Smartphone made in Germany

Gigaset GS5 im Test

30.11.2021 von Andreas Seeger

Die Smartphones vom europäischen DECT-Marktführer Gigaset können sich sehen lassen. Sie werden in Deutschland produziert und setzen andere Schwerpunkte als die Konkurrenz von Samsung oder Xiaomi. Welche das beim Gigaset GS5 sind, zeigt der Test von connect.

ca. 3:55 Min
Testbericht
VG Wort Pixel
Gigaset GS5
Das Gigaset GS5 überrascht mit einigen Besonderheiten.
© connect

Pro

  • sehr gute Verarbeitung und ansprechende Haptik
  • schlichtes und schnörkelloses Design
  • Rückseite kann individualisiert werden
  • Kamerasystem mit Makroaufnahmen und RAW-Option
  • 2 x Nano SIM + micro SD
  • austauschbarer Akku
  • kabelloses Aufladen mit bis zu 15 Watt

Contra

  • langsamer Prozessor
  • keine 5G-Connectivity
  • relativ dick und schwer
  • kein Netzteil im Lieferumfang

Fazit

Das Gigaset GS5 hinterlässt trotz einiger Schwächen einen sehr guten Gesamteindruck. Der deutsche Smartphone-Hersteller setzt mit dem Wechselakku und Wireless Charging besondere Schwerpunkte und schafft damit starke Alleinstellungsmerkmale.

Vor wie vielen Jahren haben Sie das letzte Mal ein Festnetztelefon benutzt? Allein diese Frage beschreibt die Situation von Gigaset recht gut. Der Smartphone-Boom sorgt dafür, dass dem Unternehmen sein ursprüngliches Geschäftsfeld wegbricht. Am Stammsitz in Bocholt orientiert man sich daher um in Richtung Smart Home und Smartphone. Das Aushängeschild des Portfolios ist das GS5 für 299 Euro. Es wird in Bocholt produziert, deshalb steht auch „Made in Germany“ prominent auf der Verpackung.

Das ist allerdings nicht ganz richtig, denn die technischen Komponenten wie SoC oder Display stammen natürlich aus Fernost, in Deutschland werden sie nur zusammengesetzt. Es müsste also eigentlich heißen „Assembled in Germany“, aber das soll hier nur als Randnotiz erwähnt werden. Viel interessanter ist doch, was das GS5 vom Mainstream unterscheidet.

Mit Gravur auf der Rückseite

Da ist zunächst einmal die Möglichkeit, die Rückseite individuell zu gestalten: Wer das Phone im Gigaset-Shop kauft, kann entweder ein eigenes Foto aufdrucken (+15 Euro) oder maximal 26 Zeichen eingravieren (+5 Euro) lassen. Die Rückseite besteht aus Glas, was sich positiv auf die ansonsten doch recht kunststofflastige Haptik auswirkt. Denn der Rahmen besteht nicht aus Aluminium, sondern aus dickwulstigem Kunststoff in Chromoptik. Über eine Einkerbung in der rechten unteren Ecke lässt er sich zusammen mit der Rückseite vollständig vom Gehäuse abziehen und gibt den Akku frei, der sich mit einem Handgriff austauschen lässt. Außerdem findet man hier Steckplätze für zwei Nano-SIM-Karten und eine micro-SD-Karte.

Gigaset GS5
Die Rückseite lässt sich abziehen und gibt den Blick auf den herausnehmbaren Akku sowie SIM- und micro-SD-Slots frei.
© connect

Schwacher Prozessor

Der Preis dieser Flexibilität ist ein wuchtiges Gehäuse: Für einen 6,3-Zöller ist das GS5 relativ groß und schwer. Die Verarbeitung ist sehr gut, das Gehäuse ist verwindungssteif und macht einen robusten Eindruck - auch, weil es mit 10 Millimeter vergleichsweise dick ist. Aufgrund der Gehäusetiefe steht die Kameraeinheit nicht heraus, was das schlichte und schnörkellose Design unterstreicht.

Das IPS-Display bietet eine preisgerechte Leuchtkraft und Auflösung, auch hier gibt es wenig zu meckern. Unter dem Display sieht es dagegen anders aus: Mediateks Helio G85 steckt auch im Xiaomi Redmi Note 9, das vor mehr als einem Jahr für eine UVP von 169 Euro in den Handel kam. Ein solcher Low-End-Prozessor macht Ende 2021 keine gute Figur mehr, das GS5 ist damit untermotorisiert. In Benchmarks landet es nur auf den hinteren Plätzen und auch die Benutzerführung ist nicht immer geschmeidig. Auf grafikintensive Spiele und Anwendungen sollte man besser verzichten.

Ein 5G-Modem ist nicht eingebaut – auch das ist in dieser Preisklasse mittlerweile ein Minus.

Gigaset GS5
Das Glas auf der Rückseite verbessert die kunststofflastige Haptik.
© connect

Dual-Optik mit Makroaufnahmen

Gigaset baut beim GS5 eine Dual-Optik mit zwei Brennweiten ein, ein Ultraweitwinkel mit 8 Megapixel und ein Weitwinkel mit 48 Megapixel, das in der Standardeinstellung mit 12 Megapixel fotografiert. Es gibt Hersteller, die auch bei ihren Einsteigern drei oder sogar vier Optiken einbauen, was imposant aussieht, aber in der Praxis wenig bringt. Das GS5 verzichtet darauf und liefert eine solide und dem Preis angemessene Bildqualität. Das bedeutet: Während das Ultraweitwinkel auf einem bescheidenen Niveau bleibt, gelingen mit der Hauptoptik bei guten Lichtverhältnissen ansehnliche Fotos. Das gilt auch für die 16-Megapixel-Frontkamera und für die Makroaufnahmen, die über das Ultraweitwinkel realisiert werden. Ebenfalls positiv hervorheben möchten wir die vielen Einstellungsmöglichkeiten inklusive RAW-Option.

Der Akku bleibt in Erinnerung

Der Akku des GS5 ist nicht nur bemerkenswert, weil man ihn austauschen kann – einen zweiten Akku gibt es für 25 Euro im Gigaset-Shop.

Die zweite Besonderheit ist die Möglichkeit zum kabellosen Aufladen. Das GS5 ist das einzige Smartphone in seiner Preisklasse , das kabellos mit bis zu 15 Watt geladen werden kann. Stark!

Gut gefallen hat uns auch die Möglichkeit, den Ladegrenzwert des Akkus selbst festzulegen und damit die Lebensdauer des Akkus zu verlängern. Der Nutzer hat also die Möglichkeit, selbst die richtige Balance zwischen zwischen Akkulaufzeit und Akku-Lebensdauer zu finden. Sony bietet auch diese Option, allerdings nicht so abgestuft wie Gigaset.

Hier schließt die Frage an, wie es um die Laufzeit des GS5 bestellt ist. Im synthetischen Laufzeit-Test von PCMark werden mehr als 9 Stunden erreicht, was gutes Mittelfeld bedeutet. Durch den Tag kommt man damit ohne Probleme.

Gigaset GS5 Screenshots
Bs auf ein paar überarbeitete Icons modifiert Gigaset die Android-Oberfläche kaum. Stark: Die Einstellungen für die Akku-Lebensdauer.
© connect/Hersteller

Schlankes Android mit zu wenig Updates

Auf dem GS5 läuft Android 11 ohne größere Modifikationen, sodass sich die meisten Nutzer problemlos zurechtfinden dürften. Der Hersteller garantiert ein Update auf Android 12, was allerdings kein großes Versprechen ist, schließlich sind die ersten Smartphones mit Android 12 bereits auf dem Markt. Sicherheitsupdates werden immerhin für 3 Jahre bereitgestellt. Trotzdem hätten wir uns einen weitergehenden Software-Support gewünscht. Hersteller wie HMD (Nokia) zeigen doch, was im niedrigen Preisbereich mit einem schlanken Android-System möglich ist.

Fazit: Der Akku macht den Unterschied

Das Gigaset GS5 hinterlässt trotz einiger Schwächen einen sehr guten Gesamteindruck. Technisch bekommt man von anderen Herstellern mehr fürs gleiche Geld, was vor allem auf den schwachen Prozessor zurückzuführen ist. Aber Gigaset setzt mit dem Wechselakku und Wireless Charging besondere Schwerpunkte und schafft damit starke Alleinstellungsmerkmale.

Gigaset GS5 Check-Siegel
connectCheck-Siegel zum Gigaset GS5
© connect

Gigaset GS5 im Überblick

  • Preis und Speicher: 299 Euro mit 4/128 GB
  • Farben: Dunkelgrau
  • Größe und Gewicht: 158 x 75 x 10 Millimeter und 210 Gramm
  • SoC: Mediatek Helio G85 mit max. 2 GHz
  • Display: LCD mit 6,3 Zoll und 2340 x 1080 Pixel
  • Hauptkamera: Ultraweitwinkel mit 8 MP und Makro-Funktion, Weitwinkel mit 48 MP
  • Frontkamera mit 16 MP
  • Konnektivität: 4G, WiFi 5, Bluetooth 5.0, , NFC, USB-C, 3,5 mm Klinke
  • Steckplatz für microSD und Nano-SIM
  • Akku mit 4.500 mAh und Wireless Charging
  • System Android 11
  • Besonderheiten: austauschbarer Akku

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