Plattenspieler

Music Hall mmf 9.1 im Test

Der Music Hall mmf 9.1 erweist sich im Test als Top-Plattenspieler, der sogar erfahrene Tester schnell staunen lässt.

Music mmf 9.1

© Music Hall

Music mmf 9.1

Music Hall mmf 9.1

Preis: 1700 EuroPreis/Leistung: ÜberragendKlang: Spitzenklasse (52 Punkte)Gesamturteil: Gut - Sehr Gut (75 Punkte)

Der Name Music Hall kommt nicht von ungefähr: Der Chef der 1985 gegründeten US-Firma heißt Roy Hall. Er hat sich die Herstellung bezahlbarer High-End-Komponenten auf die Fahnen geschrieben. Music-Hall-Elektronik wird in New York entworfen und in China gebaut, während die Plattenspieler in der Tschechischen Republik hergestellt werden. Und da gibt es in puncto erfahrener Fabrikant nur eine höchst überschaubare Auswahl. Deshalb ist es kein Geheimnis, dass der Music Hall mmf 9.1 beim Analog-Spezialisten Pro-Ject gefertigt wird. Und das als Komplettpaket ausgelieferte 18-Kilogramm-Laufwerk mit einem Pro-Ject-Tonarm kommt aus der Kiste: Es handelt sich um den Kohlefaserarm 9cc.

Alles vormontiert

Bei Music Hall ist eine bereits vormontierte Komplettausstattung selbstverständlich: Der Kunde soll es möglichst leicht haben. Hier auch mithilfe eines bereits eingebauten und so weit wie möglich vorjustierten Tonabnehmers von Goldring, einem Eroica LX Moving-Coil mit Gyger-II-Nadelschliff.

Bei Music Hall legt man großen Wert auf die Feststellung, dass die Plattenspieler des Hauses eigene Entwürfe sind. Dennoch picke man sich, so Roy Hall, gerne die "Zulieferer-Rosinen" heraus - in diesem Fall also auch den Motor mit "Speedbox"-Regelung sowie den Tonarm.

Music mmf 9.1

© Archiv

Das dreiteilige Chassis ist durch Sorbothane-Halbkugeln voneinander getrennt; nur die oberste "Lage" trägt das Tellerlager.

Das Prinzip des mmf 9.1 ist schnell erklärt: Entkopplung. Deshalb besteht das Chassis des Laufwerks aus drei durch dämpfende, flexible Sorbothane-Halbkugeln getrennten, lackierten MDF-Platten. Nur die oberste Lage dient als Plattform für das invertierte Tellerlager, während der frei stehende Motor nur noch via Antriebsriemen mit dem Plattenteller in Verbindung steht. Die Antriebseinheit verlässt sich auf eine elektronische Regelung und kommt mit einer stechend blauen Leuchtdiode daher. Eine kleine graue Abdeckkappe auf dem Pulley lässt man am besten weg: Sie verursacht Nebengeräusche.

Beim Music Hall besitzt der Acryl-Plattenteller keine Achse, sondern nur die Lagerbuchse; das nennt man ein invertiertes Lager, das hier mit einer Keramik-Lagerkugel arbeitet und extrem ruhig laufen soll. Verstellbare Spikes in einer Kombination mit einer im Chassis eingebauten Dosenlibelle dienen dazu, das Laufwerk gerade zu stellen. Die weiteren noch zu erledigenden Justagearbeiten bestehen in der Montage des Tonarm-Gegengewichts und der Auflagekraft-Einstellung plus Einhängen des an einem Faden aufgehängten Antiskating-Zuggewichts. Eine genaue Tonarmwaage ist dabei ein probates Hilfsmittel, weil die Skala des elastisch angekoppelten Gegengewichts nicht mehr als ein Schätzeisen darstellt.

Die Anleitung ist extrem ausführlich und sehr gut gemacht. Zu bemängeln ist dagegen die Filzmatte: Das dünne Ding liegt immer verwellt und verzogen auf und sieht unordentlich aus. Da gibt es bessere Lösungen.

Eine grandiose Vorstellung

Mit dem Goldring-Tonabnehmer, der sich bei 18 Millinewton wohl fühlt, und ohne die mitgelieferte Acrylhaube (sie ist empfindlich für Luftschall und dient besser nur als Staubschutz) liefert der mmf 9.1 eine Vorstellung ab, die sogar hartgesottenen Testern schnell staunen lässt.

Goldrings Eroica LX

© Archiv

Goldrings Eroica LX läuft mit 18 Millinewton Auflagekraft ganz hervorragend und auffällig verzerrungsfrei. Der 250-Euro-Moving-Coil- Tonabnehmer zählt mit Sicherheit zu den sträflich unterschätzten Exemplaren seiner Gattung.

Die Kombi spielt wieselflink, intensiv und so lebendig, dass man sich unwillkürlich immer fragt, ob die Drehzahl vielleicht zu hoch ist. Mitnichten, stellt sich heraus, vielmehr zählt der Music Hall zu den tendenziell schlank reproduzierenden, eher nach vorne präsentierenden, subjektiv extrem verzerrungsfreien und eindringlich emotional aufspielenden Analog- Maschinen. Er zieht dabei zwar keine siegerverdächtige Klangbühne auf, überzeugt aber durch innere Dynamik und farbige, intensive Tonalität.

Womöglich spielt der mmf 9.1 sogar - das ist keine echte Kritik - ein wenig mittenbetont, weil ihm letztlich doch das betonharte Tiefton-Fundament abgeht, zu dem Super-Laufwerke fähig sind. Doch dieser Vergleich ist unfair. Deshalb lautet unser Fazit: Für 1700 Euro bekommt man einen Top-Plattenspieler. Eine dicke Empfehlung!

Daten und Fakten

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