abträglich, als dass sie der Durchsetzung dieser Technologie genützt hätten. Etwas verwundert es daher schon, dass die neue Signature 1100 Linie von Magnat mit diesem Feature ausgestattet ist und auch beworben wird: dem Superhochtöner.

Magnat Signature - Bass

© Magnat

Die Alu-Membran mit hauchdünner Keramik-Auflage besteht aus zwei Teilen und wird von einer sehr kleinen Schwingspule mit langem Träger angetrieben. Durch die konvexe Wölbung geht der äußere Membranteil zu hohen Frequenzen in kontrollierte Partialschwingungen über und verbreitert dadurch den Abstrahlwinkel.

Mach’s richtig, Magnat! 

Dabei gibt es aus Sicht eines Entwicklers gute Gründe dafür, den Hochtonbereich auf zwei Kalotten aufzuteilen. Denn kein Hochtöner ist aus Sicht von Dynamik und Rundstrahlverhalten perfekt. Während sich bei Letzterem 19-mm-Kalotten bewähren, die den Entwickler zu schmerzhaften Kompromissen bei Übergang und Dynamik zwingen, sind 30-mm-Kalotten ungeschlagen bei Verzerrungsfreiheit und einfacher Ankopplung zum Mitteltöner, weisen aber Nachteile aufgrund der zunehmenden Bündelung auf, besonders was das Rundstrahlen oberhalb von 10 kHz und die gefühlte „Luftigkeit“ im Raum angeht.

Während die meisten Firmen zu einem Kompromiss und einer Größe um 25 mm greifen, versucht Magnat-Entwickler Christian Gather, die Vorteile von beiden Formaten zu verbinden. Das Kalottenduo der neuen Signature 1105 besteht aus 20 und 30 mm durchmessenden Gewebeeinheiten, die in einer gemeinsamen, aus dem vollen Alu gedrehten Waveguide-Kombi sitzen und dank platzsparender Antriebseinheit so nahe beieinander platziert sind, dass sich Auslöschungen weitgehend vermeiden lassen. Die Trennfrequenzen werden mit 2,3 und 18,5 kHz angegeben, wobei der Superhochtöner natürlich auch noch in den hörbaren Bereich hineinspielt und insbesondere den Abstrahlwinkel der höchsten Höhen verbessert.

Kein D’Appolito

Unter 2300 Hz verlässt sich die Magnat auf 17-cm-Konustöner, die eine Alu-Membran mit hauchdünner Keramikschicht in Bewegung setzen. Hauchdünn deshalb, damit die Membran flexibel bleiben kann und im obersten Bereich in kontrollierte Biegeschwingungen aufbricht, was einen homogenen Übergang im Abstrahlwinkel ermöglicht. Die optische Anordnung der beiden Konen auf der Schallwand täuscht: Hier ist keine D’Appolito-Konstruktion am Werk, sondern der untere Tieftöner wird erst unter 290 Hz eingeblendet und unterstützt lediglich Bass und Tiefton.

Magnat Signature - Doubletweeter

© Magnat

Die Antriebe der beiden Kalotten mit extrem platzsparenden Magneten und versetztem Einbau ermöglichen erst die nahe Platzierung der beiden akustischen Zentren unter Vermeidung von Interferenzen und den Doppel-Waveguide, der das Rundstrahlverhalten beider Hochtöner harmonisiert.

Hörtest: Viel Wohlklang

Vom ersten Takt an zeigte sich Anne Bissons „September in Montreal“ von der audiophilen Seite: Die 1105 gab dem Klangbild einen verblüffend stabilen und realistischen Raum, stellte die gehauchte Stimme schön in die Tiefe und servierte die vielen kleinen perkussiven Details der Aufnahme mit Souveränität, ohne den Hörer zu überfrachten. Besonders ihrer Stimmdarstellung gelang ein goldener Mittelweg aus Sanftheit, Stimmschönheit und Klarheit, wie man ihn selten hört. Dabei ließ sie den Kontrabass nicht mit übermäßiger Energie, dafür umso natürlicher schnalzen. 

Überhaupt punktete die Signature besonders mit ihrer Homogenität, die bei Gershwins Klavierkonzert („High End Demonstration Tracks“) herausragend alle Instrumente mit ihrer teilweise weit entfernten Platzierung staffelte, ohne das Klangbild zu sezieren. Dem teils schnellen Geschehen in Schlagwerk und Blechbläsern begegnete sie mit einer Portion Gelassenheit und einer Prise Sanftheit, baute alles von den Resonanzkörpern auf, ohne der Musik aber ihren Schwung und ihre Energie zu nehmen. 

Die zum Vergleich herangezogene Nubert NuLine 334​ legte dank ihres Volumens noch mehr Tiefgang in die Waagschale und fächerte die Details im Hochton noch etwas mehr auf, musste sich aber bei realistischer Tiefenstaffelung und Homogenität des Klangbildes der Magnat relativ deutlich geschlagen geben.

Fazit

Mit der Signature 1105 bekommt man für überschaubares Budget nicht nur eine sehr audiophile und langzeittaugliche Genießerbox, sondern auch die Gewissheit, nicht über technische Details nachdenken zu müssen. Ihr Konzept geht somit einfach auf.

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