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Vollverstärker

Magnat MA 1000 im Test

Magnats MA 1000 wäre ohne zwei runde "Fenster" die übliche Blackbox. Doch hinter seinen Glasvorhängen verbreitet der deutsche Vollverstärker im Test behagliche Wärme, die von zwei Röhren des Typs ECC82 herrührt.

© Magnat

Magnat MA 1000

Man tut dem Magnat MA 1000 sicher nicht unrecht, wenn man die Absichten hinter diesem Vollverstärker als "audiophilen Standard" klassifiziert. Gefragt ist ein solider, bezahlbarer, gut klingender Amp mit ausreichenden Anschlussmöglichkeiten und - darauf haben HiFi-Fans immer ein Auge - überzeugendem Materialeinsatz, also hochwertigen Bauteilen.

Solche Anforderungen erfüllt der Magnat mit links: Er bietet ein kräftiges Netzteil - immerhin 40.000 Mikrofarad Siebkapazität - und einen dicken Ringkern-Netztransformator, seine Signalumschaltung basiert klangschonend auf Reed-Relais, sein Alu-Gehäuse klappert nicht und enthält eine Acht-Millimeter-Frontplatte.

Er besitzt ein Alps-Motorpotenziometer, stellt mehr als 100 Watt pro Kanal auf die Beine und verfügt über eine diskret aufgebaute Endstufe mit erstklassigen Leistungstransistoren von Toshiba. Damit könnte man den MA 1000 unter vielen anderen, noch dazu wie immer schwarz eingefärbten Vollverstärkern einordnen. Doch das wäre ein Fehler. Denn der MA 1000 verdient es, intensiv angehört zu werden.

Röhren

Er wartet mit zumindest zwei Features auf, die ihn aus der Masse herausheben: Zum einen verwendet er in seiner Eingangsstufe Röhren. Diese zeigt er mithilfe zweier runder Fenster auch stolz her, unterstützt von etwas Hintergrund-Beleuchtung, was wir ihm freilich nicht ankreiden. Die beiden Doppeltrioden vom Typ ECC82 sitzen hier in Goldfassungen und kommen in ihrer ureigensten Domäne zum Einsatz: nämlich als Spannungsverstärker.

© Magnat

Die beiden Doppeltrioden "wohnen" in einem eigenen, abgeschirmten Apartment, unterstützt von etwas roter Zusatzbeleuchtung. Das sieht durch die Fenster ziemlich gut aus...

Beide Röhren stammen aus russischer Fertigung (was in den Augen von Röhrenkennern ein Qualitätsmerkmal darstellt) und wurden sorgsam ausgewählt. Diese Selektion findet erst dann statt, wenn die Gläser schon 60 Laufstunden auf dem Buckel haben und "eingebrannt" sind.

Anschlüsse

Zum anderen kann der Magnat zwar weder mit einem eingebauten DAC noch mit Streaming-Fähigkeiten aufwarten, dafür jedoch mit gleich zwei Phonoeingängen.

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Damit können Vinyl-Liebhaber je ein MM- und ein MC-System parallel anschließen und einfach zwischen beiden Eingängen umschalten. So bequem macht es einem nicht mal mancher High-End-Phonoverstärker. Darüber hinaus präsentiert sich der Magnat mit einem ebenfalls rund gefassten Display. Dieses ist nicht nur sehr hell, sondern überaus scharf und damit gut lesbar.

Erwähnenswert ist auch, dass nicht nur zwei, sondern vier Lautsprecher-Anschlüsse auf der Rückseite des elf Kilo schweren Gerätes sitzen. Diese sind nicht den weithin üblichen, meist an fernöstlichen Verstärkern anzutreffenden, umschaltbaren "A"- und "B"-Lautsprecher-Gruppen gewidmet, sondern - viel besser - parallel geschaltet und dienen dem klangförderlichen Bi-Wiring- Betrieb.

© Magnat

Er klingt vollkommen ausgeglichen

Dass der Magnat nicht versucht, mit einem wie auch immer "getunten" Klang zu punkten, müssen wir ihm hoch anrechnen. Wie früher in der alten Boxenvergleichswand plus Umschaltpult würde der größte Fälscher am meisten auffallen und sich schließlich gut verkaufen - ein Effekt, den sich sogar Verstärker gerne mal zunutze machen. Deshalb könnte der ehrliche Reproduzierer schnell zum Ladenhüter werden.

Von seiner fein ausbalancierten, keineswegs höhenlastigen Wiedergabe abgesehen, überrascht der MA 1000 mit knackigem, knurrigem Bass und einer ziemlich unnachgiebigen Ausgangsstufe, die deutlich mehr Potenz besitzt, als man ihr zutrauen würde. Es sind genug Reserven zum Nachschieben vorhanden, sogar im Teamwork mit anspruchsvollen Lautsprechern. Dass der eingangsseitig mit Röhren bestückte Vollverstärker sogar unsere gerne verwendete B&W 802 D "verarzten" konnte und mit der britischen "Wuchtbrumme" jede Menge Hörspaß verbreitet hat, bescherte ihm noch weitere Pluspunkte.

© magnat

Materialien

Nicht verschweigen wollen wir auch eine an sich ganz simple, für den Klang nicht relevante, aber subjektiv dennoch wichtige Geschichte: Es gibt wohl keinen (Audio-)Tester, der von völlig überfrachteten, unübersichtlichen und haptisch unangenehmen Plastik-Fernbedienungen nicht die Nase voll hätte.

Fazit

Also notieren wir noch ein paar weitere Sonderpunkte für den MA 1000, der ein solides, griffiges Metall-Handset mitbringt, das auf den ersten Blick eingängig ist. Dieser positive Eindruck findet sich in unserem Fazit wieder: ein anspruchsvolles Gerät für anspruchsvolle Hörer, die alles andere als 08/15-Ware zu Hause haben wollen.

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