Standboxen

Canton A65 im Test

1.7.2022 von Andreas Günther

Ups – das hat selbst uns überrascht. Canton setzt in seiner Online-Serie ein neues Ausrufezeichen. Die neue A 65 ist ein Schwergewicht, hochanalytisch und ein echter Musikbringer. Fehler ausgeschlossen. Hier unser Test.

ca. 4:50 Min
Testbericht
VG Wort Pixel
Canton A65 im Test
Canton A65 im Test
© Canton

Pro

  • druckvoll
  • dynamisch
  • tolle Abbildung

Contra

Fazit

AUDIO-Klang-Urteil: 100 Punkte; Preis/Leistung: überragend

Wie sieht der potenzielle Käufer für einen Lautsprecher aus dem Taunus aus? Er ist zumeist männlich und verfügt in Corona-Zeiten über ein erstaunliches Finanzpolster. Kein Urlaub, aber deutliche Reserven auf dem Konto. Canton ist für diesen Kunden perfekt aufgestellt. Es gibt viele Lautsprecher für den Handel vor Ort.

Aber eben auch eine Serie, die nur im hauseigenen Online-Store erhältlich ist. Das Erkennungszeichen der Topserie ist ein „A“ vor dem Produktnamen. Hier ist die neue A 65, die es nur online gibt. Canton nennt es „Online Exclusiv“. Das Maximum war bislang die A 55 – eine mächtige Säule mit drei Bässen für 4800 Euro das Paar.

Nun kommt die A 65. Was selbst uns Insider überrascht. Wir hatten nicht mit einem neuen Superstar gerechnet. Wozu auch? Die A 55 spielte in der Luxusklasse. Mehr Luft nach oben käme einem kleinen Wunder gleich. Doch die A 65 setzt einen neuen Leuchtturm im Meer der Canton-Standboxen.

Canton A55

Standbox

Canton A 55 im Test

Es ist bekannt, dass Canton gute Lautsprecher baut. In der Königsklasse kommt die große A 55 und überflügelt die Konkurrenten reihenweise.

Das muss natürlich eine Konstruktion mit drei Wegen sein. Über 180 Hertz springt der Mitteltöner an, bei 3000 Hertz wird der Hochtöner bedient. Erstaunlich, dass Canton hier gleich drei Chassis für die tiefen Impulse abstellt. Das ist ein Trio aus Aluminium-Keramik-Wolfram-Membranen mit 22 Zentimetern im Durchmesser.

Die Mitten-Informationen werden einem Chassis mit 17 Zentimetern Durchmesser aus dem gleichen Material überlassen. In der Höhe schwingt ein Dom aus Aluminium-Oxyd-Keramik. Das kommt in der Summe einer Wand gleich.

Diese Kraft wuchtet Canton in der Firmengeschichte nur bei der Reference 2 K auf den Hörplatz. Und genau dieser Lautsprecher ist auch das Muttertier. Er ist maximal genetisch verwandt mit der A 65, aber mit 7400 Euro um einige Grade teurer. Womit wir bei den harten Fakten wären – die A 65 kostet im Paar 6000 Euro.

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Da zucken wir nicht, da flimmert noch nicht einmal unser linkes Auge. Denn wir stehen vor einem Lautsprecher mit 65 Kilogramm. Das ist die Wuchtbrumme im digitalen Warenhaus. Wir können sie bestellen und 30 Tage hören. Danach stehen wir vor einer Entscheidung – kaufen oder zurückgeben?

So tickt der Internethandel, und wir sind uns sicher: Fast hundert Prozent werden diesen Lautsprecher im heimischen Wohnzimmer behalten wollen. Das Finish ist edel, aber unaufgeregt. Wir sehen weit und breit keine Details, bei denen die Herren aus dem Taunus gespart hätten.

Trotzdem liegt der Preis der A 65 deutlich unter dem der Reference 2 K und unterbietet damit den Konkurrenten aus dem eigenen Haus. Aber, wie gesagt, es sind keine Abstriche sichtbar. Auch bei der A 65 gibt es ein vergoldetes Bi-Wiring- Terminal und höhenverstellbare Spikes. Und die Frontbespannung hält natürlich auch ohne böse Bohrlöcher, rein magnetisch.

Canton A65 im Test: Bi-Wiring-Terminal
Ein vergoldetes Bi-Wiring-Terminal ist bei der A 65 ebenfalls Pflicht. Wuchtig dazu die massive Bodenplatte.
© Canton / Montage: audio

Der Kopf hinter allem ist der Chefentwickler Frank Göbl. Der Mann kann nicht nur Schaltungen skizzieren und hauseigene Chassis entwerfen. Er versteht sich auch auf die Kunst des Hörens. Er liebt es druckvoll, aber ohne Show, mit starker Bodenhaftung, aber strikt linear.

Wie fällt die Hörprobe des Canton A65 aus?

Genau diese Erwartungshaltung haben wir, als wir die ersten Tracks zuspielen. Klangtipp: Die Decca hat sich an einen neuen Sibelius-Zyklus gewagt. Dabei hat man mit den Wiener Philharmonikern unter Lorin Maazel aus den 60er Jahren bereits eine Legende im Katalog. Doch diesmal geht es in den hohen Norden. Die Philharmoniker aus Oslo spielen auf, dirigiert von ihrem neuen Chef, dem ebenso jungen wie gefeierten Finnen Klaus Mäkelä.

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Ideal als Download oder Stream in 24 Bit. Da haben sich drei gefunden – der Dirigent schwelgt in Mystik und langen Phrasen, die Philharmoniker bauen jeden Akkord aus der Tiefe auf und die Decca legt seit Jahrzehnten das Fundament der tiefen Bässe aus. Das hat Wucht und Präzision.

Jeder Lautsprecher muss sich fragen lassen, ob er dieser Naturgewalt standhalten kann. Die Canton A 65 kann es. Wir stürzen uns ins Finale der fünften Symphonie und sind schon nach wenigen Takten berauscht. Wie eine Woge brechen die Streicher über uns herein.

Dabei fällt auf, dass Frank Göbl mal wieder ein glückliches Händchen bei der Wahl der Chassis hatte. Dieser Lautsprecher tönt perfekt abgestimmt, mit der höchsten Harmonie der Membranen untereinander. In den besten Momenten verschwindet dieser Lautsprecher – alles wirkt stimmig, organisch, wie ein großer Live-Moment im Konzertsaal.

Canton A65 im Test: Bassreflexöffnung
Die Bassreflexöffnung platziert Canton im Zentrum der Bodenplatte.
© Canton

Passgenau dazu die Staffelung der Instrumentengruppen und die feine Analyse der Räumlichkeit. In den besten Momenten hatte diese Performance das, was Sprachkünstler „holografisch“ nennen. Ein dreidimensionales Klangbild, zum Hineingreifen schön. So sehr wir Fans von Multikanal-Aufnahmen sind – hier zeigt sich das gute alte Stereo mit mächtiger Präsenz.

Nehmen wir einen Röhren-Amp oder lieber eine Transistor-Konstruktion? Klarer Tipp: Dieser Lautsprecher will Feuer haben. Er ist kein Problemkandidat, aber wir hören jedes Watt und jeden Schub – mehr ist besser. Was auch die perfekte Überleitung zu einem Rocksong wäre: „Start Me Up“ von den Rolling Stones.

Kennt jeder. Schon das kantige Gitarren-Riff des Einstiegs präsentiert die Canton wie einen Angriff auf den Solarplexus. Was für ein herrlicher Drive. Als ob es eine PA-Box vor der Bühne wäre – schmutzig, kantig, für das Überwältigende geschaffen. Doch bei aller Spielfreude verlässt die A 65 nicht den audiophilen Weg.

Alle Informationen sind da, für die Freunde des Rausches, wie für die Feingeister der Analyse. In diesem Sinne – einen derart ehrlichen wie musikantischen Lautsprecher habe ich lange nicht gehört. Er schlägt wie ein Sendbote in unsere Bestenliste ein.

Messlabor

Auf Achse ausgewogener Frequenzgang mit leichter Betonung der Bässe und Höhen (ca. 2 dB); bis auf eine schmalbandige Senke bei 500 Hz kaum Welligkeiten. 10 Grad oberhalb der Mittelachse (grün) interferieren Mittel- und Hochtöner – sichtbar am leichten Pegeleinbruch bei 3,5 kHz.

Die horizontale Abstrahlung ist unauffällig (blau, 30 Grad seitlich). Gleiches gilt für die Wasserfallmessung, in der uns einzig minimale Nachschwinger im Hochton auffallen (nicht abgebildet).

Canton A65 im Messlabor: Frequenzgang und Klirrverlauf
Canton A65 im Messlabor: Frequenzgang und Klirrverlauf
© audio

Mit 34/30 Hz unterer Grenzfrequenz (-3/-6 dB) ist die A 65 tiefbassstark. Die Verzerrungsmessung mit den unten verlaufenden Klirramplituden attestiert bis etwa 95 dBSPL ein klirrarmes Spiel:

Doch bei den Bässen, wo das Gehör unempfindlicher auf Verzerrungen reagiert, wird das Klirr- und Kompressionslimit erst bei satten 111 dBSPL erreicht – bis zu 800 W sind dafür vonnöten. Dank passablem Wirkungsgrad (83 dB/ 2V 1m) und 4 Ohm Nennimpedanz ist die Canton hinsichtlich des passenden Verstärkers dennoch unkritisch.

Fazit

Kann ich etwas falsch machen? Nö. Ganz naiv könnte man unserem Jubeltest vertrauen. Oder die A 65 gleich nach Hause bestellen. Gefällt sie nicht, geht sie kostenfrei wieder an Canton zurück. Was aber ein Fehler wäre. Dieser Lautsprecher trägt die besten Gene der Company, ein Zauberkünstler, ein überwältigender Gesamtentwurf. Jeder Euro ist fair angelegt.

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