5G Smartphone

Huawei Mate 20 X 5G im Test

Das erste 5G-Smartphone von Huawei ist rekordverdächtig groß und exzellent ausgestattet. Der Test offenbart aber eine Schwäche an ungewohnter Stelle.

Huawei Mate 20 X 5G im Test

© Huawei

Huawei Mate 20 X 5G im Test

Pro

  • elegantes Design, exzellente Verarbeitung
  • riesiges OLED mit 7,2 Zoll
  • schnelles SoC und viel Speicher
  • hervorragende Hauptkamera mit 3 Brennweiten
  • System mit vielen Extras und hoher Update-Frequenz
  • Dual-SIM
  • Schnellladen mit 40 Watt
  • Schutzhülle und Displayfolie im Lieferumfang

Contra

  • groß und schwer
  • IP68, Klinke und Qi fehlen
  • Funkeigenschaften befriedigend
  • Akkulaufzeit relativ kurz

Fazit

connect Testurteil: gut (401 von 500 Punkten)
80,2%

Groß, größer, Huawei: Mit seinem 7,2-Zoll-Display ist das Mate 20 X ein Rekordhalter, und die 5G-Version schließt nahtlos an. Aus den meisten Hosentaschen dürfte sie herausschauen, die 233 Gramm Gewicht sorgen zudem dafür, dass man sich beim Telefonieren eher kurz hält oder ein Headset benutzt. 

Die mitgelieferten Ohrstöpsel sind von der einfachen Sorte, andere Hersteller legen hochwertigeres Zubehör in den Lieferkarton. Es handelt sich um ein USB-C-Headset – warum das riesige Gehäuse keinen Platz mehr geboten hat, um eine Klinkenbuchse einzubauen, bleibt ein Rätsel, zumal das 20 X eine hat. 

Schade auch, dass eine IP68-Zertifizierung fehlt, in dieser Preisklasse gehört die einfach dazu. Die Verarbeitung ist aber Spitzenklasse, auch haptisch wird das volle Programm geboten: Die feinen, in die Glasrückseite gelaserten Streifen sorgen für Grip und verhindern zudem Fingerabdrücke.

In Deutschland ist das 5G-Modell ausschließlich in Grün erhältlich, eine für ein Smartphone eher ungewöhnliche Farbe. Das erhöht zweifellos den Wiedererkennungswert, trotzdem hätten wir uns mehr Auswahlmöglichkeiten gewünscht.

Huawei Mate 20 X 5G im Test - Rückseite

© Huawei

Die feinen, in die Glasrückseite gelaserten Streifen sorgen für Grip und verhindern zudem Fingerabdrücke.

Fast vollwertiger Tablet-Ersatz

Dass der Daumen nur die untere Hälfte des Displays erreicht, vergisst man schnell, wenn man im Internet surft, ein Spiel startet oder einen Film anschaut. Die Darstellung ist allein aufgrund der Größe bombastisch. 7,2 Zoll sind eine Hausnummer, an die praktisch kein anderes Smartphone heranreicht. 

Ein kritischer Blick zeigt allerdings, dass das OLED qualitativ nur im Mittelfeld spielt. Am Ende gewinnt aber die Größe, denn im Querformat ist man mit dem Mate 20 X 5G nicht mehr weit von einem iPad mini (7,9 Zoll) entfernt, was auch entsprechende Nutzungsszenarien ermöglicht: 

Auf der großflächigen Tastatur lassen sich auch längere Texte schreiben, die Arbeit mit zwei Programmen gleichzeitig in der geteilten Ansicht ist kein Krampf mehr. Wir empfehlen, noch 40 Euro für den M-Pen zu investieren, da die Stiftbedienung die Möglichkeiten des XXL-Smartphones noch einmal erweitert.

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Das Kamerasystem ist top

Die Kamera übernimmt das 20 X 5G unverändert vom Mate 20 Pro. Mit Ultra-Weitwinkel für Landschafts- und Architekturaufnahmen, Standard-Weitwinkel und dreifachem Zoom für Porträt- und Detailaufnahmen hat der Nutzer großen Spielraum bei der Wahl des richtigen Bildausschnitts. Dazu gesellen sich eine sehr gute Fotoqualität, auch bei schlechten Lichtverhältnissen, und eine enorme Einstellungstiefe.

In der gut strukturierten Kameravorschau kann man nicht nur das Profiformat RAW aktivieren, man kann auch die volle Auflösung des 40-Megapixel-Sensors ausreizen und die unterschiedlichsten Bild modi ausprobieren, sogar ein Makro-Modus für extreme Nahaufnahmen ist dabei. Die Zusammenarbeit von Leica und Huawei ist ein Gewinn für die Smartphone-Welt, das zeigt einmal mehr dieses 5G-Modell.

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Viel Leistung, hohes Tempo

Bei Videos und Spielen fällt der druckvolle Stereosound auf, der vom großen Resonanzkörper profitiert. Groß ist auch ein gutes Stichwort mit Blick auf die Speicherausstattung, denn mit 256 GB ist ordentlich Platz vorhanden. Den Speicher kann man noch ausbauen, allerdings nur mit Huaweis proprietärer Nano Memory Card (NM Card). 

Die Performance ist spitze, Huaweis SoC Kirin 980, der in der Mate-20- und in der P30-Serie den Takt vorgibt, ist auch Mitte 2019 noch eine gute Wahl. Der bewährte Chipsatz wird im Mate 20 X 5G erstmals mit dem Modem Balong 5000 kombiniert, das nicht nur 5G funkt, sondern abwärtskompatibel ist und den gesamten Mobilfunkverkehr von LTE bis GSM übernimmt. 

Im 4G-Betrieb werden Geschwindigkeiten bis 1,6 Gbps erreicht (CAT 19), im 5G-Netz zeigt der Tacho sogar bis zu 2,6 Gbps, mangels 5G-Netz zum Testzeitpunkt können wir allerdings keine konkreten Erfahrungswerte vorweisen. So oder so ist man mit dem Mate 20 X 5G ultraschnell unterwegs.

Der M-Pen macht das Phone zum Notizbuch

Auf dem großen Bildschirm knn man bequem schreiben, wenn der richtige Stift zur Hand ist. Der Huawei M-Pen ist separat für 40 euro erhältlich.

Mit 4096 Druckstufen sind feine Schraffuren möglich, das Schreibgefühl ist top. Die Eingaben erfolgen über Huaweis Memo-App, die automatisch startet, wenn man mit gedrückter Aktionstaste auf das Display tippt. Leider gibt es für den Stift keinen Einschub am Gerät, man kann den M-Pen also schnell verlieren. Nach ein paar Stunden Dauernutzung muss der Akku (via USB-C) nachgeladen werden.

Huawei Mate 20 X 5G im Test - M-Pen

© Huawei / Montage: connect

Die Memo-App ist die bevorzugte Anlaufstelle. Huawei hat den Stift nicht so tief im System verankert wie Samsung.

Patzer bei der Akkulaufzeit 

Das neue Modem und ein neues Antennendesign sind die wichtigsten Änderungen gegenüber dem „normalen“ Mate 20 X (hier unser Test), das bereits seit Anfang 2019 in Deutschland erhältlich ist.

Unsere Messungen im Testlab zeigen, dass die Ingenieure noch Raum für Optimierungen haben: Die Funkeigenschaften im LTE- und UMTS-Netz sind nur befriedigend, die Akkulaufzeit sinkt im Vergleich mit dem Schwestermodell deutlich, von 11:22 Stunden auf 7:40 Stunden. 

Das liegt daran, dass der Akku von 5000 mAh auf 4200 mAh verkleinert wurde, um Platz für die neuen Antennen zu schaffen. Das erklärt die kürzere Laufzeit aber nicht vollständig. Der zweite Teil der Begrün- dung kann daher nur lauten, dass der Balong 5000 mehr Energie verbraucht als das direkt im Kirin 980 integrierte 4G-Modem. 

Die kürze Laufzeit ist allerdings kein Beinbruch, durch den Tag kommt man mit dem Mate 20 X 5G durchaus noch. Beim Nachtanken wird keine Zeit verschwendet, mit dem mitgelieferten 40-Watt-Netzteil (!) zeigt der Akku bereits nach 30 Minuten wieder 70 Prozent Kapazität an. Enttäuschend ist dagegen der Verzicht auf den Drahtlos-Ladestandard Qi, der in dieser Preisklasse einfach dazugehört.

Testsiegel connect gut

© WEKA Media Publishing GmbH

Testsiegel connect gut

Fazit

Ein Display in dieser Größe ist ein Alleinstellungsmerkmal, auch das tolle Kamerasystem ist ein Argument für den Kauf. Dagegen spricht aber, dass das Mate 20 X 5G ausgerechnet an der Stelle schwächelt, die 5G-Smartphones eigentlich auszeichnet, wenn sie überwiegend im LTE- oder im UMTS-Netz unterwegs sind: bei der Akkulaufzeit. 

Auch die Funkeigenschaften machen deutlich, dass das Smartphone noch nicht ganz ausgereift ist. Wer auf 5G verzichten kann, dem emfehle ich das nahezu baugleiche Schwestermodell 20 X, das auf die Top-Ausstattung noch eine lange Akkulaufzeit drauflegt.

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