Smartphone zum Klappen

Samsung Galaxy Z Flip im Test

Samsungs Galaxy Z Flip ist ein teurer Hingucker. Im Test zeigt sich, wie gut Display, Ausstattung und Laufzeit wirklich sind. Lohnt sich der Kauf?

© Samsung

Samsungs neues Foldable Galaxy Z Flip kostet 1.480 Euro. Im Test klären wir, ob es das Geld wert ist. 

Pro

  • neues und innovatives Smartphone-Konzept
  • zugeklappt sehr handlich, aufgeklappt mit großem 6,7-Zoll-OLED
  • stufenloses Aufklappen bietet softwareseitig interessante Möglichkeiten
  • trotz kleinen Akkus sehr lange Ausdauer
  • durchweg gute Empfangswerte und Akustik
  • Systemleistung wie ein Topgerät

Contra

  • Fotoqualität bei Dunkelheit befriedigend
  • Software könnte noch durchdachter sein
  • Display im normalen Gebrauch etwas leuchtschwach
  • kein Schutz vor Wasser und Staub
  • sehr hoher Preis

Fazit

connect-Urteil: gut (409 von 500 Punkten)
81,8%

Samsung war im letzten Jahr mit Huawei einer der ersten Hersteller, der sich mit einem Foldable an einer neuen Gerätekategorie versucht hat. Wie üblich, wenn man neues Terrain betritt, ließen auch beim Galaxy Fold die Probleme nicht lange auf sich warten. Die schützende Kunststofffolie auf dem faltbaren Display ließ sich leicht abpulen, was Erstnutzer mangels Sicherheitsanweisung auch durchweg taten. Zudem war das Scharnier offen für Schmutz.

Dementsprechend skeptisch waren wir beim Auspacken der zweiten Foldable-Generation, dem Galaxy Z Flip. Muss man das Phone nun wie ein rohes Ei behandeln, damit ja nichts kaputt geht? Ist das Kunststoffdisplay innerhalb kürzester Zeit komplett zerkratzt? Was bekommt man für den sehr hohen Preis? Unser Test liefert die Antworten.

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Die Pflegehinweise beim ersten Öffnen der Schachtel weckten böse Befürchtungen: Bloß nicht zu fest drücken und ja nichts zwischen beide Hälfen einklemmen! Finger weg von der Kamera im Frontdisplay. Und nein, das Galaxy Z Flip ist auch in keiner Weise vor Wasser und Staub geschützt. Eigentlich ein Feature, dass man bei einem Gerät, das 1.480 Euro kostet, schon erwarten darf. Immerhin: Samsung hat dazugelernt und schützt das Scharnier von innen mit kleinen Bürsten vor Fremdkörpern. Diese werden nun beim Öffnen einfach aus dem Scharnier gebürstet. Staub kann jedoch trotzdem mehr oder weniger ungehindert eindringen, wie erste Tests im Netz bereits gezeigt haben. 

Großes Display ganz handlich 

Kaum ausgepackt, wird jedoch der Vorteil des Galaxy Z Flip deutlich: Zugeklappt ist das Foldable fast quadratisch mit Abmessungen von 87 x 74 Millimetern und damit extrem handlich. Es passt locker in jede Hosen- und sogar die meisten Hemdtaschen. Dass es dann mit 16 Millimetern sehr dick ist, stört dabei tatsächlich nicht – ein Portemonnaie ist oft noch dicker und vor allem größer. 

Aufgeklappt wird die ganze Magie von Falt-Handys deutlich: Wir blicken nämlich wie beim S20+ auf ein großes OLED-Display mit 6,7 Zoll Diagonale. Konstruktionsbedingt muss man mit etwas dickeren Displayrändern (4 Millimeter) leben, was das Erlebnis beim Filmeschauen nicht ganz so immersiv macht. Die Frontkamera im Screen (10 MP) fällt durch ihren kleinen Durchmesser nicht ins Gewicht.

Die Faltstelle in der Mitte des Phones lenkt im aufgeklappten Zustand übrigens nicht wirklich ab. Sie fällt je nach Betrachtungswinkel nur bei dunklen Bildinhalten auf, bei hellen Hintergründen nimmt man sie quasi nicht wahr. Gleichwohl ist sie mit dem Finger beim Scrollen fühlbar. 

Ansonsten liefert das biegsame OLED im Normalbetrieb eine sehr geringe Leuchtkraft von 307 cd/m2. Unter starker Sonneneinstrahlung dreht es aber auf 811 cd/m2 hoch und sichert so eine gute Ablesbarkeit. Die Blickwinkelstabilität und Kontraste könnten ebenfalls besser sein. Letztere sind jedoch mit 1:748 bei Bürolicht und 1:14 bei Tageslicht noch auf einem guten Niveau.

© Samsung/ Montage connect

Oben: Das Frontdisplay ist in zugeklapptem Zustand bei Selfies hilfreich, zeigt die Uhrzeit und eingehende Benachrichtigungen. Unten: Im Rahmen auf der rechten Seite sitzt ein Fingerprintsensor.​

Galaxy Z Flip: Keine Kratzer im Display nach erstem Test

Während des Testzeitraums haben wir, nebenbei bemerkt, keine Kratzer ins Display bekommen. Klar: Wer es mit dem Fingernagel darauf anlegt, kann die obere Kunststofffolie leicht eindrücken. Nutzt man sein Phone jedoch normal, passiert das schlicht nicht, und im zugeklappten Zustand ist der Screen eh geschützt.

Insgesamt sind Haptik und Verarbeitung, trotz fehlendem IP-Schutz, wie von Samsung gewohnt hervorragend. Hier wackelt und knarzt nichts, und selbst der Faltmechanismus macht einen sehr soliden Eindruck. Samsung verspricht, dass das Z Flip mehr als 200.000 Faltvorgänge unbeschadet übersteht. Das wären 5,5 Jahre Nutzungsdauer, selbst wenn man sein Flip mit 100 Mal täglich sehr oft aufklappt. Wie der Screen sich über die Zeit verändert, kann nur ein längerer Test zeigen. Aber keine Frage, Glas ist widerstandsfähiger. 

Praktisch ist, dass man den Öffnungswinkel des Z Flip stufenlos arretieren kann. Dadurch ergeben sich softwareseitig interessante Möglichkeiten, die Samsung allerdings nicht vollständig und konsequent nutzt. Zum Beispiel stellt man das Flip für ein Videotelefonat mit Google Duos einfach halb aufgeklappt auf den Tisch. Das Bild erscheint dann in der oberen, die Steuerelemente in der unteren Displayhälfte. 

Ähnlich ist der Ansatz in der Kamera-App: Hier rutscht die Vorschau komplett nach oben, während man die Einstellungen unten vornehmen kann. Warum diese Konsequenz in der Galerie-App bei der Fotobearbeitung aussetzt, erschließt sich uns jedoch nicht. Clevere Software-Tricks dieser Art hätten wir uns für alle gängigen Anwendungen gewünscht. Aber dafür müssen wohl zukünftig die App-Entwickler sorgen. Hier fehlt es den Foldables einfach noch an Marktdurchdringung. 

© connect

Die Faltstelle ist nur vor dunklen Hintergründen und unter bestimmten Blickwinkeln präsent. Bei der Nutzung in Draufsicht fällt sie weder auf noch beeinträchtigt sie die Bedienung.​

Für ein Topgerät hat das Z Flip eine maue Kamera 

Ein kleines Außendisplay mit 1,1 Zoll sorgt dafür, dass man das Galaxy Z Flip auch mal geschlossen lassen kann, wenn man nur die Uhrzeit oder eingegangene Nachrichten checken will. Das kleine Display nutzt man im geschlossenen Zustand für Selfies auch als Sucher, wobei man mit der Hauptkamera fotografiert, die mit 12 Megapixeln auflöst. Unter guten Lichtbedingungen knipst man sehr gute Fotos, bei Dunkelheit nimmt die Qualität schnell ab. Hier mangelt es stark an Detailauflösung. Vom Labor gibt's dafür ein befriedigend.

Neben der Hauptkamera sitzt eine Ultraweitwinkeleinheit mit identischer Auflösung, die feine Strukturen ein wenig besser darstellen könnte. Eine Zoom-Optik wie in der Oberklasse üblich lässt das Z Flip vermissen. Die Systemleistung ist der Oberklasse aber definitiv würdig: Samsung verbaut zwar keinen Top-Chip aus 2020, aber der leicht übertaktete Snapdragon 855+ aus dem letzten Jahr und 8 GB RAM sorgen in allen Lebenslagen für ein ruckelfreies Smartphone-Erlebnis. Wer gern grafikintensive 3D-Spiele zockt, kann das auch mit dem Flip machen. Allerdings erwärmt sich der obere Teil des Geräts unter Belastung deutlich.

Bei der restlichen Ausstattung kann das Flip mit 223 GB freiem Speicher aufwarten, der sich aber nicht erweitern lässt. Ein Dual-SIM-Betrieb ist hingegen möglich, hier setzen die Koreaner wie beim S20, S20+ und S20 Ultra auf eine Kombination aus Nano- und eSIM. Den aktuellen WiFi-6-Standard hat das Flip von seinen Geschwistern nicht übernommen, es funkt mit ac-WLAN und unterwegs mit LTE CAT 16 bis 1 Gbit/s im Download. Fix funktioniert auch die kabelgebundene Datenübertragung dank USB-3.1. Für einen Klinkeneingang war allerdings kein Platz mehr.

© Samsung/ Montage connect

Links: Stellt man das Display des Flip bei aktivierter Kamera-App auf, rutscht die Vorschau in den oberen Teil, die Steuerelementefüllen den unteren Teil aus. Rechts: Inkonsequent ist die Umsetzung in der Galerie: Scrollt man durch die Bilder, wird die obere Hälfte genutzt, beim Bearbeiten rutscht das Foto in den Knick.​

Akkulaufzeit und Laborwerte

Skeptisch waren wir vor dem Test, was die Ausdauer anbelangt. Durch den Faltmechanismus geht im Gehäuse nämlich etwas Platz verloren, weshalb Samsung einen vergleichsweise kleinen 3.300-mAh-Akku verbaut, aufgeteilt in zwei Energieriegel. Die Sorge war unbegründet: Im Labor erzielt das Galaxy Z Flip mit 9:40 Stunden eine sehr respektable Laufzeit, die zwei Tage Nutzungsdauer einbringen sollten. Hier hilft wohl auch die geringe Leuchtkraft des OLEDs. 

Nachgetankt wird schnell, aber nicht rasant, per 15-Watt-Netzteil. Hier darf man in der Oberklasse normalerweise auch mehr erwarten: Samsungs Galaxy S20 und S20+ laden mit 25 Watt, das S20 Ultra gar bis 40 Watt. Kabelloses Laden beherrscht das Z Flip jedoch, sogar in beide Richtungen, um Peripherie wie Smartwatches direkt über das Phone zu laden. Überzeugend sind auch der Klang und die Geräuschunterdrückung beim Telefonieren. Das Flip schneidet dabei sogar etwas besser ab als die S20-Kollegen.

© WEKA Media Publishing GmbH

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Ist das Flip eine Kaufempfehlung? 

Insgesamt lässt uns das Galaxy Z Flip etwas ratlos zurück. Auf der einen Seite besticht das Falt-Phone durch seine (zugeklappt) schöne Handlichkeit und den Coolness-Faktor: Jeder, dem wir das Gerät in die Hand gegeben haben, war erst einmal fasziniert. Es schindet schon Eindruck, wenn man sein Smartphone aufklappt oder angewinkelt auf den Tisch stellt. 

Dem gegenüber steht der sehr hohe Preis von 1.480 Euro, der eigentlich in keiner Relation zur Ausstattung des Z Flip steht – vom Falten einmal abgesehen. Hinsichtlich der spärlich bestückten Kamera und nicht optimalen Fotoqualität ist man für sein Geld mit einem S20+ oder Ultra besser bedient. Auch sonst hat der Falt-Screen kaum Vorteile, die das Flip zum Must-have machen. 

Aber: Das Galaxy Z Flip ist ein echtes Stück Smartphone-Zukunft, aktuell zahlt man viel für die aufwendige Entwicklung und Produktion. Wem es das wert ist und wer zu den Early Adopters gehören möchte, kann zugreifen und bekommt dann ein gutes, wertiges und außergewöhliches Smartphone.

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