Wi-Fi 8: Was steckt hinter Wi-Fi 8, und wann ist es zu erwarten?
Wi-Fi 7 wurde gerade erst offiziell standardisiert und setzt sich allmählich im Markt durch – da sprechen erste Player schon vom Nachfolger. Was steckt hinter Wi-Fi 8, und wann ist es zu erwarten?
Manchen Marktteilnehmern kann es offenbar gar nicht schnell genug gehen: Erst seit Anfang 2024 zertifiziert die Wi-Fi Alliance WLAN-Geräte für die aktuelle WLAN-Generation Wi-Fi 7. Und erst Mitte 2025 verabschiedete das zuständige IEEE (Institute of Electrical and Electronics Engineers) den zugeh...
Manchen Marktteilnehmern kann es offenbar gar nicht schnell genug gehen: Erst seit Anfang 2024 zertifiziert die Wi-Fi Alliance WLAN-Geräte für die aktuelle WLAN-Generation Wi-Fi 7. Und erst Mitte 2025 verabschiedete das zuständige IEEE (Institute of Electrical and Electronics Engineers) den zugehörigen technischen Standard 802.11be – erfreulicherweise ohne substanzielle Änderungen, die vorher verkaufte Geräte noch über Firmware-Updates hätten lernen müssen.
Langsam, aber sicher etabliert sich Wi-Fi 7 im Markt – auch in Mittelklasse- und Einsteiger- Routern sowie entsprechend positionierten Client-Geräten findet sich der neue Standard inzwischen. Da überraschte es doch, dass Hersteller wie Qualcomm, Broadcom, Mediathek und Huawei schon im Herbst 2025 anfingen, Ausblicke auf den geplanten Nachfolgestandard Wi-Fi 8 beziehungsweise 802.11bn zu veröffentlichen. Zählt Wi-Fi 7 schon wieder zum alten Eisen?
Firmen stecken Claims ab
Um es gleich deutlich zu sagen: Marktbeobachter rechnen mit einer Einführung von Wi-Fi 8 frühestens Anfang 2028. Dass jetzt schon öffentlich über die nächste WLAN-Generation gesprochen wird, hat eher damit zu tun, dass in den zuständigen Gremien die Arbeiten an dieser nächsten WLAN-Generation nun begonnen haben.
In erster Linie sind die frühen Wortmeldungen nämlich politisch bedingt: Chip- und Endgerätehersteller wollen damit technische Eckpunkte propagieren, während noch die Fachdiskussionen laufen. Zudem wollen sie Markt und Endkunden signalisieren, dass sie für die nächste Generation schon bereit sind.
Auch die verstärkten globalen Spannungen spielen dabei eine Rolle: Chinesische Player wie Mediatek, Huawei oder TP-Link wollen es nicht wie früher allein US-dominierten Gremien überlassen, die achte WLAN-Generation zu definieren. Die US-Hersteller Qualcomm und Broadcom kontern wiederum, um zu betonen, dass auch sie für Wi-Fi 8 bereit sind – und eigene Ideen für dessen Details haben.
Außer um die Frage, wer als erster passende Chips liefern kann, geht es bei solchen Wettläufen auch um Patente: Wer wird für seine Konzepte von den anderen Marktteilnehmern Lizenzgebühren verlangen können?
WLAN-Frequenzen im Überblick
Höhere Reichweiten und Zuverlässigkeit geplant
Aber worum dreht sich die Diskussion um Wi-Fi 8 inhaltlich? Weitgehend einig scheinen die vorpreschenden Anbieter darüber, dass bei der achten WLAN-Generation nicht abermalige Geschwindigkeitssteigerungen im Fokus stehen sollen, sondern vielmehr höhere Reichweite und Zuverlässigkeit.
Deshalb bleiben Datenraten, MIMO-Ströme und Modulation wohl auf dem Stand, der bereits in Wi-Fi 7 genutzt wird. Ziele von Wi-Fi 8, wie sie die Ultra High Reliabilty Study Group des IEEE formuliert, sind die Reduktion von Paketverlusten um 25 Prozent und die Verbesserung von Stabilität und Datenraten vor allem an den Rändern der jeweiligen Ausleuchtungszone. Zudem soll die Übergabe einer laufenden Verbindung zwischen den Nodes (einzelnen Satelliten) von Mesh-Systemen flüssiger gelingen. Mit welchen technischen Maßnahmen dies im Detail erreicht werden soll, listet der nächste Absatz "Neue Ideen für Wi-Fi 8" auf. Wichtig ist aber, dass diese Ideen einen aktuellen Diskussionsstand widerspiegeln und noch längst keinen verabschiedeten Funkstandard.
Neue Ideen für Wi-Fi 8
Für Wi-Fi 8 werden diese neuen Funktionen und Features diskutiert, die die Übertragungsqualität erhöhen:
- ELR – Enhanced Long Range
Optimierungen in Codierung und Struktur der Datenpakete sollen Datenraten und Verbindungsstabilität vor allem bei größerem Abstand zum Router beziehungsweise Access Point verbessern. - DRU – Distributed Tone Resource Units
Wi-Fi 8 soll Uplink-Signale über eine größere Bandbreite übertragen. Dies erhöht die gesamte abgestrahlte Sendeleistung. Das soll Uploads von weiter entfernten oder stromsparenden (sprich: IoT-) Geräten stabiler und performanter machen.
- UEQM – Unequal Modulation
Bei Wi-Fi 8 soll jeder Datenstrom mit der am besten geeigneten Datenrate laufen, statt dass alle Streams dieselbe Datenrate nutzen. So würden schwächere Funkübertragungen die stärkeren nicht mehr ausbremsen. Insgesamt übertragen alle Geräte im Funknetz mit der für sie optimalen Geschwindigkeit. - Multi-Access-Point Coordination
Wi-Fi-8-Geräte sollen sich mit mehreren Access Points (Routern, Mesh-Nodes oder Repeatern) gleichzeitig verbinden können. Dies würde durch bessere Koordination der Signal-Timings dieser Basisstationen möglich und wäre auch die Basis für verbessertes WLAN-Roaming. - Verbessertes Roaming im Mesh
Geplant sind neue Mechanismen, um eine bestehende Übertragung nahtlos zwischen Mesh-Nodes zu übergeben, wenn man sich beispielweise mit einem Endgerät von Raum zu Raum bewegt.
- DSO – Dynamic Sub-Band Operation
Statt fester Blöcke im Übertragungskanal sollen Wi-Fi-8-Geräte individuell zugewiesene Blockgrößen im Funkkanal erhalten. Dies wirkt Netzüberlastungen entgegen und vermeidet Datenstaus. - NPCA – Non Primary Channel Access
Diese Funktion soll Geräten erlauben, auf andere WLAN-Kanäle zu wechseln, falls der vom Access Point zugewiesene Hauptkanal überlastet ist. Auch dies würde helfen, Datenstaus zu vermeiden.
Wie bei technischen Standards üblich, sind viele der für Wi-Fi 8 geplanten Konzepte Weiterentwicklungen von Funktionen, die schon heute bei Wi-Fi 7 zum Einsatz kommen. So soll Wi-Fi 8 die Mechanismen zur Nutzung mehrerer Funkkanäle (MLO, Grafiken unten) und für „Multi-RU“ (vorletzte Grafik "Effizienzoptimierer") weiter verfeinern. Optimierungen geplant sind insbesondere für die Nutzung weiterer benachbarter WLAN-Kanäle (NPCA: Non-Primary Channel Access) und für die „Stückelung“ von WLAN-Kanälen (DSO: Dynamic Sub-Band Operation). Diese Mechanismen würden zudem WLAN-Kommunikation mit kleinerem Energieeinsatz ermöglichen – wichtig für Smarthome- und IoT-Geräte, die über Wi-Fi funken.
Zudem soll die Paket-Codierung an die jeweilige Signalqualität eines Funkkanals angepasst (UEQM: Unequal Modulation) und bei schlechter Signalqualität durch Strukturoptimierungen wie kleinere Einzel-Datenpakete verbessert werden (ELR: Enhanced Long Range). Das Verfahren DRU (Distributed Tone Resource Units) hat zuletzt gezielt eine Qualitätssteigerung von Uplink-Kanälen im Visier. Optimierungen beim „Puncturing“ im Rahmen von Multi-RU (siehe unten) soll die Koexistenz mit anderen Funkstandards wie Bluetooth verbessern.
Überdies sollen die Latenzen in WLANs sinken, um auch Anwendungen mit Bedarf an besonders schnellen Reaktionen und stabilen Übertragungen zu ermöglichen – beispielsweise AR/VR oder auch WLAN-Nutzung in industriellen Umgebungen.
Bessere Kanalnutzung: Schon Wi-Fi 7 verbessert die Kanalbündelung MLO durch den Schritt von eMLSR (oben, wechselnde Nutzung mehrerer WLAN-Frequenzen) hin zu MLMR (unten, gleichzeitige Übertragung auf mehreren Frequenzen) . Dieses Prinzip übernimmt auch Wi-Fi 8, um Funkkanäle effizienter zu nutzen.
Fokus auf praxisrelevante Verbesserungen
Global betrachtet, soll Wi-Fi 8 die chronisch knappen Funkressourcen effizienter nutzen. Über dieselben Kanalbandbreiten sollen mehr Daten in höherer Geschwindigkeit und mit höherer Stabilität fließen. Da dies eine intelligentere Kommunikation zwischen den Endgeräten und Basisstationen erfordert, machen sich solche Verbesserungsideen zunutze, dass wie bei allen Prozessoren auch die Rechenleistung von WLAN-Chips von Jahr zu Jahr steigt – die Voraussetzung für komplexere Signalanpassungen. Wie schon bei Wi-Fi 7 wird vieles auch bei Wi-Fi 8 so über Software definiert werden, dass die Hardware schon vorab entwickelt und später per Firmware-Update an die weitere Entwicklung angepasst werden kann.
Darüber hinaus will Wi-Fi 8 einige Schwachpunkte von früheren WLAN-Standards abstellen, darunter Übertragungsunterbrechungen beim Wechsel der Basisstation innerhalb eines Mesh-Verbunds – wie er vorkommt, wenn man sich mit einem per WLAN verbundenen Smartphone, Tablet oder Notebook im Haus bewegt. Um dies zu ermöglichen, will sich der WLAN-Standard auch die eine oder andere Idee aus dem Mobilfunk leihen, wo zum Beispiel ein Endgerät beim „Handover“ zwischen zwei Funkzellen schon seit vielen Jahren gleichzeitigen Kontakt zu beiden beteiligten Basisstationen hält.
Außer auf funktechnisch überlaufene städtische Wohngebiete oder Firmengebäude zielen die für Wi-Fi 8 geplanten verbesserten Koexistenzmechanismen auch auf öffentliche WLAN-Hotspots an Flughäfen, Bahnhöfen, in Stadien und ähnlichen Umgebungen ab. Gerade an solchen Einsatzorten soll Wi-Fi 8 die Übertragungsqualität und -zuverlässigkeit für jeden einzelnen Nutzer erhöhen. Hier eint die WLAN-Anbieter letztlich ein gemeinsames Ziel: mit den beschriebenen Maßnahmen wollen sie die von ihnen propagierte Funktechnologie gegenüber der Konkurrenz Mobilfunk stärken. Schließlich argumentieren die Mobilfunker ihrerseits mit höherer Zuverlässigkeit und kürzeren Latenzen etwa von 5G im Vergleich zu WLAN.
Streit auch um die Frequenzen
Nicht vergessen sollte man in diesem Zusammenhang, dass die Konkurrenz zwischen WLAN und Mobilfunk insbesondere ums 6-GHz-Frequenzband seit der „World Radio Conference“ 2023 weiter besteht und zuletzt wieder stärker geworden ist. In derartigen Diskussionen will sich die WLAN-Fraktion nicht sagen lassen, sie vertrete eine zum Beispiel für Industrieanwendungen unterlegene Technologie.
Obwohl die geplanten Verbesserungen die Vorfreude auf Wi-Fi 8 durchaus befeuern können, müssen wir wiederholen: Vor 2028 dürfte von dieser nächsten WLAN-Generation nichts im Markt ankommen. Vor allem für Privatnutzer ist es deshalb nicht sinnvoll, Wi-Fi 7 zu überspringen und „gleich auf Wi-Fi 8 zu warten“. Denn mindestens drei Jahre sind eine lange Zeit – in der man trotz Aussicht auf noch Besseres nicht auf die Vorteile der heutigen Wi-Fi-7-Technik im eigenen Heim verzichten sollte.



