Kompaktbox

Canton Ergo 620 im Test

10.7.2019 von Malte Ruhnke und Stefan Schickedanz

Es gibt Boxen, die kommen, gehen und kommen als Retro-Objekt wieder. Andere sind gekommen, um zu bleiben. Wie Cantons Ergo – seit bald 40 Jahren erfolgreich –, die nie klanglichen Moden zum Opfer fiel. Weil sie zeitlos ist. Lesen Sie hierzu unseren Test.

ca. 2:10 Min
Testbericht
VG Wort Pixel
Canton Ergo 620 im Test
Klassische 2-Wege-Bestückung, klassisches Material: Alu ist das Mittel der Membranwahl.
© Josef Bleier
EUR 534,76
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Pro

  • greifbarer Raum
  • plastische Darstellung
  • warme Stimmen

Contra

  • etwas wenig Basstiefe

Fazit

stereoplay-Testurteil: 68 Punkte; Klang: Spitzenklasse (49 Punkte); Preis/Leistung: sehr gut


Gut

Wir schreiben das Jahr 1980. Nach dem goldenen Jahrzehnt der High Fidelity fragten sich alle: Wie geht es weiter? Analog oder digital? Kleinboxen oder XL-Schränke? Im beschaulichen Weilrod im Taunus, der ehemaligen Wiege der deutschen Boxenhersteller, versuchen die Macher hinter der noch jungen Marke Canton einen anderen Ansatz: 

modernste Lautsprechertechnik in einem zeitlosen Design, das eine Verbindung zwischen Holz, kühlem 1980er-Stil und zeitlosem Bauhaus eingeht. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten, und er hielt an: 

Die Erben der Ergo-Generation werden seit 1981 kontinuierlich produziert, und die Gewandung aus abgerundetem Echtholzgehäuse und der feinen Lochblechfront blieb bis heute bestehen.

Die Kleinste im Bunde, die Ergo 620, geht dabei zurück zu den Wurzeln und darf durchaus in der Tradition der Zwei-Wege-Monitore eingereiht werden, die in den 1980ern eine Rückbesinnung auf puristischen Klang gegen die Übermacht der Boxenschrank gewordenen Materialschlachten markierten, und überlebten so alle nachfolgenden Trends inklusive Heimkino-Sextette und Smart-HiFi.

Canton Ergo 620 im Test
Hessischer Filz: Die Schallwand ist leicht gebogen und zudem beflockt, das hilft gegen ungewollte Reflexionen und für eine stabile Abbildung.
© Josef Bleier

Modernste Chassistechnik - Canton Ergo 620

Alles Stereo, wie ehedem. Dabei steckt hinter dem Blech heute modernste Chassistechnik: Ein Konus der neuesten Generation, der in seinem 18-cm-Korb von einer mehrfach gefalteten Wavesicke in Führung gehalten wird, damit er auch bei größeren Auslenkungen nicht von selbiger in seinem Bewegungsdrang beschränkt wird. 

Dieser Konus wird bis 3000 Hz sehr breitbandig eingesetzt. Dass seine Aluminiummembran dabei eher weich reagiert, erweist sich zu hohen Frequenzen hin als Vorteil, werden so doch allzu abrupte Bündelungs- und Auslöschungseffekte verhindert. 

Beim Hochton griff Chefentwickler Frank Göbl ins Regal der Klassiker, eine Metallkalotte vom Standardmaß ein Zoll (25mm) wandelt als 3000 Hz. Zur Verringerung von Kantenreflexionen fokussiert eine leicht geformte Hornschale den Hochton auf Hörer und den Sweet-Spot. Eine leicht verrundete Filzschallwand soll weiter ungewollte Reflexionen unterdrücken und vom Hörer fernhalten.

Auf der Boxenrückseite könnte man fast vergessen, dass wir das Jahr 2019 schreiben. Hier hat sich die Ergo den Charme der frühen Cantons bewahrt, einzig die leichte Aufweitung des Reflexrohrs weist auf moderne Zutaten hin. Das Lochblech hat akustisch keinen Einfluss, schützt aber die empfindlichen Membranen bei wilden Partys.

Canton Ergo 620 im Test - Rückansicht
Zurück in die 1980er: Eingepasste Schallwand, verrundete Kanten. Alles wie früher, nur besser verarbeitet.
© Josef Bleier

Versuch´s mal mit Gemütlichkeit 

Dafür war die kompakte Ergo nun auch nicht die passende Box, obwohl sie bei Eagles „Hotel California“ mit guten Pegelreserven, wenn auch etwas wenig Basstiefe, einen zünftigen Einstand gab.

Klanglich fühlte man sich eher an klassische englische Monitore erinnert: greifbarer Raum, plastische Darstellung, warme Stimmen und eine insgesamt entspannte Darbietung machten die „unmögliche“ Reunion der Adler zu einem selten harmonischen Treffen. 

Steely Dans „Gaucho“ war vielleicht damals wilder, mit mehr Leidenschaft und Drive zu hören, aber dafür schälte die Canton die audiophilen Qualitäten dieser Musik heraus, projizierte sie sehr hoch und tief in den Raum und ließ die Tester – scheinbar allen Alltagsstresses entbunden – an die gute alte Zeit denken. Eine Genießerbox, deren Zeit nie vergeht.

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