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Testbericht

Vorstufe Ayre KX-R

Nach symmetrischer Verbindung mit dem Feedback-Loop-losen Ayre-CD-Player breitete die Ayre KX-R (19800 Euro) Rocky-Mountains-artige, weiträumige Klanglandschaften aus.

Inhalt
  1. Vorstufe Ayre KX-R
  2. Datenblatt

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Vorstufe Ayre KX-R

Dass Feedback in diversen Schaltungen zu unter Umständen unangenehmem Klirr höherer Ordnung führen kann, steht spätestens seit den mathematischen Ausführungen von James Boyk und Gerald Jay Sussman außer Frage (www.its.caltech.edu/~musiclab/feedback-paper-acrobat.pdf). Dass Hansen möglichst einfache Schaltungen und symmetrisches Layout anderem vorzieht, nicken erfahrene Highender auch gerne ab.

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Präzisions-Handarbeit aus den Rocky Mountains: ein Lautstärke-Stufensteller der KX-R.

Ebenso wie die Tatsache, dass Abschirmung nicht schadet, wobei die Konsequenz von Ayre sie dann doch in Erstaunen versetzt. Die Weststaatler in Boulder, Colorado nehmen für den Aufbau der Super-Vorstufe KX-R zunächst einen 44 Zentimeter breiten, 30 cm tiefen und 10 cm hohen Aluminiumbarren her, um ihn mit Präzisisonsfräsen wie einen Halloween-Kürbis nach und nach auszuhöhlen.

So lange, bis der von der kalifornischen Mercury Magnetics ("The Guitar Amp Transformer Company") gefertigte, aus feinen Blechen zusammengesetzte Kern des Netztrafos mit Zehntelmillimeter-genauer Passung in die Aussparung in der Mitte des Aluklotzes passt.

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Die Werte der Widerstände bei den Kontakten stimmen bis auf zwei Stellen hinterm Komma.

So gelangen auch die Verstärker-Einheiten des rechten und linken Kanals in ihre beiden Hinterzimmer, wo bereits die Bohrungen für jeweils sechs XLR-Kontakter und vier Cinchbuchsen vorgesehen sind. Das Kontrollboard mit dem Display und den Front-Knöpfen sowie mit der Fernbedienelektronik bekommt schließlich seinen eigenen Panzerkorridor genauso wie die Netz-Entstör-Luftdrossel und der Kabelbaum, der zu den Ayre-Remote-Verbund-Buchsen auf der dickwandigen Rückseite führt.

Ein weiteres Beispiel für absolute Kompromisslosigkeit:  die von Stellmotoren angetriebenen, Untertassen-großen Drehschalter, die aussehen, als würden sie aus einer feudalen englischen Standuhr stammen.Zwei dieser Kunstwerke wählen in der vollkommen symmetrisch aufgebauten Vorstufe für Rechts und Links und für Plus und Minus vier XLR- und vier Cinch-Not-Eingänge an.

Vier weitere variieren in Dezibelstufen den Pegel, wobei der Federschleifer unter deutlich hörbaren, appetitlichen Plopps 60 vergoldete Vollsilberkontakte und direkt daran angelötete Extraanfertigungs-Präzisionswiderstände anfahren darf.

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Im Zentrum der Hauptplatine steht ein FET-Quartett, das für Spannungsverstärkung sorgt.

Dabei dämpft die KX-R nicht wie andere Vorstufen einfach die Eingangspegel. Mit den Schaltwiderständen senkt die Ayre vielmehr die Verstärkung der Ausgangsstufen ab. Damit nimmt sie in Kauf, dass es zuvor relativ hohe Pegel zu verdauen gibt (was den Klirr minimal erhöht), dafür leidet der Störabstand bei den bereits angehobenen Signalen nicht so sehr wie bei der konventionellen Methode. Ein steckbarer Festwiderstand im Eingang legt nur die maximale Gesamtverstärkung fest; zur Debatte stehen +6 oder 0 oder -6 dB.

Gemäß Ayre'scher Philosophie findet sich keine Gegenkopplungsschleife in der KX-R (in der Technikersprache ein symmetrischer Differenzverstärker mit leicht auszusteuernden Feldeffekttransistoren, der über Kaskade-Stromspiegel die Ausgangsstufen antreibt). Linearisierende Widerstände in den Zuleitungen zu einzelnen Transistoren müssen es richten, zur Verzerrungsarmut führt weiterhin die extrem pingelige Auswahl aller Bauteile.

Einpolige Cinch-Ankömmlinge kann der Eingangs-Differenz-Amp relativ perfekt symmetrieren, ernsthafte Highender spannen die KX-R trotzdem nur symmetrisch ein.

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Genossen die Tester im Hörraum erst einmal die metallschwere Vorstufe, bestätigte sich bald, dass die KX-R bei Cinch-Ansteuerung ein wenig wie mit angezogener Handbremse spielt und wirklich nur als halbe Sache betrachtet werden kann. Nach linientreuer symmetrischer Verbindung mit dem Feedback-Loop-losen Ayre-CD-Player CX 7e MP (Test 6/09) breitete die Ayre - in der Zusammenarbeit mit den Thorens-Referenz-Monoblöcken TEM 3200 (1/06) - dann aber wirklich völlig mühelos Rocky-Mountains-artige, weiträumige, in den Tiefen und Höhen schier grenzenlose Klanglandschaften aus. Bei alledem wahrte die KX-R eine ihr eigene Contenance; es schien, als wolle sie sich von allzu viel Gezwirbel nicht aus der Ruhe bringen lassen.

So bemühte sich die Referenzvorstufe Thorens TEP 3800 (5/08), etwa einer Vienna Deng da noch ein Häuchlein und da noch ein Lippenbeben mehr an Stimmreichtum abzuringen, wo die Ayre - während sie Akteure und Instrumente mit einem gleichmäßigeren hellen Licht umgab - ebenmäßiger, ruhiger und gelassener blieb.

Bis dahin noch eine Frage des Geschmacks, wusste sich die Thorens spätestens bei fetzigem Jazz gegen die schöne Amerikanerin zu wehren. Indem sie in vollendeter Treffsicherheit Bässe mit Drive und Klavierläufe mit Verve versah, verteidigte die TEP 3200 dann doch ihre Referenz-Vorherrschaft.

Ayre KX-R

Ayre KX-R
Hersteller Ayre
Preis 19800.00 €
Wertung 59.0 Punkte
Testverfahren 1.0

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