Standbox neu aufgelegt

Canton Karat GS Edition im Test: Oldie but goldie

12.1.2023 von Andreas Günther

Die kennen wir doch. Canton gedenkt der 50 Jahre seit der Firmengründung und legt die Karat-Standbox neu auf. Auch eine Huldigung an den Firmenchef. Ein Flashback. Wir haben die Karat GS Edition getestet.

ca. 3:15 Min
Testbericht
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Canton Karat GS Edition im Test: Oldie but goldie
Canton Karat GS Edition im Test: Oldie but goldie
© Canton

Pro

  • Tolles, plastisches Klangbild
  • viel Drive und Musikalität

Contra

  • Braucht ordentlichen Antrieb, Watt muss sein

Fazit

Audio-Klangurteil: 95 Punkte; Preis/Leistung: überragend

Vor ziemlich genau 50 Jahren traf Günther Seitz eine wichtige Entscheidung: Er setzte sich von seinem bisherigen Arbeitgeber ab und gründete ein eigenes Unternehmen – Canton. Die Zentrale sollte im Taunus sein, nahe an Frankfurt, aber auch in der viel gescholtenen, viel geliebten Provinz. Der Taunussound ging um die Welt.

Heute ist Canton der größte Hersteller von Lautsprechern in Deutschland. Und die Company hat ein Meister-Ohr – Frank Göbl. Der Technische Leiter ist schon seit vielen Jahren eine wichtige Stütze im Unternehmen. Denn Meister Göbl kann sowohl Show als auch höchste audiophile Ehrlichkeit.

Canton Karat GS Edition im Test: Kabel
Canton nutzt das hauseigene Lautsprecher-Kabel auch für die internen Signalwege der Karat GS.
© Canton

Zwei Männer also – ein Entwickler in seinen besten Jahren und ein Meister der goldenen, alten Jahre, der gerade seinen 80. Geburtstag gefeiert hat – und eine neue „alte“ Box. In diesem Gedanken kommt nun die Karat GS Edition daher.

Die kennen wir doch. Die Karat war vor Jahren, Jahrzehnten der goldene Esel der Hessen. Nun eine Neuauflage mit dem Nachnamen „GS“. Was für den Firmengründer Günther Seitz steht. Eine Huldigung.

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Schon das Auspacken ist eine Freude. Ein Standlautsprecher, recht hoch, recht schwer – das erinnert an vergangene Zeiten. Frank Göbl hat natürlich alle Chassis erneuert, ebenso die Frequenzweiche.

Wir kennen die weiße Version, aber wir sagen auch klar: Das fesche Matt-Schwarz ist nicht zu übertreffen. Das müsste ein D’Appolito-Aufbau sein? Falsch. Das ist eine 3,5-Wege-Konstruktion. Im Zentrum stahlt uns der Hochtöner an. Das ist ein 25-Millimeter-Entwurf, eine Kalotte aus einem Mix aus Aluminium und Keramik.

Die beiden Mitteltöner verbinden Aluminium und Wolfram. Wieder ein Klassiker aus der hauseigenen Zauberkiste. Was wir frontal nicht sehen: Zur Innenseite wummert ein Basschassis, bei 25 Zentimetern.

Canton Karat GS Edition im Test: Anschlüsse
Canton gönnt sich und seinen Fans ein wuchtiges Bi-Wiring-Terminal.
© Canton

Messlabor

3,5-Wege-Standbox mit seitlichem 10-Zoll-Woofer und rückseitigem Bassreflex-Port. Der obere Tiefmitteltöner fällt ab 160 Hz sanft ab, der untere arbeitet zwischen 160 Hz und 2 kHz mit konstanter Intensität. In Summe ergibt sich ein ausgewogener, wellenarmer Frequenzgang mit minimalem Dip bei 500 Hz (-1 dB) und leichter Betonung der Höhen ab 6 kHz (auf Achse +2 dB).

Bei zu hoher Hörposition (grün, 10 Grad) leichte Anhebung der Mitten und Präsenzsenke (+2 dB zwischen 1 und 2 kHz; -3 dB bei 4 kHz). Breite horizontale Abstrahlung mit geringem Hochtonabfall (blau, 30 Grad). Die Bässe reichen mit 47 bzw. 41 Hz (-3/-6 dB) nicht sehr tief hinab, sind mit 105 dBSPL aber recht pegelfest, auch in den Mitten und Höhen verzerrungsarmes Spiel (siehe Klirrdiagramm).

Zum Ausloten des Maximalpegels fordert die Canton 200 W an 3 Ω. Mittlerer Leistungsbedarf für 90 dBSPL: 3 W an 6 Ω. Wirkungsgrad: 83 dBSPL (2 V, 1m). Minimal- und Nennimpedanz: 3 Ω bei 240 Hz/ 3 Ω. Max/Min-Impedanzdelta: 4.

Messlabor-Diagramm: Canton Karat GS Edition
Messlabor-Diagramm: Canton Karat GS Edition
© audio

Wie ist der Klang der Karat GS Edition von Canton?

Natürlich lässt Canton seine Muskeln spielen. Hier wird kräftig gefeiert – das kann man sehen und hören. Klang- und Musiktipp: „Jude“ von Julian Lennon. Erstaunlich, wie nah die Stimme des Sohnemanns an die des berühmten Vaters John herankommt. Das Genie der großen Kompositionen ist Julian Lennon nicht gegeben, aber das ist eines seiner besten Alben.

Toll der Mix, natürlich auch in 24 Bit zu haben. „Round And Round Again“ beginnt mit Meeresrauschen und Regenfall, dann zwei Gitarren hart links und rechts, die Singstimme in der Mitte. So mischte man schon in den seligen 60er Jahren ab. Dann die Explosion der Dynamik. All das bildete die Canton mit Wucht ab, aber dazu dieses entscheidende Quäntchen an Spielfreude.

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Wieder einmal dieser typische Canton- Klang – dynamisch, agil, schnell und dennoch nie angefettet. Der Bass ist nicht übergewaltig, sondern eher stramm, fast sportiv ausgelegt. Lieben Sie Brahms? Da gibt es eine Neueinspielung aller vier Symphonien. Adam Fischer dirigiert das Dänische Kammerorchester. Brahms ist in unserem Bild ja der bärtige Mann mit Bauchansatz.

Genau so wurden seine Symphonien über Jahrzehnte gespielt. Hier hingegen ist alles schlank, fast minimalistisch. Ein Fest der feinen Impulse, die die Canton genau gewichtet. Wunderbar die Eleganz im Poco Allegretto der Dritten, dann aber massiv die Wucht des finalen Satzes der Vierten. Das serviert die Karat aufreizend plastisch. Da kommen selbst Multikanalfans ins Grübeln, was mit nur zwei Lautsprechern an Holographie möglich ist.

Fazit

Ein Klassiker. Nein, mehr noch: Das ist der Archetyp eines Standlautsprechers. Toll verarbeitet und auf Tempo getrimmt. Sehr agil, fast sportiv im Klangbild. Ein wunderbarer Energieschub in Richtung Hörplatz. Zudem überrascht der Preis – sehr angenehm.

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