Testbericht

Phono-Vorverstärker Ayre P-5 XE

8.2.2011 von Bernhard Rietschel

"Evolution" steht seit einiger Zeit hinter der Typenbezeichnung der AyreP-5 XE (2800 Euro), Hinweis auf einen langwierigen Reifeprozess - den man hören kann.

ca. 2:10 Min
Testbericht
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  1. Phono-Vorverstärker Ayre P-5 XE
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Phono-Vorverstärker Ayre P-5 XE
Phono-Vorverstärker Ayre P-5 XE
© Julian Bauer
Phono-Vorverstärker Ayre P-5 XE
Milder Filter: Der Ayre Conditioner vor dem Trafo ist eine Spule aus dessen verlängerter Primärwicklung.
© Archiv

Käme der P-5 XE nicht von Ayre, sondern von so ziemlich jedem anderen Hersteller, hätte sich der Tester wohl schon vor dem ersten Hören gefragt, ob es nicht ein etwas größerer Trafo hätte sein können. Ein trainierter High-End-Reflex ist das, den schlaue Produktdesigner längst gezielt nutzen. Oft sogar gezielter als die klanglichen Meriten, die ein dickes Netzteil unter Umständen (aber eben nicht unter allen Umständen) haben kann.

Schönheit statt Protz

Bei Ayre-Entwickler und -Gründer Charles Hansen kann man jedenfalls davon ausgehen, dass er den Umspanner nicht aus Sparsamkeit eher kompakt dimensioniert hat (zumal der in den USA bei Mercury Magnetics auf besonders feine Kernbleche gewickelte Trafo ein Mehrfaches dessen kostet, was für respektable Ringkerne fällig wäre), um sich alsdann ohne nagende Hintergedanken an der bezaubernd elegant gebauten Hauptplatine zu ergötzen.

Phono-Vorverstärker Ayre P-5 XE
Symmetrie: Die genau mittig sitzende Netzbuchse ist nicht immer praktisch - schon weil der Schukostecker so den Zugang zur darunter liegenden Erdklemme erschwert.
© Archiv

Das Board trägt sämtliche Netzteil- und Verstärkerfunktionen in schönster Symmetrie, elektrisch wie topologisch, mit perfekt entflochtenen, kunstvoll geschwungenen Leiterbahnen auf der einen und einer durchgehenden Masseebene auf der anderen Seite. 28 Feldeffekt-Transistoren pro Kanal umfasst die Verstärker- und Entzerrerschaltung: eingangs als selektierte Quartette aus Einzel-Halbleitern, dann in Doppeltransistor-Kombipackungen, nie jedoch höher integriert und erst recht nicht durch Gegenkopplung kontrolliert - sieht man einmal davon ab, einen zentralen, zur Festlegung des Verstärkungsfaktors genutzten Widerstand bereits als "Gegenkopplung" zu bezeichnen. Nicht mal Spannungsregler setzt Hansen in seinem Verstärker ein - stattdessen generieren LED-Ketten mit nachgeschalteten Leistungstransistoren die Versorgungsspannungen ohne Regelvorgänge.

Unabhängig vom Anschluss - Cinch wie XLR - behandelt der Ayre Tonabnehmer als symmetrische Signalquellen. Eine Impedanzanpassung an MM- und MC-Systeme erfolgt grob durch zwei Schalter am Heck, die Feinarbeit klassisch über Parallelwiderstände, die an den jeweils ungenutzten Eingangsbuchsen gesteckt werden können - der Vertrieb liefert einen Satz nach Wunsch konfektionierter Anpassungs-Stecker mit.

Phono-Vorverstärker Ayre P-5 XE
Kalligrafie: Bei Ayre layoutet erkennbar kein Computer, sondern der Chef persönlich die Leiterbahnen - immer nur so dick wie nötig, kreuzungsfrei und anmutig geschwungen, auf teurem "G200" der schweizer Firma Isola.
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Unendliche Feinheit

Wer eine duftig-feine Hochtonauflösung zu schätzen weiß (wer tut das nicht?), den beamte der Ayre schon zusammen mit dem MI-System von Sound Smith direkt ins HiFi-Paradies: Die notorisch schwer wiederzugebenden Soloalben von Daniel Lanois, etwa "Shine" aus dem Jahr 2003, wirkten zugänglicher als je zuvor, chronisch heikle S-Laute schienen jetzt wie geschmiert ins Ohr zu gleiten.

Daran war, wie ein Quercheck zum Linn ergab, nicht nur die sehr gute Abtastung auf Plattenspieler-Seite schuld, sondern in entscheidendem Maß auch der Phono-Preamp: Der Ayre konnte S-, Sch- und F-Laute unendlich fein differenzieren, ohne ein nebenher ausschwingendes Becken auch nur für eine Millisekunde außer Acht zu lassen. Er konnte komplexeste Stücke offenlegen, ohne sie zu zerfasern, aber den Hörer auch durch das Wimmern einer einzigen Pedal Steel in ein Paralleluniversum aus unerhörten Klangfarben saugen.

Phono-Vorverstärker Ayre P-5 XE
Ayre P-5 XE Breitbandig, linealgerade: Besser kann ein Phono-Frequenzgang nicht aussehen.
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Dass sich der Ayre nicht noch deutlicher vom Linn Uphorik distanzieren konnte, lag an dessen noch vollmundiger und schwungvoller wirkender Behandlung vor allem leiser MC-Systeme. Hier konnte der Ayre bei aller edlen Feinheit etwas distanzierter wirken. Letztlich muss man sich Phonostufen auf diesem Niveau aber selbst anhören: Der ungebremste Flow des Ayre, seine wundersam präsente Farbenpracht lassen jeden Beschreibungsversuch blass wirken.

Ayre P 5 xe

Ayre P 5 xe
Hersteller Ayre
Preis 2800.00 €
Wertung 120.0 Punkte
Testverfahren 1.0

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