Lautsprecher
Süsskind Beo im Test
Süsskind Beo im Test: Die Lautsprecher bieten im Test eine erstaunliche Natürlichkeit, sind sehr aufwendig gebaut und klingen faszinierend lebendig.

Süsskind Beo im Test: Joachim Gerhard ist wieder da. Nach Stationen bei Audio Physic und Sonics belebt der Meister ein neues, puristisch angehauchtes Label mit dem Namen Süsskind. Das erste Modell heißt Beo, ist sehr aufwendig gebaut und klingt faszinierend lebendig.
Elektrische Energie in Schallwellen zu verwandeln gehört zu den anspruchsvollsten Aufgaben einer Hi-Fi-Kette. Selbst wer kein naturwissenschaftliches Studium absolviert hat, mag erahnen, an wie vielen Stellschrauben ein Boxenentwickler drehen muss, der einen Meilenstein schaffen will und kein belangloses Massenprodukt.
Seit langem gibt es in der Boxenszene einen gewissen Personenkult, doch meist stehen die Lautsprecher eher im Rampenlicht als die Köpfe dahinter. Joachim Gerhard ist da eine Ausnahme, denn der Sauerländer Querdenker kommuniziert seine Produkte höchstpersönlich und mit Leidenschaft. Legendär sind seine Vorführungen, bei denen er Zuhörer begeistert wie kaum ein anderer. Aus seiner Zeit bei Audio Physic sind Caldera (AUDIO 2/1996) und Medea (mit Manger-Wandlern) die prominentesten Produkte. Später bei Sonics erreichten Argenta und Allegra Kultstatus, weil sie so unnachahmlich offen und musikalisch klangen.

Die neue Beo ist die erste Box unter Gerhards neuem Label Süsskind. Eine gewisse Verwandtschaft mit der Allegra ist gegeben, doch allzu üppig sind die Gemeinsamkeiten nicht. Zwar nutzen beide ein zweiteiliges Gehäuse, doch während bei der Allegra beide Kammern starr miteinander verbunden sind, haben sie bei der Beo lediglich über weiche Dämpfer Kontakt. Das für Mitten und Höhen zuständige Oberteil bleibt so unbeeindruckt vom akustischen Treiben in der größeren Basskammer. Die Kabinette sind aus Birke- Multiplex gefertigt, innen verstrebt und mit Bitumen bedämpft.
Im Gegensatz zur Allegra sind die Kanten gerundet, um Beugungseffekte bei hohen Frequenzen zu vermeiden. Die Form ist letztlich der Grund, warum Süsskind die Beo nicht mit Holzoberflächen liefern kann, denn Furniere lassen sich nicht zu derart kleinen Radien verarbeiten.
Messlabor
Für den Bass hat Gerhard eine spezielle Bedämpfung ersonnen, die eine sehr tiefe Abstimmung ermöglicht, trotz nur 40 Litern Innenvolumen. Dank dreiteiligem Aufbau soll der Reflexkanal keinerlei störende Mitten abstrahlen. Der Basstreiber ist ein ausgewachsener 10-Zöller mit hochfester Alumembran, der wie auch die übrigen Chassis von Scan Speak stammt. Mittlere Lagen verarbeitet ein 15 Zentimeter großer Glasfaser-Konus, der auf geringe Verluste getrimmt wurde.
Für die Höhen ist eine selten genutzte Gewebekalotte zuständig, die mit einer bewegten Masse von lediglich 180 Milligramm aufwarten kann. Der Treiber erzielt einen derart hohen Wirkungsgrad, dass ein Spannungsteiler den Pegel um satte 6 Dezibel zurücknehmen muss, was die Belastung des Schwingsystems stark reduziert. Ein wenig stutzig machen die sehr niedrigen Trennfrequenzen von 170 und 1700 Hertz, die aber auf Nachfrage bestätigt wurden.

Sie sind Teil einer speziellen Filterauslegung mit lediglich 6 Dezibel elektrischer Flankensteilheit. Da die Scan-Speak-Chassis sehr linear arbeiten und teilweise an den Enden ihrer Arbeitsbereiche von selbst leiser werden, liegen akustisch doch etwa 12 Dezibel an. Der Purismus hat einen ernsten Hintergrund. Die "einfachen" Filter arbeiten auch dann klangstabil, wenn sich die Impedanzwerte der Chassis bei höheren Pegeln verschieben. Auch erzielt die Beo eine ungewöhnlich saubere Sprungantwort, wie sie passiven Dreiwegeboxen nur höchst selten gelingt.
Raum und Aufstellung
In der Beo stecken höchstwertige Weichenbauteile von Mundorf, darunter eine neu entwickelte, so gut wie klirrfreie und dennoch verlustarme Drossel für den Bass. Um welche Dimensionen es dabei wirtschaftlich geht, zeigt der Vergleich mit der Allegra: Deren mit deutlich mehr Bauteilen bestückte Weiche war nach Gerhards Bekunden ungleich weniger kostspielig als die der Beo.
Als die vierte Ausgabe der AUDIOphile Pearls (Heft-CD aus 9/2013) im Player rotierte, zog die Beo die Tester sofort in ihren Bann. Der Ohrenputzer "Seven Kinds Of Crazy" der Formation We are Tony klang selbst extrem leise noch sagenhaft teilnahmsvoll und vital. Leadsänger Tony Potts war so deutlich zu verstehen, wie es meist nur Breitbandsystemen gelingt, die keine durch Filter verursachte Verdeckung kennen.
Doch im Gegensatz zu diesen gab es an der Beo tonal nicht das Geringste auszusetzen. Im Frequenzkeller groovte ein herrlich zupackend und lustvoll aufspielender Bass, darüber strahlte ein leidenschaftlich offener Mittenbereich. Obendrüber fand sich eine Brillanzzone voller Glanz und Geschmeidigkeit.
Selbst kleinste Lautstärkeabstufungen konnte die Beo eins zu eins umsetzen. Noch bei geradezu sittenwidrig hohen Pegeln blieben die Klangfarben stabil, der Gesamteindruck souverän. Die für sich keineswegs blasse Sonics Allegra, die in der Redaktion häufig bei Verstärkertests zum Einsatz kommt, klang im direkten Vergleich deutlich gedeckter.