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Nuprime IDA-8 im Test

So klein kann stark sein: Der Nuprime IDA-8 ist ein kräftiger kleiner Amp, der gleich noch einen aufwendigen HiRes-DAC in sich trägt. Dazu bietet er Ausbau-Optionen zum Streamer. Kurzum – die perfekte Basis für eine Mini-High-End-Anlage.

Nuprime IDA-8 im Test

© Nuprime

Klein und stark: Der Amp bringt einer kräftige Class-D-Endstufe und einen HiRes-DAC ins Wohnzimmer

Pro

  • ausgewogene Abstimmung
  • hohe Leistungsabgabe
  • beherrscht DSD 256

Contra

  • stellenweise eigenwillige Handhabung

Fazit

Audio-Klangurteil: 90 Punkte, Preis/Leistung: überragend

Der Nuprime IDA-8 ist eines jener Geräte, das gewöhnlich den Klein-aber-oho-Reflex bei Testern auslöst. Den Alleskönner auf seine Abmessungen zu reduzieren, wäre aber eine Verharmlosung. Der von Jason Lim geleitete Hersteller hat einen nur 5,5 cm hohen Vollverstärker mit überraschend hoher Leistungsabgabe und ambitioniertem Digital-Teil konstruiert. 

Und das ist längst nicht alles. Mit der 4,3 Kilo schweren Black-Box erwirbt man auch noch glänzende Zukunftsaussichten. In Verbindung mit dem Streaming-Modul WR-100D lässt sich der Vollverstärker für 140 Euro zum Netzwerk-Spieler ausbauen. Dann nimmt der IDA-8 immer noch viel weniger Platz weg, als ein gewöhnlicher Vollverstärker japanischer Provenienz, kann aber eine ganze Stereo-Komponenten-Kette ersetzen. 

Dank seiner Sinusleistung, die an 4 Ohm im dreistelligen Bereich liegt und an 8 Ohm nur knapp darunter, eröffnet er dem Besitzer eine große Auswahl an Lautsprechern. Mit einer kleinen Einschränkung muss sich der Eigner allerdings abfinden: 

Niedrige Impedanzen bei hohen Frequenzen führen zu einem Pegelabfall am oberen Ende des Hörbereichs. An diesem charakteristischen Verhalten erkennt der Kenner mit Gewissheit, was im Grunde durch die umgekehrt proportionale Verbindung aus Gehäusegröße und Leistungsabgabe bereits zu erahnen war: 

Der Nuprime IDA-8 setzt auf Class-D-Verstärkung. Dank deren Effizienz konnten die Designer auf Kühlöffnungen und Kühlrippen verzichten. Anders als bei Class-A/B- oder gar Class-A-Verstärkung gibt es kein Problem mit konventionell angesteuerten Transistoren, die über ihren Ruhestrombedarf schon im Leerlauf reichlich elektrische Leistung sinnlos verbraten. 

Nuprime IDA-8 im Test - Innenleben

© Nuprime

Anders als im teuren IDA-16 setzt Nuprime im IDA-8 auf ein Linearnetzteil, das Audiophile allerdings mit seinem streufeld-armen Ringkerntransformator für die Class-D-Ausgangsstufe verzückt.

Allerdings ist die Sache in diesem Fall auf den zweiten Blick etwas komplizierter. „Class A + D Hybrid“ nennt Nuprime sein Verstärkerkonzept im IDA-8. Dazu haben die Entwickler eine Ultra-Linear-Class-A-Schaltung – Ultra Linear Class-A Module (ULCAM) – in der Vorstufe mit einer mit 600 kHz getakteten Class-D-Leistungsstufe kombiniert. 

Die schnelle Schaltfrequenz der Digital-Endstufe ist ein Vorteil gegenüber manchem trägeren Mitbewerber. Und anders als im High-End-Modell IDA-16 verzichten die Entwickler auf die Bereitstellung hoher Stromreserven über eine Kondensator-Bank namens Cross-Matrix Array (CMA). Im IDA-8 muss es ein klassisches Linear-Netzteil mit Ringkerntrafo richten. 

Doch diese Lösung bedeutet schon einen Mehraufwand gegenüber den üblichen Mini-Schaltnetzteilen, die sich in gewöhnlichen Class-D-Amps finden. Und es sieht auch viel audiophiler aus, falls ein neugieriger Besitzer einmal den Deckel des mechanisch solide aufgebauten Nuprime abnimmt. Diese kleinen Eigenheiten sind klangfördernde Details des auf Pulsweiten-Modulation (PWM) beruhenden Verstärkerkonzepts. 

Neue Wege geht Nuprime auch bei der Konstruktion der Lautstärkeregelung. Um niedrige Störgeräusche zu realisieren und die Signalreinheit der aufwendigen Class-A-Vorstufensektion nicht zu kompromittieren, erfolgt die Lautstärkeregelung in 99 feinen 0,5-dB- Stufen mit präzisen Filmwiderständen.

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Hyperstream-DAC-Architektur

Das erforderliche Leiternetzwerk der Festwiderstände befindet sich in einem FPGA-Chip. Das von den Entwicklern programmierte Field-Programmable Gate Array macht die Realisierung der aus dem IDA-16 bekannten Lautstärkeregelung so erschwinglich, dass sie jetzt in einer anderen Klasse spielt. An die Fähigkeiten der integrierten D/A-Wandler-Sektion legte Nuprime ebenfalls hohe Ansprüche an. 

Als DAC-Chip kommt ein ESS ES9010K2M Sabre zum Einsatz – ein hochwertiger 32-Bitler mit einer maximalen Samplingrate von 384 kHz. Der Wandler, der auch in zahlreichen professionellen Anwendungen verwendet wird, kann mit seiner patentierten Hyperstream-DAC-Architektur auch DSD mit bis zu 11,2 MHz verarbeiten und wurde auf eine Systemdynamik von 116 dB spezifiziert. 

Nuprime nutzt den Chip, um niedrigauflösende Signale auf 176,4 kHz hochzurechnen. Die beiden S/PDIF-Eingänge – koaxial und Toslink – unterstützen PCM-Signale bis zu 192 kHz und DoP DSD bis 2,8 MHz. Wer diesen Edel-DAC ausreizen möchte, muss den asynchronen USB-B-Eingang verwenden, der PCM bis 384 kHz und DSD mit bis zu 11,2 MHz an den Sabre weitergeben kann. 

Nuprime IDA-8 im Test - Anschlüsse

© Nuprime

Weniger die Zahl als vielmehr die Art seiner Anschlüsse macht den IDA-8 so einzigartig. Hinter E4 versteckt sich der USB-Anschluss für Bluetooth-Dongles oder Streaming-Module.

Wer einen Mac hat, kann sich den für Windows 7 bis 10 erforderlichen Treiber-Download sparen. Der USB-A-Eingang ist für das beiliegende USB-Dongle gedacht, das dem vielseitigen IDA-8 auch Bluetooth-Streaming erschließt. Was die analogen Anschlüsse betrifft, gibt sich der Nuprime bescheiden, aber extravagant. Es gibt nur einen Analog-Eingang, aber immerhin zwei Subwoofer-Ausgänge für künftige Systemerweiterungen. 

Da diese Outs geregelt, aber nicht gefiltert sind, kann man sie freilich auch zum Anschluss einer externen Endstufe verwenden. Was die Quellenwahl betrifft, eignet sich neben der Verwendung der Fernbedienung der Griff zum linken Drehknopf auf der übersichtlichen Front des IDA-8. Der kleine Amp leistet sich sogar ein Display, das nach dem Umschalten neben dem Eingang kurz die Samplingrate, später die Lautstärke anzeigt. 

So weit, so gut. Nuprime hat sich entschlossen, die Eingänge mit Kürzeln wie U3 (USB) oder E4 (USB-Dongle) zu bezeichnen. Unvorbereitet lässt einen das zwar reichlich doof dastehen, aber früher oder später kriegt man den Bogen raus. Apropos Bogen: Streicher klangen über den sehr ausgewogen abgestimmten IDA-8 sehr angenehm und authentisch. 

Überhaupt kümmerte sich der Nuprime hingebungsvoll um die subtilen Details einer Aufnahme. Applaus auf Live-Aufnahmen wie der, vom Autor für Hörtests immer wieder gerne herangezogenen „Hell Freezes Over“ von den Eagles klang wunderbar differenziert und plastisch. Die Gitarre im unvermeidlichen „Hotel California“ reproduzierte der Verstärker farbstark mit kraftvoller Attacke beim Anreißen der Saiten. 

Nuprime IDA-8 im Test - Bluetooth-USB-Dongle

© Nuprime

Dem Nuprime IDA-8 liegt ein Bluetooth-USB-Dongle bei. Wer mit WLAN arbeiten will, braucht dafür das Streaming-Modul WR-100D, das zum Preis von 140 Euro optional erhältlich ist.

Zu den besonderen Stärken des Nuprime gehörte die Abbildung. In dieser für Audiophile essenziellen Disziplin punktete der IDA-8 mit Stabilität und perfekter Ortbarkeit. Alle mit Hang zu Jazz und Klassik dürften daher noch mehr Freude an diesem Amp haben als Rock- und Pop-Fans. 

Denen serviert der Nuprime zwar einen trockenen, kontrollierten Bass, geizt aber ein wenig mit Druck und Tiefgang. Wer es gerne krachen lässt, wird abgesehen davon schon im Vorfeld von der feinstufigen, aber ziemlich träge reagierende Lautstärkeregelung eingebremst.

Fazit: Nuprime IDA-8

Kleinstmögliche Verpackung von Oberklassetechnik – der Nuprime ist die audiophile Analogie zum Mini Cooper S. Die Class-D-Verstärkung steht dabei als Pendant zur Turboaufladung. Kaum zu glauben, was Nuprime aus dem winzigen Gehäuse an Leistung herauskitzelt. Dank High-End-DAC, Bluetooth-Dongle und optionalem Streaming-Modul ersetzt der unauffällige IDA-8 eine ganze Kette von Komponenten.

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