Smartphone-Sicherheit für Kinder

Kinderschutz-Apps für Android im Test

Für viele Kinder gehören Smartphones bereits zum Alltag. Spezielle Apps helfen den Eltern dabei, ihren Nachwuchs vor Gefahren zu schützen. Was die Kinderschutz-Apps können, hat das AV-TEST Institut im Detail analysiert.

Kind mit Smartphone

© welcomia - shutterstock.com

Smartphones gehören zum Alltag von Kindern. Mit welchen Kinderschutz-Apps sind sie sicher im Netz unterwegs?

Das Tor zur Welt in der Hand eines Siebenjährigen. So einfach könnte man ein Smartphone mit Internet-Zugang beschreiben. Das birgt natürlich Gefahren: So kann der Nachwuchs in den Weiten des Webs leicht auf Abwege gelangen, zudem können durch das Tor auch andere hereinkommen. An dieser Stelle kommen spezielle Kinderschutz-Apps ins Spiel: Sie geben den Kids die passenden Wege im Netz vor und bewachen gleichzeitig den Eingang, um allem, was auf dem Gerät nichts zu suchen hat, den Zugriff zu verweigern.

Da die meisten Smartphones mit Android arbeiten, tummelt sich auf dem Markt ein umfangreiches Angebot an Kinderschutz-Lösungen für Googles mobile Plattform – teils als Bestandteil umfassender Security-Apps, teils als separate Apps, die sich ausschließlich um den Kinderschutz kümmern. Die Hauptaufgabe dieser Apps liegt in der Sortierung und dem Blockieren von Webseiten und -inhalten – abhängig vom Alter des Kindes und weiteren Parametern.

Das auf IT-Sicherheit und Antivirenforschung spezialisierte AV-TEST Institut hat zwölf solcher Lösungen für Android (vier Security-Pakete und acht reine Kinderschutz-programme) ausführlich in seinen Labors untersucht. Im Mittelpunkt standen dabei der Funktionsumfang sowie die Filter- und Erkennungsleistung bei Webinhalten. Grundlage des Tests war ein fiktiver siebenjähriger Nutzer namens Timmy und ein entsprechendes Profil in den jeweiligen Apps. Unterm Strich machten fast alle Programme einen guten Job. Die größten Unterschiede gibt es in Sachen Ausstattung und Funktionsumfang.

Kinderschutz-Apps im Vergleich

Kinderschutz Apps
Galerie
Android Apps

In der Bildergalerie stellen wir Apps vor, die Kinder beim Surfen mit dem Smartphone schützen sollen.

Erlauben oder verbieten?

Das Filtern der Inhalte erfolgt entweder per Whitelisting – das Kind kann dann nur vorab definierte „gute“ Webseiten ansurfen – oder anhand einer logischen Auswertung der Seiten nach Namen und Inhalten. Dazu bieten fast alle Apps Kategorien an, in denen sich der Zugriff noch weiter justieren lässt. Je nach Alter und Profil sind unterschiedliche Bereiche aktiviert, aufgerufene Seiten werden von der Software klassifiziert und gegebenenfalls blockiert.

AV-TEST hat die Technik und die Auswertungslogik der Programme geprüft. Dazu musste jede App über 6000 Webseiten aussortieren, die definitiv nicht für Kinder geeignet sind. Als Gegenprobe wurden 4500 kindgerechte Webseiten aufgerufen. Die Schwierigkeit liegt vor allem darin, das richtige Maß zu finden. Werden ständig zu viele Seiten ohne ersichtlichen Grund gesperrt, sind die Kinder genervt und versuchen, den Schutzmechanismus zu umgehen oder komplett loszuwerden – worin sie in der Regel sehr findig sind.

Im Ergebnis fällt auf, dass Apps wie Norton, Quick Heal und F-Secure, die in den Kategorien besonders gut blockieren, dafür bei der Gegenprobe zu viele kindgerechte Seiten abwehren. Umgekehrt sind die bei der Gegenprobe führenden Apps wie jene von Mobicip, Kiddoware und Salfeld etwas schwächer beim Filtern im Rahmen der Kategorien. Eine Ausnahme ist die App von Screen Time: Sie untersucht gar keine Webseiten, der Browser lässt sich nur komplett öffnen oder sperren.

Unterschiedlicher Funktionsumfang

Die Ausstattung der untersuchten Apps mit weiteren Funktionen ist recht unterschiedlich. Das beginnt mit dem Suchmaschinen-Schutz (Safe-Search), der automatisch eingeschaltet werden sollte, damit Google, Bing und Yahoo für Kinder ungeeignete Filme, Bilder oder Texte von vornherein in den Suchergebnissen ausblenden. Diese Funktion bringen nur F-Secure, Mobicip, Net Nanny und Norton mit.

Viele Eltern wollen zudem Sperrzeiten für Apps, den Internetzugang oder das Gerät selbst definieren. Diese Option ist ebenfalls keine Selbstverständlichkeit: Sieben von zwölf untersuchten Apps bieten nur eine der drei genannten Sperrfunktionen, die Salfeld-App immerhin zwei. Lediglich Kids Place, Screen Time und Norton erlauben die Gerätesperre auf Zeit. Und nur die App von Symantec lässt in der Sperrzeit auch Notrufe zu. Darüber hinaus können die Tools teilweise auch Apps sperren, Facebook überwachen und zeitgesteuert ein- oder ausgehende Gespräche blockieren.

Jedes zweite Kind ist im Netz.

© AV-Test

Jedes zweite Kind ist im Netz.

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Frag Finn, Kids Place & Co.

Jede zweite Kinderschutz-App bietet ein Webportal, das den Eltern die Verwaltung aus der Ferne erlaubt beziehungsweise alle aufgezeichneten Aktivitäten übersichtlich darstellt. Fünf Apps sind zudem in der Lage, Smartphones via Internet zu lokalisieren. Die vereinzelt angebotenen Report- oder Log-Funktionen spucken verschiedene Listen aus, die über besuchte und blockierte Webseiten, die Suchhistorie, blockierte Apps oder Übersichten aller Verstöße gegen die definierten Regeln informieren. Wie lange das Handy genutzt wurde, zeigt nur die App Screen Time an. Generell ist die Ausstattung der Apps mit Protokoll- und Berichtsfunktionen deutlich ausbaufähig.

Fazit

Mit einem Smartphone können Kinder ständig online sein. Das haben Eltern allein schon rein zeitlich nicht im Griff. Von daher sollte eine Kinderschutz-Software zumindest bei 6 bis 14 Jahre alten Youngsters selbstverständlich sein.

Die beste App oder einen Sieger gibt es nicht. Dafür sind die Ausstattungen der Programme und deren Philosophie beim Filtern, Erkennen und Berichten zu unterschiedlich. Zudem kommt es darauf an, über welche Eigenschaften das Programm in den Augen der Eltern verfügen muss.

Je jünger die Nutzer sind, desto automatisierter sollten Webseiten und Angebote blockiert werden. Denn 7- bis 10-Jährige lassen sich nicht so schnell von gesperrten Seiten frustrieren – sie surfen einfach weiter. Ältere Kinder sind durch zu viele blockierte Seiten schnell genervt und suchen nach Wegen, die Software auszuhebeln. Daher empfehlen die Tester bei Jugendlichen weniger Sperren, dafür aber gute Log- und Report-Funktionen.

Letztlich darf man eines nicht vergessen: Kinderschutz-Apps können die Eltern zwar effektiv unterstützen. Persönliche Gespräche zu den Möglichkeiten und Gefahren der Internetnutzung und die Entwicklung einer eigenständigen Medienkompetenz können und sollen sie aber keinesfalls ersetzen.

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