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Surround-Set mit Stereo-Frontboxen

Bowers & Wilkins 600er Surround-Set im Test

Eine richtig gute Surround- Kombi kann einem den Atem stocken lassen. Die 600er-Serie von B&W hat große Kraft zum kleinen Preis. Lesen Sie hierzu unseren Test.

Bowers & Wilkins 600er Surround-Set im Test

© Josef Bleier

Bowers & Wilkins 600er Surround-Set im Test

Pro

  • zupackend, dynamisch, dabei höchste Harmonie unter den Chassis

Contra

Fazit

Audio-Klangurteil: 84 Punkte; Preis/Leistung: überragend
Gut

Wir haben erwachsene Män­ner den Tränen nahe gese­hen. Als die neue Super­ serie von Bowers & Wilkins auf den Markt kam, rang ein Produktmanager mit seinen Emotionen, so erschüttert war er über die neuen klanglichen Qualitäten. Heute wissen wir: Der Mann hatte Recht – B&W hat in den vergangenen Jahren Großes voll­ bracht. 

Die D3-­Serie zählt zu den be­sten Lautsprechern der Gegenwart, wir selbst haben uns ein Exemplar für unsere Referenzkette gesichert. Doch man muss nicht Abertausende Euro investieren, denn in der kleinen 600er­-Serie verblüfft B&W ebenfalls mit Klangkraft. Fast alle dieser Model­le haben wir schon im Stereodreieck getestet. 

Nun wollten wir wissen, ob sich daraus auch eine schmucke Mul­tikanal­Kette schmieden lässt. Zuerst verblüffen die Preise. Ideal steht die Standbox 603 (hier unser Test​) an der Front – für 800 Euro das Stück. Als Rear­ Speaker wurden passgenau die klei­nen 607 entwickelt – bei 265 Euro das Stück. Fehlt noch der Center, wir nehmen den HTM6 für 530 Euro. 

In der Tiefe rackert dazu der Subwoofer ASW610 – für 600 Euro. Schnell den Taschenrechner gezückt – dieses Set würde uns 3260 Euro kosten. Ein Spottpreis, fast – wenn es denn auch klanglich ehrlich zugeht. Rein äußerlich faszinieren die briti­schen Klangwandler eher begrenzt.

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Das ist nettes MDF, kantig, doch passgenau und verpackt hinter Folie, wahlweise schwarz oder weiß. Dazu immerhin ein Bi­-Wiring-­Terminal und eine magnetisch haltende Front­ bespannung. Aber ganz wichtig: Das verbaute Know­how gibt’s nur hier. Wir sind beispielsweise angefixt von den silberfarbenen Mitteltönern. Früher waren diese Membranen dottergelb und aus Kevlar geflochten. 

Auch heute nimmt B&W einen Faden zum Verweben, der aber aus Aramid besteht – vollendet erhält die Ge­samtmembran den Namen „Continu­um“. Der Durchschnitt liegt bei 15 Zentimetern; etwas größer schreiten die Bässe zu Werk, hier schwingt eine Papiermembran mit 16,5 cm. Das gleich doppelt an der 603er­ Front. 

Als Antrieb spendierte B&W den bislang größten Ferritmagneten dieser Bauklasse. Die Höhe überlassen die B&W­ Ingenieure einer weiteren Eigenmar­ke: einer Alukalotte, die doppelt ge­schichtet ist. Offiziell haben die Tech­nologen diesem Konzept den Namen „Decoupled Double Dome Tweeter“ gegeben. 

Die böse, aber unvermeid­liche Aufbrechfrequenz liegt bei 38 Kilohertz und damit außerhalb unseres Hörvermögens. Die Bassenergie wird nicht einfach hinausgepustet, sondern über einen Flowport geleitet – eine berechnete Konstruktion mit vielen kleinen Vertiefungen wie beim Golfball­-Design. 

Naturgemäß schert der Subwoofer aus den bestehenden Chassis­Spielregeln aus: Hier treibt ein Class­-D­-Verstärker mit 200 Watt eine Membran an, die aus Papier und Kevlarfasern besteht.

Bowers & Wilkins 600er Surround-Set im Test - Rückseite mit Anschlüssen

© Josef Bleier

DER BASS IST FEINSINNIG: B&W verpackt im ASW610 nicht nur eine potent-digtale Endstufe mit 200 Watt, sondern auch allerlei Einstelloptionen. Natürlich kann die Phase gewählt werden, ebenso die Frequenzanpassung.

Der Surround-Sinneswandel

An dieser Stelle können eilige Leser einen Absatz überspringen und gleich bei den Klangeindrücken weiterlesen. Wir wollen einen weiteren Tropfen auf eine schier endlose Diskussion gießen: Ist Multikanal etwas für au­diophile Menschen? Surround wurde in den 90er­Jahren als Klangformat hoffähig. Es folgte ein Boom, danach kam der Sinkflug. 

Spätestens mit der Rückkehr der Schallplatte wollen die Menschen wieder in astreinem Stereo lauschen – Multikanal ist etwas für die Kino­ fraktion. Deshalb hat AUDIO seit lan­gem kaum mehr Multikanal getestet, dies ist der erste seit einiger Zeit. Weshalb also der Sinneswandel? 

Erstens hat uns das B&W-­Konzept überzeugt. Zweitens, weil die Multikanal-­High­-End­-Bruderschaft nach wie vor lebendig ist. Das Label Penta­tone beispielsweise hat kürzlich die alten Quadro­-Aufnahmen der Deutschen Grammophon ausgegraben und auf SACD veröffentlicht. 

Das ist ein grandio­ses Klangerlebnis, gegen das reines Ste­reo immer eindimensional wirkt. Und selbst die altehrwürdige EMI hat sich da­ zu entschlossen das „Weiße Album“ der Beatles in Multikanal aufzulegen. Als Zu­gabe zu der stereophonen Luxusedition zwar nur, aber immerhin. 

Fazit bis hierher: Multikanal kann ein audiophiles Erlebnis sein, wenn die Ambitionen der Strategen dahinter stimmen.

Klangeindrücke - Singstimmenüber dem Kopf

Ein ganz großes Experiment wagten die Tontechniker der Deutschen Grammo­phon Anfang der 70er­Jahre: Leonard Bernstein gastierte erstmals an der MET und wollte seine Interpretation von Bi­zets „Carmen“ aufnehmen. Ein Hoch­risiko ­Projekt, da sich die DGG dazu entschloss, das Spektakel in vier Kanälen aufzunehmen.

Die Quadro-­Bänder wur­den nie veröffentlicht: Die ersten LPs waren strikt in Stereo gehalten, auch die erste CD­-Auflage ließ die Zusatzinforma­tionen ungenutzt. Ganz frisch hat sich das kleine, feine Label Pentatone dazu entschlossen, eine Quadro­-SACD auf den Markt zu bringen. 

Man darf über den Mut der damaligen Tontechniker staunen: Da schreitet der Kinderchor von vorn links nach hinten rechts, einmal quer über den Kopf hin­weg. Und die B&W­-Kombi vermittelte in unserem Test herrlich die Spiellust der Produzenten. Der Raum war präzise, aber seltsam füllig. 

Wenn man schon Lautsprecher hinter dem Rücken hat, dann will man die neue Technik auch deutlich bedienen. Hier und da irrten ein paar Singstimmen umher – das war irri­tierend, aber unterhaltsam. Die 600er­ Kette spielte die Freude aus, die Lust am neuen Klang. Die Streicher strömten weit über die Frontachse in Richtung Hörplatz, dazu ein sehr plastisches Pan­orama. 

Man hörte durch einen Tunnel in die Vergangenheit – und trauerte dem Umstand nach, dass Multikanal damals so schnell ad acta gelegt wurde. Wie vie­le wunderbare musikalische Events aus den späten 70er-­ und 80er­-Jahren sind uns da mehrkanalig entgangen! 

Wir schwenkten um auf Film und einen echten Brocken für die Lautsprecher: Mad Max rast über die „Fury Road“ und die Leinwand. Pure Anarchie, auch aus­gelebt von den Tonmeistern. Das High­light ist die Rennszene in der Wüste. Man möchte nicht in der Haut des Helden ste­cken, man möchte auch nicht als Laut­sprecher diese Fülle an Informationen verarbeiten müssen.

Bowers & Wilkins 600er Surround-Set im Test - Töner

© B&W

SILBERGLANZ: Besonders stolz sind die Entwickler auf das neue Continuum-Geflecht. Früher wurde ein Kevlar-Mix verwoben, heute ist es ein Aramid-Faden.

Wir haben es genossen. Das B&W­ Sextett zockte die Effekte geradezu lust­voll in den Raum, sofort war eine Kulisse aus Wucht aufgebaut. Die Special Effects blendeten uns nicht nur optisch, sondern auch akustisch. 

Wir wollten mehr und drehten den Lautstärkeregler auf. Nun waren die Pegel höchst kritisch. Obwohl das 600er­Set in seiner Bauform eher kompakt im Raum wirkt, tönte uns doch eine souveräne Impulsivität entgegen.

Mächtig dazu der Bass – aus einem Quader, der gerade einmal mit einer 25­cm­-Membran aufwartet. Wir hatten nie das Gefühl, auf Magerstufe gesetzt worden zu sein, auch nicht im Grundton. Die Gefahr wäre auch gegeben, dass uns die Chassis bei dem überaus hohen Pe­gel anschreien – doch die B&W-­Familie blieb auf Kurs, alles hatte Kraft, aber nie einen schneidenden Unterton. 

Wie über­haupt die Harmonie zwischen den Mem­branen ideal erschien – das war satt und informationsreich. Aber weder schlugen die Membranen an, noch waren sie als Einzelquellen zu erlauschen – ein Dyna­mikfest der höchsten Geschlossenheit.

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Die Arena atmet

Einen Gang zurück. Wir drehten den Lautstärkeregler wieder auf gehobene Zimmerlautstärke und wollten Musik er­leben. Super abgemixt ist eine Blu­ray von Imagine Dragons. 2015 stellte die Band ihren Superseller „Smoke + Mir­rors“ vor und ging mit den Songs auf Tour. 

In Toronto konservierte ein Film­team das Konzert. Hier fliegen die Kame­ras, hier pegeln die Tontechniker bis zum Anschlag aus. Für Fans des bassbeton­ten Hardrocks ist das ein Hochamt. Auch die 600er­-Familie fühlte sich wohl. Das war bassbetont, wuchtig – dazu effekt­ sicher, wenn einem etwa die Sologitarre ekstatisch entgegenflog. 

Stark auch die Präsenz des Schlagzeugs, da legte sich uns ein Druck auf die Magengrube. Doch nicht nur die Hochdynamik­ Stücke waren hörenswert; velleicht sind Imagine Dragons sogar die bessere Band, wenn sie Balladen anstimmen und dezenten Schmusesound machen. Dazu vermittelte die B&W­-Gemeinschaft den perfekten Hintergrund – man konnte die Arena atmen hören, die Zwischenrufe des Publikums.

Das war eine akustisch höchst stimmige Aura, in den besten Momenten kam hier Gänsehaut auf. Die­se Fülle an kleinen und feinen Informationen war beeindruckend. Sie gelang dem Set wiederum entspannt und wie selbstverständlich. So möchte man sei­nen Heimkino­Abend erleben!

Bowers & Wilkins 600er Surround-Set im Test - Flowport & Tweeter

© B&W / Josef Bleier / Montage: audio

BRITISCHES KNOW-HOW: B&W schickt die 600er-Serie mit besten Genen in den Handel, doppellagige Alu-Kalotte, Flowport und Bi-Wiring inklusive.

Fazit

Gibt es Grenzen? Nicht wirklich. Vor allem, wenn man den Preis in Beziehung setzt. Der Tiefstbass ist vielleicht nicht ultimativ wie bei größeren Woofern, die Rear-Informationen klingen nicht ganz so füllig wie bei ausgewachsenen Standboxen.

Doch für dieses noch überschaubare Geld gibt es wirklich nichts zu mäkeln. Zumal B&W hier beste Eigenentwicklungen verpackt. Der Gewinn ist hoch, ein Risiko nicht vorhanden – ausprobieren und Freude empfinden.

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