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Firmenporträt

ZTE: Die Nummer 5 im Porträt

ZTE-Building
ZTE will mit Netzwerktechnik und mit Smartphones den europäischen Markt erobern und steht weltweit schon auf Platz 5. Wir stellen den chinesischen Hersteller vor.

Zwei Prozent jährliches Wachstum gelten in Deutschland schon als Grund zum Feiern. Welch ein Unterschied zu China, das während der letzten zehn Jahre eine durchschnittliche Steigerung des Bruttoinlands­produktes von über zehn Prozent pro Jahr er­reichen konnte. Anders ausgedrückt: Während sich die Wirtschaftskraft in Deutschland alle 20 Jahre verdoppelt, braucht China für ein Plus von 100 Prozent weniger als siebeneinhalb Jahre.

Ein gutes Beispiel für diese rasante Entwicklung ist Shenzhen: Im Jahre 1979 lebten im heutigen Stadtgebiet gerade mal 30 000 Menschen; selbst das beschauliche Studentenstädtchen Marburg hat mehr als doppelt so viele Einwohner. Hatte, denn innerhalb einer Generation ist die Bevölkerung von Shenzhen auf heute rund zwölf Millionen Einwohner angewachsen. Das Stadtbild ist geprägt von modernsten Hochhäusern, die an Ame­rikas Großstädte erinnern.

In dieser Boomtown startete auch der Aufstieg von ZTE. Das 1985 als Zhongxing Semiconductor gegründete Unternehmen stellte im ersten Jahr noch elektronische Produkte wie Uhren her. Doch schon im darauffolgenden Jahr bildete sich ein achtköpfiges Entwicklerteam, das eine Telefon­anlage für Firmen baute. 1987 folgte eine programmgesteuerte Vermittlungsstelle, mit der die Ausrichtung auf die Telekommunikations­industrie feststand.

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Etwa um die gleiche Zeit stieg die Firma auch in die damals außerhalb Chinas aufkommende digitale Vermittlungstechnik ein und schuf mit dem ZX500 das erste rein chinesische Produkt für diesen neuen Markt. Weiterentwicklungen des ZX500 und eine starke Nachfrage nach Tele­fonie auch im ländlichen Raum sorgten für schwunghaftes Wachstum, gleichzeitig stieg auch der Bedarf an Innovationen.

Investition in Produktion und Innovation

Um das damit einhergehende Wachstum zu finanzieren, ging ZTE 1997 in Shenzhen an die Börse. Das dort gesammelte Geld investierte die Company in Entwicklungen in den Sparten Glas­fasernetze, mobile Kommunikation und Datenkommunikation. In Folge zeigte auch die Expansion in ausländischen Märkten Erfolge.

So konnte ZTE Anfang 2003 mit 610 Millionen US-Dollar eine 100-prozentige Steigerung der Auslandsumsätze gegenüber dem Vorjahr ausweisen – nach europäischen Maßstäben grenzt das an Wunder. Seit Ende 2004 wird das Unternehmen auch an der Börse in Hongkong gehandelt.

Steiles Wachstum: Die weltweiten Betriebserträge von ZTE in Milliarden US-Dollar.
Steiles Wachstum: Die weltweiten Betriebserträge von ZTE in Milliarden US-Dollar. ©

Dass China und damit chinesische Firmen so erfolgreich sein können, liegt zum einen an dem enormen Ehrgeiz, aber auch daran, dass ein erheblicher Teil der Wirtschaftsleistung in Infrastruktur und neue Produktionsstätten investiert wird, staatlicher und privater Konsum spielen eine geringere Rolle als in der westlichen Welt.

Das zeigt etwa das chinesische Eisenbahnnetz: Auf etlichen Magistralen können Züge praktisch durchgehend mit einer Geschwindigkeit von 300 bis 350 km/h fahren, wobei die Lauf­ruhe beispiellos ist. Wer nach diesem Genuss wieder in deutschen ICEs beim halben Tempo durchgeschüttelt wird, fragt sich, ob wir den Anschluss verlieren.

Das Wachstum von ZTE sprengt jedenfalls jeden Maßstab: Zwischen 2006 und 2011 stiegen die Erträge im Schnitt um über 30 Prozent jährlich, der im Ausland erwirtschaftete Anteil wuchs sogar noch etwas stärker. Dabei standen nach dem Inland zunächst Asien und Afrika im Fokus der Chinesen, doch der Anteil von Amerika und Europa am Geschäft wächst.

Schwierige Zeiten

Dennoch muss ZTE für das Jahr 2012 wohl erstmals seit dem Börsengang Verluste von geschätzten 246 Millionen Euro hinnehmen, wie vorläufige Zahlen ergeben. In einigen Bereichen wurden Verträge nicht erneuert, in anderen gab es Verzögerungen. Ob hierbei auch jüngst aufgekommene Spionageverdächtigungen aus den USA eine Rolle gespielt haben, ist unklar.

Manche sehen protektionistische Motive hinter den wenig belegten und auch gegen Huawei vorgebrachten Vermutungen. Auch die Europäische Union hat jüngst wegen niedriger Preise ein Auge auf die beiden Netzwerkausrüster aus China geworfen.  

Erfolgshunger als Wettbewerbsvorteil

Günstige Angebote erfreuen natürlich die Netzbetreiber im deutschsprachigen Raum, die auf breiter Basis mit ZTE zusammenarbeiten. Doch es gibt auch andere Gründe, mit ZTE zu kooperieren. Der chinesische Telekommunikationsanbieter ist weltweit die Nummer drei oder vier und somit in der Lage, auch große Projekte prob­lemlos zu stemmen, wie Matthias Baldermann, Chief Technology Officer des österreichischen Netzanbieters Drei anerkennt.

Breite Basis: Etwa zehn Prozent der Erträge reinvestiert ZTE laut eigenen Angaben in seine 15 Entwicklungszentren.
Breite Basis: Etwa zehn Prozent der Erträge reinvestiert ZTE laut eigenen Angaben in seine 15 Entwicklungszentren. ©

Auf den Ehrgeiz von ZTE, die eigene technische Kompetenz zu demonstrieren, setzt auch E-Plus beim Um- und Ausbau seines Datennetzes: „Sie wollen uns nicht nur Technik verkaufen, sondern kümmern sich auch darum, dass diese vor Ort optimal läuft. Damit können sie anderen Netzbetreibern in Europa beweisen, was sie können“, so Andreas Pfisterer, CTO von E-Plus gegenüber connect.

Mit dem Netzbetreiber aus Österreich ist dieser Beweis bereits gelungen: Zwei Mal in Folge konnte Drei seit der weitgehenden Umrüstung auf ZTE-Technik bereits den connect-Netztest gewinnen. 

Um an die Spitze vorzustoßen, setzt ZTE nach eigenen Angaben auf 50 000 in Forschung und Entwicklung beschäftigte Mitarbeiter, verteilt sind diese auf 18 Research-and-Development-Center weltweit, wobei sieben außerhalb Chinas liegen.

Die starke Fokussierung auf Forschung kann dem Unternehmen auch beim kommenden Ausbau der LTE-Netze in die Hände spielen: Laut dem Europäischen Institut für Telekommunikationsnormen (ETSI) hält der Infrastruktur­anbieter acht Prozent der essenziellen LTE-Patente und spielt damit in der Topliga.

Insgesamt lag ZTE laut WIPO (Weltorganisation für geistiges Eigentum) schon zum zweiten Mal in Folge auf Platz 1 bei den Neuanmeldungen von Patenten. Das kreative Potenzial der Firma, die sich selbst gerne als „Engineering Company“ bezeichnet, sollte man also nicht unterschätzen.

LTE-Entwicklung: Das Patent-Portfolio ist entscheidend für die Stellung eines Unternehmens im internationalen Wettbewerb – ZTE spielt in der Topliga.
LTE-Entwicklung: Das Patent-Portfolio ist entscheidend für die Stellung eines Unternehmens im internationalen Wettbewerb – ZTE spielt in der Topliga. ©

Ehrgeizige Ziele bei Smartphones

Das gilt auch für die Ambitionen, die ZTE auf dem Smartphone-Sektor an den Tag legt. Es ist noch gar nicht so lange her, dass der Hersteller seine zuvor in Deutschland nur mit Netzbetreiber-Branding verkauften Mobiltelefone auch unter eigenem Namen anbietet.

Zwar belegt ZTE laut den Marktforschern von IDC nur Platz fünf in der von Samsung und Apple angeführten Liste der Mobiltelefonhersteller, doch erstmals gelang es, mehr Smartphones als Featurephones abzusetzen. ZTE entwickelt sich also vom Anbieter preiswerter Handys in Richtung hochwertiger Smartphones.

Die folgende Galerie zeigt die wichtigsten Smartphones von ZTE.

ZTE Grand Memo

ZTE Grand Memo:

Mit den aktuellen Ankündigungen zeigt ZTE, dass man sich nicht mehr nur auf Einsteigergeräte konzentriert. Auf dem MWC hat ZTE ein 5,7-Zoll-Smartphone mit 13-Megapixel-Kamera und origineller Android-Oberfläche gezeigt. Das Riesenhandy soll laut ZTE mit dem neuesten Qualcomm-Prozessor Snapdragon 800 arbeiten. Der Marktstart könnte Mitte des Jahres erfolgen, ein Preis ist noch nicht bekannt.

ZTE Grand Memo im ersten Test

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Das zeigt auch die Bandbreite, die ZTE in Sachen High-End-Smartphone-Prozessoren zu bieten hat. Mit Nvidia ist die Zusammenarbeit bezüglich des kürzlich vorgestellten Tegra-4-Quadcore genauso angekündigt wie mit Intel bezüglich des ersten Dual-Core-Smartphone-Prozessors Z2580. Und selbst der kommende Qualcomm-Snapdragon-800-Chip ist bereits für das ZTE Grand Memo mit 5,7-Zoll-Bildschirm in der Pipeline.

Snapdragon, Tegra, Exynos: Neue CPU-Generation

Derart gerüstet, geht ZTE denn auch mit stolz erhobenem Haupt zum Angriff über: Der Umsatz soll 2013 um 30 Prozent steigen. „Bis 2015 (soll ZTE, Anmerk. d. Red.) zu einem der größten Handyhersteller aufsteigen“, gibt He Shiyou, Executive Vice President und Leiter der erst 2003 gegründeten Mobile Device Division, die Marschrichtung vor. Auf die leichte Schulter sollte diese Verlautbarung kein Konkurrent nehmen.

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