Zukunftsthemen

Smartphone-Trends 2019: Faltbare Displays

Falt-Display

© Samsung

Auf der Bühne der SDC 2018 erklärt Glen Murphy, Head of Android UX bei Google, dass Android Falt-Displays künftig nativ unterstützen wird.

Das Falt-Smartphone kommt

Mit Samsung und Huawei haben die wichtigsten Smartphone-Hersteller Falt-Smartphones angekündigt. Auch Apple experimentiert mit dem Formfaktor.

Richard Yu, Chef der Smartphone-Sparte von Huawei, hat in einem Interview bestätigt, dass sein Unternehmen an einem faltbaren Smartphone mit 5G arbeitet. Zum Erscheinungstermin machte er keine konkreten Angaben, aber der Mobile World Congress, der im Februar 2019 in Barcelona stattfindet, ist ein naheliegender Termin.

Samsung hat sich bereits tiefer in die Karten schauen lassen: Auf der Bühne der Samsung Developer Conference (SDC), die Anfang November 2018 Tausende Entwickler und IT-Experten in San Francisco zusammenführte, war bereits das erste Falt-Smartphone zu sehen, ebenfalls noch ohne offizielles Erscheinungsdatum. Auch das finale Design ist unbekannt, denn der gezeigte Prototyp steckte in einem Tarngehäuse. Sicher ist bisher nur, dass das sogenannte „Infinity Flex“-Display im ausgeklappten Zustand 7,3 Zoll misst und 2152 x 1536 Pixel anzeigt. Die neue Benutzeroberfläche „One UI“ soll das Multitasking auf dem großen Bildschirm vereinfachen und zudem dafür sorgen, dass der Übergang beim Auf- und Zuklappen nahtlos ist.

Auch bei der Hardware ist der Entwicklungsaufwand hoch. Samsung erklärte, dass man neue Materialien entwickeln musste, um das faltbare Phone zu realisieren: Anstelle von Glas schützt eine flexible Polymerschicht das Display. Ein spezieller Kleber, der das ständige Auf- und Zuklappen überstehen soll, verbindet die einzelnen Komponenten. Außerdem wurde ein neuer Polarisator entwickelt, um das Display möglichst dünn zu halten. Trotzdem wirkte der Prototyp auf der Bühne vergleichsweise klobig, was unweigerlich die Frage nach der Alltagstauglichkeit aufwirft, zumal die Preise deutlich über dem High-End-Durchschnitt liegen werden.

Es ist aber absehbar, dass das Falt-Phone schnell von der teuren Nische in den Massenmarkt wandern wird. Die vielen Gerüchte, die im Web kursieren, zeigen, dass fast alle Hersteller faltbare Geräte in der Pipeline haben. Unterstützung kommt zudem von Google. Der federführende Android-Entwickler hat bereits erklärt, dass das Betriebssystem den neuen Formfaktor, der auch eine neue Benutzeroberfläche erfordert, nativ unterstützen wird.

Royole Flexpai

© Royole

Das Royole Flexpai ist das erste faltbare Smartphone.

Royole Flexpai

Das erste Falt-Phone kann man in China bereits kaufen. Es zeigt: Die Software stellt die Industrie vor genauso große Herausforderungen wie die Hardware.

Royole steht stellvertretend für eine neue Generation chinesischer Unternehmen, die Technologie nicht kopieren, sondern in ihrem Segment zu den Innovationsführern gehören. Nach der Gründung 2012 hat man sich früh auf die Entwicklung und Produktion falt- und rollbarer Displays spezialisiert. Gefertigt wird in Chinas Technologie-Hauptstadt Shenzhen, hier hat man gerade für 1,7 Milliarden US-Dollar eine neue Fabrik aufgebaut, die eine Kapazität von 50 Millionen Panels pro Jahr erreichen soll.

Am 31. Oktober 2018 erfolgte der Paukenschlag, der Royole weltweit ins Scheinwerferlicht rückte: Mit dem Flexpai wurde das erste marktreife Smartphone mit faltbarem OLED vorgestellt. Im aufgeklappten Zustand ist das Display 7,8 Zoll groß und bietet eine Auflösung von 1920 x 1440 Pixeln, der Nutzer hält also ein kleines Tablet in der Hand. Um es in ein Smartphone zu verwandeln, wird das Display in der Mitte einfach zusammengeklappt. An der Faltstelle ist das OLED nicht geknickt, sondern stark gebogen – ein richtiger Knick würde das Display beschädigen.

Royole hat den Gehäuserahmen an der Faltstelle in mehrere Segmente unterteilt, die das Display nicht nur in der Form halten, sondern auch verhindern, dass man es zu stark biegt. Spannend ist außerdem der Blick auf die Kamera, denn der neue Formfaktor sorgt dafür, dass die bisherige Unterteilung in Front- und Hauptkamera wegfällt. Das Flexpai hat eine Dual-Kamera (Weitwinkel und Standardbrennweite) am Displayrand, die automatisch zur Selfie-Cam wird, wenn man das Phone aufklappt.

Technische Daten zum Display

  • Vorderseite: Format 16:9, 1440 x 810 Pixel
  • Rückseite: Format 18:9, 1440 x 720 Pixel
  • Biegung: Format 21:6, 1440 x 390 Pixel
  • Aufgeklappt: Format 4:3, 7,8 Zoll, 1920 x 1440 Pixel

Technisch handelt es sich um ein Oberklasse-Smartphone, wobei nicht alle Daten finalisiert scheinen. So spricht Royole beim Prozessor vage von Qualcomms „Next- Gen-Snapdragon-8-Processor“.

Auch die Software ist noch eine Baustelle. Royole liefert das Flexpai mit Android 9 aus, über das die eigene Oberfläche „Water OS“ gelegt ist. Die ist in vielerlei Hinsicht an den neuen Formfaktor angepasst, so sollen Vorder- und Rückseite interagieren können, wenn das Phone zusammengeklappt ist. Denkbar ist etwa, dass man eine App per Wisch vom vorderen Display „nach hinten“ auf den rückseitigen Bildschirm verschiebt. Auf dem „Edge Screen“, also dem Bildschirm an der Biegestelle, werden neue Nachrichten eingeblendet und Telefonate angenommen.

Erste Tests von Journalisten offenbaren aber Abstürze und Fehlfunktionen. Es überrascht daher kaum, dass das Flexpai momentan nur als Entwicklergerät verkauft wird. Die 128-GB-Variante kostet 1388 Euro, mit 256 GB 1539 Euro.

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