Testbericht

Quad ESL 2905

Die Fans der Flächenwandler preisen die Transparenz und Präzision ihrer Schätzchen. Kann auch die Quad mit diesen Vorzügen punkten?

  1. Quad ESL 2905
  2. Datenblatt
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© Archiv

Wie die Fans von Martin Logan, Magnepan und Final halten auch die Quad-Anhänger die Fahne der Flächenwandler hoch. Die Membran hat fast keine Masse,  es gibt kein geschlossenes Gehäuse, und nebenbei handelt es sich bei den Quads auch noch um Breitbänder. So weit die hehre Theorie - die harte Praxis macht es für die Entwickler wahrlich kompliziert. Die leichte Folie ist nur schwer anzutreiben, die offene Bauweise führt zur Auslöschung der Bassfrequenzen, die große Membran zu unerwünscht starken Bündelungseffekten.

Peter Walker, geistiger Vater der Quad-Elektrostaten, hat für all diese Schwierigkeiten die passende Lösung parat. Nicht Magnetkraft, sondern ein 5000 Volt starkes elektrisches Feld treibt im ESL 2905 die Folie an; deren Fläche beträgt fast einen Quadratmeter. Gegen die Richtwirkung wird die Membran in ringförmige Bereiche für verschiedene Frequenzen aufgeteilt. Je höher die Töne, desto kleiner der schwingende Teil der Folie, der Abstrahlwinkel bleibt so durch die Eigenbündelung im wichtigen Mitteltonbereich konstant. Die Aufteilung hat auch den Vorteil, dass tiefe Töne mehr Pegel bekommen, was den akustischen Kurzschluss zu den Seiten wieder ausgleicht. Denn der 2905 ist ein Dipol-Strahler, der zur Seite praktisch keinen Schall abgibt, nach hinten aber genauso viel wie nach vorn.

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(1) Transformatoren erzeugen die Hochspannung...

Problemlöser

Das gibt der Quad bezüglich der Aufstellungsempfehlung und auch der Kombination mit der Raumakustik eine Sonderstellung: Näher als zwei Meter zur hinteren Wand sollten sie nicht stehen. Ebenso muss die akustische Beschaffenheit hinter beiden Elektrostaten möglichst identisch sein: Strahlt einer gegen ein Fenster und der andere in einen Durchgang, leiden die Stereobalance und die Bühnendarstellung massiv. Problemlos - und Problemlöser - sind die Quads im Bass: Die Dipol-Abstrahlung regt die Raumresonanzen  kaum an, der Tiefton soll staubtrocken und straff bleiben, wo andere Boxen bereits Dröhngefahr melden.

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(2)... die Weiche teilt die Frequenzen für unterschiedliche Membranbereiche auf

Leise-Hörtest

Nach wenigen Takten war klar: Hohe Pegel sind nicht das Metier der Quad. Wer vorher die dynamischen Möglichkeiten der Focal Electra oder erst recht der JBL Everest ausgelotet hat, wird schnell mit der Schutzschaltung der ESL 2905 Bekanntschaft machen. Es gilt, sich auf die leisen Töne des Elektrostaten einzulassen.

Im direkten Vergleich konnte die Revel Performa im Tiefbass ihre Reflex-Abstimmung nicht verhehlen: Minimal hörte man die tiefsten Töne des Kontrabasses auf "Play Bach" nachschwingen, wo die Quad zwar dynamisch etwas gebremst, aber vollkommen trocken und impulsgenau agierte. Übrigens um einiges tiefer als ihre kleine Schwester, die ESL 2805. Obwohl die 2905 nicht alle Musiker in Mahlers 6. Sinfonie (Levi, Telarc) genau auf ihre Plätze verweisen konnte, gelang ein Durchhören der polyphonen Strukturen transparent und im wahrsten Sinne des Wortes mühe-los. Der ohnehin opulente Raum der Aufnahme bekam zusätzliche Tiefe, aber weniger Höhe und Breite als über die Revel - vorausgesetzt, die beiden Flächenstrahler waren exakt plaziert. Bei Verdis "La Traviata" (Mehta, Farao) bekamen die Hörer die Quintessenz des Vergleichs serviert: Über die Revel klang's etwas theatralischer, mit mehr Schmelz und Artikulation in den Stimmen. Die Quad wiederum projizierte die tragische Liebesgeschichte vollkommen frei von Zischen, in den Höhen etwas zaghaft, enorm intim und transparent in den AUDIO-Hörraum.

Fazit:

Für die Quad sollte man sich Zeit nehmen - und vor allem leise hören. Dann entdeckt man ihre dezente, unendlich transparente und räumliche Spielweise. Und ihre Fähigkeit, räumliche Bassprobleme englisch-elegant zu umgehen.

Quad ESL2905

HerstellerQuad
Preis9500.00 €
Wertung95.0 Punkte
Testverfahren1.0

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