Preis, Ausstattung, Testergebnisse

Samsung Galaxy S20 Ultra im Test

Die neue S20-Serie startet in Deutschland. Wir haben das Spitzenmodell Galaxy S20 Ultra intensiv getestet. Das Highend-Smartphone mit 5G kann nicht in allen Belangen vollauf überzeugen.

Inhalt
  1. Samsung Galaxy S20 Ultra im Test
  2. Samsung Galaxy S20 Ultra: Kamera und Fazit

© connect

Stolzer Preis, starkes Smartphone: Galaxy S20 Ultra mit 6,9-Zoll-Display und 120 Hertz.

Pro

  • Haptik und Verarbeitung spitze, IP68 ist dabei
  • OLED mit Top-Qualität und 120 Hertz
  • Displayschutzfolie aufgeklebt
  • One UI mit innovativen Software-Features
  • Starke Performance und viel Speicher
  • Vielseitiges Kamerasystem mit 3 Brennweiten, Top-Fotoqualität und 8K-Videos
  • Modernste Connectivity mit LTE Cat 20 und ax-Wlan
  • Drahtloses Aufladen in beide Richtungen
  • Dual-SIM/micro-SD und eSIM
  • gute Akustik und Funkeigenschaften

Contra

  • groß, dick und schwer
  • Klinkenbuchse fehlt

Fazit

Das neue Flaggschiff von Samsung ist technisch herausragend ausgestattet und bietet nur wenig Angriffsfläche für Kritik. Die Größe, das Gewicht und die zwar sehr gute, aber nicht vollends überzeugende Akkulaufzeit verhindern aber den Durchmarsch an die Spitze der connect-Bestenliste. connect-Testurteil: sehr gut (437 von 500 Punkten) - nach Testreform 2020
87,4%

Das kleinste Modell in Samsungs neuer S-Serie, der 6,2-Zöller Galaxy S20, startet bei 899 Euro, die 5G-Variante kostet 999 Euro. Das Galaxy S20+ (6,7 Zoll) steht bei 999 Euro mit LTE und 128 GB Speicher. Mit 5G-Modem kostet es 1.099 Euro, mit 5G und 512 GB liegt der Preis bei 1.249 Euro. Das Galaxy S20 Ultra ist mit einer Diagonale von 6,9 Zoll nicht nur das größte Modell, es markiert auch preislich den Gipfelpunkt: Es ist nur als 5G-Version erhältlich, mit 128 GB kostet es 1.349 Euro, mit 512 GB sind es 1.549 Euro. Um dieses Modell soll es in der Folge gehen, das uns vorliegende Testgerät verfügt über 512 GB Speicher.

Neue Schwergewichtsklasse

Design, Verarbeitung und Materialwahl sind so, wie man es vom Marktführer ewartet: Absolute Spitzenklasse. Samsung verzichtet diesmal auf Spielereien wie Keramik und lässt es auch bei der Farbe gediegen angehen. Das Galaxy S20 Ultra kommt in schwarz oder grau, mit Gorilla Glass 6 hinten und vorne, das von einem lackierten Aluminiumrahmen zusammengehalten wird. Eine IP68-Zertifizierung ist dabei, ein Wasserbad (Süßwasser) ist also kein Problem. Die dunkle und glänzende Oberfläche zieht Fingerabdrücke magisch an; ein bekanntes Problem, mit dem man sich gut arrangieren kann. 

Gewicht und Größe steckt man dagegen nicht so einfach weg. Das S20 Ultra hat gegenüber dem Note 10+ noch einmal ordentlich zugelegt und ist das größte uns bekannte Smartphone, übertroffen allenfalls vom Huawei Mate 20X, aber das ist mehr Tablet als Telefon. Das Gewicht von 220 Gramm macht sich schnell unangenehm in der Hand bemerkbar. Hinzu kommt die Dicke von 8,8 Millimeter, die an der mächtigen Kamera-Einheit auf 11 Millimeter anwächst. Das ist wahrlich nicht hosentaschenfreundlich, Käufer sollten das Phone daher unbedingt vorher einmal in die Hand nehmen, um zu schauen, ob es passt. Positiv: Trotz der ausladenden Maße liegt es überraschend gut in der Hand, optimal ausbalanciert und mit einer genau an der richtigen Stelle positionierten Power-Taste.

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Testsiegel

Display

Für die Größe bekommt man natürlich auch etwas. An erster Stelle steht hier das Display mit einer für Smartphone-Verhältnisse gigantischen Diagonale von 6,9 Zoll. Es füllt die gesamte Frontseite aus, der Rand ist millimeterdünn. Die Aussparung für die Frontkamera ist wie bei der neuen Note-Serie punktförmig und stört den Blick auf die Anzeige kaum. Neu ist der Verzicht auf einen gekrümmten Displayrand, der bisher ein Markenzeichen der S-Serie war. Dieser ist nur ganz leicht gewölbt, was Fehleingaben mit dem Handballen minimiert und es Samsung ermöglicht, eine Displayschutzfolie aufzukleben.

Eine Wohltat für die Augen ist die hohe Bildwiederholrate von 120 Hertz, die ein spürbar weicheres Scrolling beim Surfen und in Apps ermöglicht. Samsung setzt damit zum Überholmanöver gegenüber Unternehmen wie Google und OnePlus an, die ihre Top-Modelle bereits mit 90-Hertz-Displays ausstatten. Ab Werk sind 60 Hertz eingestellt und wenn man auf 120 Hertz hochregelt, reduziert sich die Bildschirm-Auflösung von 3.200 x 1.440 Pixel auf 2.400 x 1.080 Pixel, um den Akku zu schonen. Während die Reduktion der Auflösung keinen sichtbaren Effekt hat (man muss schon mit einer Lupe ganz dicht rangehen, um etwas zu sehen), bemerkt man den Unterschied zwischen 60 und 120 Hertz sofort. Wir empfehlen daher, 120 Hertz zu aktivieren.

© connect

Das Diagramm links zeigt die Kontrastdarstellung in Relation zum Blickwinkel: Je größer der grüne Bereich, desto besser ist die Darstellung auch bei schräger Draufsicht. Rechts ist der RGB-Farbraum zu sehen, der OLED-typisch erweitert ist, beim S20 Ultra sogar besonders stark.

Qualitativ spielt das Display weit vorne mit, so wie man es von den Koreanern gewohnt ist. Die maximale Helligkeit ist mit 379 Candela Samsung-typisch niedrig, in einer hellen Umgebung regelt das Display jedoch (kurzzeitig) bis zu 1010 Candela hoch – eine rekordverdächtige Leuchtkraft, die eine gute Ablesbarkeit auch unter freiem Himmel gewährleistet. Die von uns bei unterschiedlichen Umgebungshelligkeiten ermittelten Kontraste sind gut, aber nicht überragend. Hier die Messdaten:

  • Display-Helligkeit: 379 cd/m2
  • Display- Helligkeit Boost: 1010 cd/m2
  • Dunkelkontrast (1 Lux): 1:9999
  • Kontrast im Büro (500 Lux): 1:619
  • Kontrast bei Tageslicht: 1:11,3

Der RGB-Farbraum ist stark erweitert, Samsung deckt hier einen größeren Bereich ab als andere OLED-Smartphones wie das Pixel 4 oder das iPhone 11 Pro. Die allerdings sind im Gegenzug etwas blickwinkelstabiler und kontraststärker. 

Performance

Das Galaxy S20 Ultra wird mit zwei Prozessorkombinationen angeboten: Mit der hauseigenen Exynos-Plattform (Exynos 990 + Exynos-Modem 5123) sowie mit dem Qualcomm Snapdragon 865 + Modem X55. Die Verfügbarkeit richtet sich nach der Region: Die Exynos-Variante findet man in Europa und Südkorea, die Snapdragon-Variante wird in den USA verkauft. Technisch und in Puncto Performance gibt es keine großen Unterschiede, denn mit einer dezidierten Engine für Künstliche Intelligenz, einer leistungsstarken GPU (Mali G77 / Adreno 650) und einer ultramodernen 7-Nanometer-EUV-Fertigungstechnologie wird in beiden Fällen die Speerspitze dessen geboten, was technisch gerade möglich ist.

Auch mit Blick auf das 5G-Modem ist das Bild ähnlich: Beiden Unternehmen ist es nicht gelungen, das Modem auf dem SoC zu integrieren, es ist also physisch getrennt positioniert, was zum einen den Flächenverbrauch erhöht, zum anderen die Leiterbahnen verlängert und damit den Energieverbrauch nach oben treibt. Das einzige Unternehmen, das SoC und 5G-Modem derzeit integriert fertigen kann, ist Huawei mit dem Kirin 990.

Das uns vorliegende Testsample war folglich mit dem Exynos 990 ausgestattet. Der gibt sich in Benchmarks deutlich leistungsstärker als der Exynos 980 (Galaxy S10), erreicht aber nicht ganz die Performance eines Apple A12 (iPhone 11). Aber das ist Erbsenzählerei. Fakt ist: Das Galaxy S20 Ultra ist leistungsmäßig auf der Überholspur unterwegs und schwer an eine Grenze zu bringen, woran auch der üppige Arbeitsspeicher von 16 GB (!) seinen Anteil hat.

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Auch die übrige Ausstattung geizt nicht mit Superlativen. Die Stereolautsprecher liefern einen hervorragenden Klang auf dem Niveau der Vorgänger, Dolby Atmos wird unterstützt. Der interne Speicher unseres Testsamples ist mit 512 GB schier unerschöpflich, wer trotzdem mehr braucht, kann per micro-SD erweitern. Alternativ fasst der Slot eine zweite SIM-Karte, somit beherrscht das S20 5G Ultra Dual-SIM. Aber damit nicht genug: Über das Einstellungsmenü kann man alternativ zur zweiten physischen SIM eine eSIM einbinden, mit den drei S20-Modellen unterstützt Samsung erstmals auch die virtuelle SIM-Karte.

Auch die restliche Connectivity ist mit 5G, LTE Cat 20 (2 Gbit/s im Down- und 150 Mbit/s im Upload), neuestem ax-WLAN, Bluetooth 5.0, NFC und USB-C-3.2-Anschluss State of the Art. Eine Klinkenbuchse fehlt leider – die war bei den Vorgängern noch dabei. Samsung geht nun also auch den Weg, den andere Hersteller wie Huawei oder Oneplus bereits beschritten haben.

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Eine der wenigen Änderungen von One UI 2.1 im Vergleich mit 2.0: Man kann den Startbildschirm vom Dark Mode ausnehmen, was sich auf die Transparenz von Widgets und die Darstellung der Statuszeile auswirkt.

Die neue Version 2.1 von Samsungs Benutzeroberfläche One UI, die auf der aktuellen Android-Version 10 aufsetzt, gefällt mit einem aufgeräumten Design, das die überbordende Vielfalt an Features und Extras übersichtlich aufbereitet. Stark: Ein Software-Paket von Microsoft (OneDrive Office) ist bereits vorinstalliert. Die Unterschiede im Vergleich mit One UI 2.0 (Note-10- und S10-Serie) sind aber überschaubar. Ganz vorne steht hier der neue „Quick Share“-Schnellzugriff in der Statuszeile, der wie Apple AirDrop und Huawei Share das Teilen von Inhalten mit Personen in der Nähe extrem vereinfacht. Der personalisierte Nachrichtenüberblick Bixby Home, der links vom Homescreen angeordnet ist, wird durch Samsung Daily ersetzt, mit geringfügigen Layout-Änderungen. Es gibt außerdem ein paar kosmetische Änderungen bei einigen App-Icons, außerdem kann man den Homescreen vom Dark Mode ausnehmen, sodass sich hier weder die Transparenz, noch die Helligkeit ändert, wenn dieser aktiviert wird. 

Ganz stark und immer eine Erwähnung wert: Der Desktop-Modus DeX, der das Galaxy S20 Ultra in einen PC-Ersatz verwandelt. Nötig ist dafür ein USB-C-auf-HDMI-Adapter als Schnittstelle zwischen dem Smartphone und einem Monitor oder TV-Gerät. Sind alle drei miteinander verbunden startet DeX von alleine und ermöglicht das Anschauen von Videos auf großem Bildschirm oder eben das Arbeiten wie am PC, wenn man zusätzlich noch Tastatur und Maus per Bluetooth koppelt.

Akkulaufzeit, Akustik, Funk

Die Akkulaufzeit ist zwar keine Enttäuschung, aber von einem Top-Smartphone auf diesem Ausstattungs- und Preisniveau haben wir noch etwas mehr erwartet, zumal der Akku mit 5000 mAh gigantisch ausfällt. Liegt es am neuen 5G-Modem? Ist die physische Trennung von Modem und SoC Schuld? Wir möchten hier nicht spekulieren und stattdessen Fakten präsentieren. Im genormten connect-Test schafft das Galaxy S20 Ultra 9:46 Stunden mit einer Bildwiederholrate von 60 Herz bei voller Auflösung. Mit 120 Herz und reduzierter Auflösung sinkt die Laufzeit auf 8:23 Stunden. Wer das flüssige Scrolling aktiviert, muss also eine um etwas mehr als 10 Prozent reduzierte Akkulaufzeit in Kauf nehmen. Beide Werte sind akzeptabel und bedeuten, dass man mit dem Smartphone auch bei intensiver Nutzung über den Tag kommt. Aber andere Phones schaffen eben eine Stunde mehr, zum Beispiel das iPhone 11 Pro (10:55 Stunden) oder das OnePlus 7 Pro (10:25 Stunden) - letzteres mit aktiviertem 90 Hertz-Display.

Das mitgelieferte 25-Watt-Netzteil pumpt den Akku in anderthalb Stunden von 0 auf 100 Prozent, nach einer halben Stunde ist er zur Hälfte geladen. In dieser Preisklasse legen andere Hersteller ein 40-Watt-Netzteil mit in den Karton, das entsprechend schneller lädt (vor allem in der ersten halben Stunde). Samsung bietet ein solches (EP-TA845, 45 Watt) als optionales Zubehör für 50 Euro an – kein feiner Zug, das Smartphone ist schließlich schon teuer genug. Kabelloses Laden mit schnellen 15 Watt ist möglich, setzt aber ebenfalls ein entsprechendes Ladepad voraus (das Samsung sich ebenfalls gut bezahlen lässt). Wirelesse Reverse Charging wird unterstützt, in Anbetracht von immer mehr Peripheriegeräten mit Qi (Galaxy Buds+) ein Extra mit echtem Mehrwert.

Bei der Akustik und bei den Funkeigenschaften zeigt sich das S20 Ultra sehr gut aufgelegt, andere Smartphones bieten beim Telefonieren zwar eine höhere Lautstärke, aber nicht die gleiche Sprachqualität, zudem arbeitet die Geräuschunterdrückung auf einem sehr guten Niveau. Die Sende- und Empfangseigenschaften sind im GSM- und UMTS-Netz sehr gut, im LTE-Netz wird ein gutes Niveau erreicht. Den neuen 5G-Standard haben wir nicht getestet.

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