Testbericht

Nokia N76

Sind die Finnen schliesslich doch noch neidisch geworden auf die flachen Klapper der Konkurrenz? Das N76 sieht zumindest so aus, hält RAZR und Co. bei der Ausstattung aber deutlich auf Distanz.

Inhalt
  1. Nokia N76
  2. Datenblatt

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Nokia N76

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Schade: Die Raute-Taste ist deutlich größer als die häufig benötigten Softkeys.

Auch wenn Form und Tastatur an den RAZR und seine Epigonen erinnern: Die Farbkombination aus Silber und Schwarz bzw. Rot, das rautenförmige Profil und der etwas abgesetzte Deckel geben dem N76 einen eigenen Charakter. Als Vertreter der N-Serie ist das N76 qua Nokia-Definition ein Multimedia-Smartphone. Darauf deuten schon die Playertasten auf der Front hin. Die starten etwa im Standby-Modus das UKW-Radio, den gut klingenden Musicplayer oder führen auf die Musikbibliothek zur Titelauswahl. Das 128 x 160 Pixel große Außendisplay ermöglicht eine übersichtliche Darstellung der Songsammlung, geordnet nach Titellisten, Interpreten, Alben, Genres oder Komponisten.

Gute Ausstattung ohne Highlights

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Kein Umweg über den Browser: Die Suche führt direkt aus dem Menü zu Yahoo oder Windows Live.

Im direkten Vergleich mit anderen N-Serie-Geräten nimmt sich die Multimedia-Ausstattung eher bescheiden aus. Neben einer ordentlichen 1,9-Megapixel-Kamera mit direkter Anbindung an Fotoblogs kann noch der gute Minimap-Browser, der selbst aufwendige HTML-Seiten klaglos darstellt, zur Unterhaltung dienen. Für die Verwaltung von Fotos, Nachrichten etc. ist die Anwendung Lifeblog installiert, die all diese Elemente in Tagebuchform sortiert. Ein echtes Ausstattungs-Highlight wie etwa der integrierte GPS-Empfänger beim N95 fehlt aber. Vergleicht man die Flunder hingegen mit der Konkurrenz, so bietet das N76 weit mehr als üblich. Als Quadband-Gerät ist es rund um den Globus einsetzbar, für schnelle Datenverbindungen sorgen UMTS und EDGE - HSDPA oder WLAN  werden nur Profis vermissen, die oft große Datenmengen downloaden möchten. Auf die Infrarot-Schnittstelle hat Nokia ebenfalls verzichtet, Bluetooth steht aber inklusive SIM-Access-Profil für den Einsatz mit entsprechenden Freisprecheinrichtungen zur Verfügung. Ein PDF-Reader ist an Bord, für Office-Dokumente muss sich der Käufer selbst eine passende Software organisieren, etwa bei www.handango.de. Generell gilt: Dank S60 lässt sich mit passender Symbian-Software die Ausstattung beliebig erweitern.

Bei den Anschlüssen finden sich die neuerdings verwendeten Standardformate: oben am Gerät eine 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse, daneben gut geschützt eine Mini-USB-Buchse. Praktisch ist die große Einschalttaste, die selbst bei geschlossenem Gerät Zugriff auf die Profile gewährt. Platzmangel herrscht auch keiner: Zusätzlich zu den 25 MB an integriertem Speicher liegt eine 256 MB große MicroSD-Karte bei.

Schwache Tastaturkopie

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Die Tasten auf der Front führen in die Musikbibliothek, starten den Player oder das Radio.

Sollte das Design tatsächlich von den flachen Klappern von Motorola oder Samsung inspiriert sein, dann hat Nokia zumindest bei der Tastatur nicht richtig hingeschaut. Für die wäre eigentlich ausreichend Platz, dennoch fallen einige Drücker recht klein aus. Die Gründe: Ein breiter Rahmen fasst die Tastatur ein und die S60-Benutzeroberfläche verlangt jede Menge Tasten, etwa die Korrektur- und die Stifttaste, die beide unter die Fünf-Wege-Navigation gequetscht sind, welche ebenfalls größer sein dürfte. Zudem fehlen spürbare Trennungen zwischen den einzelnen Tasten. Nicht, dass die Handhabung schwer fällt, aber das hätte man noch etwas bequemer haben können. Auf Eingaben reagierte das Handy aber erfreulich zügig.

Alles in allem ist die Verarbeitung gut gelungen, der Akkudeckel sitzt fest und das Innendisplay gibt anders als der RAZR auch auf stärkeren Druck nicht nach. Nur dass die im Ruhezustand als Spiegel dienende Abdeckung über dem Außendisplay schnell durch Fingerabdrücke verschmiert, mag den ein oder anderen stören.

Guter Empfang, schwacher Akku

© Das S60-Menü lässt sich nach eigenem Gusto umsortieren oder in eigenen Ordnern neu strukturieren.

Bei der Empfangsqualität offenbarte das N76 eine leichte Neigung fürs D-Netz, schnitt aber auch insgesamt gut ab - für ein UMTS-Modell keine Selbstverständlichkeit. Der Klang beim Telefonieren war gut. Nur bei den Ausdauermessungen ging das N76 recht schnell in die Knie: Die Gesprächszeit im UMTS-Netz betrug nur rund 1:15 Stunden, die Standby-Zeit etwas mehr als fünf Tage - das kostete einige Punkte. Wer damit und mit der für ein Serie-60-Gerät bescheidenen, aber gut aufrüstbaren Ausstattung leben kann, bekommt mit dem N76 das derzeit eleganteste N-Serie-Handy.

Nokia N76

Nokia N76
Hersteller Nokia
Preis 285.00 €
Wertung 376.0 Punkte
Testverfahren 0.9

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