Kamera-Smartphone der Superlative

Xiaomi Mi Note 10 im Test

Mit dem Mi Note 10 stößt Xiaomi in die Lücke vor, die ein geschwächtes Huawei hinterlässt. Das Smartphone mit 108-Megapixel-Kamera macht klar, dass der Newcomer aus China das Zeug dazu hat, auf den Gipfel zu kommen.

© connect

Vorder- und Rückseite bestehen aus Gorilla Glass 5, drei Farben stehen zur Auswahl: „Glacier White“, Midnight Black“ und „Aurora Green“.

Pro

  • Design und Verarbeitung top
  • gebogenes OLED mit sehr guter Darstellungsqualität
  • herausragendes Kamerasystem mit Makro, Fünffach-Zoom und 108 Megapixeln
  • moderne und vielseitige Benutzeroberfläche
  • Fingerabdrucksensor im Display
  • Preis-Leistungs-Verhältnis spitze
  • phänomenale Akkulaufzeit
  • gute Funkeigenschaften und Akustik

Contra

  • kein drahtloses Aufladen
  • dicker und schwerer als der Durchschnitt

Fazit

connect-Urteil: gut (414 von 500 Punkten)
82,8%

Mit dem Mi Note 10 schaltet der chinesische Hersteller Xiaomi bei seiner Expansionstour auf den deutschen Markt einen Gang höher. Das Smartphone wird an zahlreichen Orten großflächig beworben und nicht nur über Amazon und die MediaMarkt/Saturn-Gruppe verkauft, sondern auch über die Shops von o2 und der Deutschen Telekom. 

Das Listing bei den Netzbetreibern ist ein klares Zeichen dafür, dass Xiaomi hohe Produktqualität bietet. Deutlich wird damit auch, dass die Chinesen gekommen sind, um zu bleiben, also langfristige und ambitionierte Ziele in Deutschland verfolgen. 

Erinnerungen an ein anderes chinesiches Unternehmen werden wach, das hierzulande ebenfalls einmal klein angefangen hat und sich in wenigen Jahren bis an die Spitze vorgekämpft hat. 

Dass man Xiaomi unwillkürlich mit Huawei verbindet, ist aber auch dem Design des Mi Note 10 geschuldet: Mit der gebogenen Vorder- und Rückseite und dem edlen Aluminiumrahmen, der oben und unten plan geschliffen wurde, sieht es dem P30 Pro zum Verwechseln ähnlich. Beide Phones kann man nur anhand der rückseitigen Optiken auseinanderhalten. 

Auf den zweiten Blick und nach dem Erstkontakt wird jedoch klar, dass das Xiaomi viel massiver in der Hand liegt, es ist mit 10 Millimetern spürbar dicker und obendrein 20 Gramm schwerer – nach ein paar Minuten Benutzung macht sich das hohe Gewicht unangenehm bemerkbar. 

Hinzu kommt, dass der Kamerastreifen auf der Rückseite mit mehr als anderthalb Millimetern viel weiter heraussteht als bei anderen Smartphones. Das Smartphone kippelt also, wenn es aufliegt, und selbst wenn man die Silikonschutzhülle anlegt, die dankenswerterweise mitgeliefert wird, lugt die Kamera noch etwas heraus. 

© Screenshot & Montage: connect

(links) Einzigartig: Die Ränder des OLED pulsieren bei eingehenden Nachrichten in dezentem Rhythmus. (rechts) Eines der Highlights sind die umfangreichen Anpassungsmöglichkeiten für das Always-on-Display.

Das Mi Note 10 gehört eindeutig zu den dicksten und schwersten Smartphones auf dem Markt, das sollten Interessenten vor dem Kauf berücksichtigen. Eine Erwähnung verdient auch die starke Anfälligkeit der Rückseite für Fingerabdrücke: 

Seine glänzende Oberfläche aus Gorilla Glass 5 ist schnell mit Abdrücken übersät, ein Schicksal, das sich das wuchtige Smartphone freilich mit vielen Modellen teilt. Die Verarbeitung ist dagegen ohne Fehl und Tadel, einzig eine IP-Zertifizierung haben wir vermisst – die darf man in dieser Preisregion durchaus erwarten.

Brillantes Display, gutes SoC 

Das gebogene Display mit der „Wassertropfen“-Notch muss sich nicht verstecken, im Gegenteil: Xiaomi baut ein OLED auf Topniveau ein, das manchen Highender der 1000-Euro-Klasse überflügelt. Wie es sich für ein Top-Smartphone gehört, ist der Fingerabdrucksensor direkt im Display integriert, die Erkennungsrate ist dicht bei 100 Prozent. 

Auch die Gesichtserkennung funktioniert sehr gut. Da es sich um eine zweidimensionale Abtastung über die Selfiekamera handelt, ist das Sicherheitsniveau allerdings nicht so hoch wie beim iPhone X oder beim Pixel 4. 

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Unter dem Display werkelt Qualcomms neues SoC Snapdragon 730G, das –wie der Name bereits andeutet – unterhalb der 800er-Serie (mit dem 855 an der Spitze) angesiedelt ist. Qualcomm hat die 700er-Serie erst Anfang 2018 aus der Taufe gehoben und will den Smartphone -Herstellern damit eine neue Ausrüstmöglichkeit für die gehobene Mittelklasse an bieten. 

Das SoC unterstützt weder schnellen UFS-3.0-Speicher noch hochauflösende 4K-Displays, zudem fehlt eine 5G-Option. In Benchmarks werden Werte auf dem Niveau des 845 erreicht, also dem Topprozessor 2018. Das reicht locker für eine flüssige und ruckelfreie Bedienung und auch für anspruchsvolle 3D-Spiele. 

Die Grenzen der Performance machen sich aber bemerkbar, wenn man Fotos mit 108 Megapixeln knipst: Dann benötigt das Smartphone etwa 5 Sekunden, bis das Bild verarbeitet ist und angeschaut werden kann. Davon abgesehen, ist das SoC im Smartphone-Alltag aber völlig ausreichend, zumal Xiaomi den Arbeitsspeicher mit 6 GB üppig dimensioniert. 

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Es ist aber wahrscheinlich, dass bei längerer und intensiver Nutzung Unterschiede zu Highend-Prozessoren wie dem Snapdragon 855 oder dem Kirin 980 sichtbar werden. Dann dürfte das Mi Note 10 nicht mehr so fix reagieren wie ein Pixel 4 mit Snapdragon 855. 

Diese leistungsstarken SoCs können zudem mehr aus dem 108-Megapixel-Sensor herausholen, und zwar nicht nur in Form von höherer Geschwindigkeit bei der Bildsignalverarbeitung, sondern auch in Form von höherer Bildqualität. Noch ist das nur eine These, weil entsprechende Modelle fehlen. 

Das Jahr 2020 wird aber die praktische Bestätigung bringen, denn klar ist ja, dass wir demnächst eine ganze Reihe von Highend-Phones mit Sensoren jenseits der 100 Megapixel sehen werden. Die hohe Auflösung wird im neuen Jahr einer der bestimmenden Trends in der Smartphone- Fotografie werden.

© connect

In der Kameravorschau kann man den Modus "108 Megapixel" ansteuern, um den Sensor voll auszureizen. RAW gelingt nur im Pro-Modus.

Xiaomi Mi Note 10 - technische Daten

  • Kamerasystem: Ultra-Weitwinkel mit 20 MP, OIS und F2.2, Weitwinkel mit 108 MP auf 1/1.33 Zoll und F1.7, Tele-Brennweite (2fach) mit 12 MP und F2.0, Tele-Brennweite (5fach) mit 5 MP, OIS und F2.0, Makro-Optik mit 2 MP (2 cm bis 10 cm)
  • Selfie-Kamera mit 32 MP und F2.0
  • Display: gebogenes OLED mit 6,5 Zoll und 2340 x 1080 Pixel
  • SoC: Qualcomm Snapdragon 730G mit 2,2 GHz
  • Speicher: 128 GB ROM (UFS 2.1) / 6 GB RAM
  • Akku mit 5260 mAh und 30 Watt Schnellladegerät
  • Größe und Gewicht: 158 x 74 x 10 mm, 208 Gramm 
  • Extras: Fingerabdrucksensor im Display

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Feine Unterschiede

Der Mittelklasseprozessor und seine geschilderten Limitierungen deuten bereits an, wo Xiaomi den Rotstift angesetzt hat. Denn auch die Chinesen können nicht zaubern und müssen irgendwo sparen, um den Preis von 549 Euro zu realisieren. Die Unterschiede zu teuren Highendern wie dem Galaxy Note 10 oder dem Google Pixel 4 XL werden aber erst auf den zweiten Blick deutlich. 

Die fehlende IP-Zertifizierung und der langsamere Speicher wurden bereits genannt. Es fehlt zudem Stereosound samt erweiterten Klang einstellungen wie Dolby Atmos, die Ausgabe über den nach unten abstrahlenden Monolautsprecher muss reichen. Der ist nicht so raumfüllend wie ein Stereo-Phone, hat aber genügend Kraft für einen halbwegs vernünftigen Klang. 

Die Musik über Kopfhörer enttäuscht dagegen nicht, im Gegenteil: Die von uns gemessenen Werte sind sehr gut. Hinzu kommt eine Klinkenbuchse für Kopfhörer, was hier positiv erwähnt werden muss, weil das in dieser Preisklasse leider keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Das gilt auch für den IR-Sensor – das Mi Note 10 kann damit im Haushalt ein paar Fernbedienungen ersetzen.

© Hersteller

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Bombastische Akkulaufzeit 

Das hohe Gewicht und das wuchtige Gehäuse sind auch dem Akku geschuldet, denn Xiaomi baut eine der stärksten Energiezellen ein, die die Smartphone-Welt momentan kennt. 5260 mAh ist ein Wert, auf den man respektvoll schaut. Zum Vergleich: Samsungs Galaxy Note 10+, eben falls ein XXL-Modell, kommt mit 4300 mAh und erreicht eine solide Laufzeit von 9:40 Stunden. 

Aber das Mi Note 10 stellt nicht nur dieses Smartphone in den Schatten, sondern rennt allen anderen weit davon: 13:56 Stunden im connect-Laufzeittest bedeuten, dass man bei moderater Nutzung auch mal drei Tage ohne Steckdose über die Runden kommt. Das ist ein phänomenaler Wert, der nur vom Asus Zenfone 6 (14:16 Stunden) übertroffen wird. 

Nachladen nimmt nicht viel Zeit in Anspruch, weil ein 30-Watt-Netzteil zum Lieferumfang gehört, das den Akku in anderthalb Stunden wieder vollständig auflädt. Im Karton liegt neben der bereits erwähnten Schutzhülle aus Kunststoff nur noch ein USB-Kabel, Kopfhörer fehlen leider. 

Mit Blick auf den Akku haben wir außerdem Qi vermisst, das Mi Note 10 kann also nicht drahtlos geladen werden. Gute Nachrichten kommen dagegen aus unsrem Testlabor: Die Funkeigenschaften sind in allen Netzen gut, und auch die Sprachqualität bewegt sich auf einem guten Niveau.

© WEKA Media Publishing GmbH

Testsiegel connect gut

Fazit

Xiaomi bleibt seinem Image treu und bringt mit dem Mi Note 10 ein Highend-Smartphone zu einem unschlagbaren Preis auf den Markt. Der Produktschwerpunkt ist klug gewählt, mit der herausragenden Laufzeit und der vielseitigen Kamera kann das Smartphone sogar die Highender von Samsung und Huawei überflügeln. 

Kritikpunkte wie der Mittelklasseprozessor und fehlendes drahtloses Aufladen verblassen dahinter. Das gilt allerdings nicht für die Größe und das Gewicht. Für mich wäre das Smartphone zu dick und zu schwer. Das Mi Note 10 macht aber klar, dass von Xiaomi 2020 so einiges erwartet werden kann.

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