Hintergrund: Verkehrsmeldungen

DAB+: Stauinfos per TPEG

DAB+ soll das analoge UKW-Radio ablösen - und TPEG-Staudienste und -Verkehrsmeldungen das betagte TMC. Wie funktioniert der neue Staumelder, was kostet der Dienst und wann geht er an den Start?

Stauinfo für Alle

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Stauinfo für Alle

Als erste Stau- und Verkehrsmeldungen machten die Autofahrer-Rundfunk-Information, kurz ARI, den Anfang: Ein simpler Ton auf der nicht hörbaren Frequenz von 57 Kilohertz wurde seit 1972 parallel zum UKW-Programm ausgesendet, um den Radios zu signalisieren, wenn gerade Verkehrsnachrichten übertragen wurden.

Nun kündigt sich eine die nächste Evolutionsstufe an: Staumeldungen über das Digitalradio DAB+.

DAB+ als neuer Standard

Die neuen DAB-Stauinfos sollen weniger den Live-Diensten via Internet Konkurrenz machen, als vielmehr das betagte RDS-TMC ablösen. Denn das verrichtet immer noch in der Mehrzahl aller Festeinbau- und portablen Navis seinen Dienst - aber leider eher schlecht als recht, selbst in der mittlerweile von Nokia Here betriebenen Premium-Version Navteq-Traffic (früher TMC-Pro).

Prototyp

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Prototyp: Die Vielfalt der Staumeldungen kann derzeit nur auf Prototypen bestaunt werden - wie hier auf einem Tablet-PC. Das erste serienmäßige Navi mit DAB+-Stauinfos dürfte im Januar 2014 mit dem Garmin Nüvi 3598 LMT (Bild) erscheinen.

Der Grund: TMC muss sich die ohnehin knappe RDS-Datenrate von 1 Kilobit pro Sekunde mit anderen RDS-Diensten teilen. Übrig bleiben magere 60 Bit pro Sekunde oder zehn Meldungen pro Minute.

Radarwarner-Apps im Vergleich

Um dies zu kaschieren, werden die TMC Meldungen über das grobe Raster der "TMC Location Codes" gepresst, sodass nur auf Autobahnen und wenigen Bundesstraßen überhaupt Staus gemeldet werden können.

Stau

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Stau: Entsprechend der DAB+- Sender werden die Autobahnen vom neuen Staudienst abgedeckt, zudem reicht der Dienst dank TPEG nun auch in die Innenstädte.

DAB+ ist 300 Mal schneller

Bei DAB+ steht den Verkehrsinfos hingegen ein Kanal mit einer Datenrate von 16 Kilobit pro Sekunde zur Verfügung - in Zeiten von Breitbandinternet kein umwerfender Wert, für die Staus steht damit aber eine fast 300 Mal größere Bandbreite als bei TMC zur Verfügung.

Außerdem werden in dem neuen Sendeformat "TPEG" die Meldungen nicht mehr wie bei TMC kodiert, sondern im Klartext übertragen werden, was eine Karte oder sonstige Decodierungslogik im Empfangsgerät überflüssig macht.

Europa

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Europa: Kein Roaming, keine Mehrkosten - dank der einheitlichen Sendetechnik und der länderübergreifenden Anbieter werden Urlaubsreisen ohne Stau möglich.

Aber warum nicht gleich bei den Live-Staudiensten bleiben? Klare Antwort: Internet kostet Geld. Und es muss für alle Menschen einen frei empfangbaren Staudienst geben, eine Art Grundversorgung. Außerdem könnte man die beiden Typen DAB+ und Live-Dienst via Internet gut zu einem Hybrid-System kombinieren.

Testfahrt: Navis mit Stau-Infos im Vergleich

"Über DAB+ können wir komfortabel die grundsätzlichen Stauinformationen übertragen, für personalisierte Infos über Benzinpreise, Parkplatzverfügbarkeit oder Fahrpläne könnten Live-Dienste diese perfekt ergänzen", erläutert Carsten Friedrich vom französischen Anbieter Media Mobile.

V-Traffic und Nokia Here sind die Ersten

Unter dem Namen "V-Traffic" betreibt Media Mobile einen der beiden Premium-Staudienste auf dem deutschlandweit empfangbaren DAB-Ensemble von Media Broadcast sowie ein einheitliches Staudienstenetz in ganz Europa. Der zweite Anbieter in Deutschland wird Nokia Here sein, dazu kommt ein kostenlos verfügbarer Dienst von den öffentlich-rechtlichen Anbietern.

Garmin stellt Head-Up-Display für Navigations-Apps vor

Spannend: In Deutschland verwendet Media Mobile für seinen Service die anerkannt exzellenten Staumeldungen von Tomtom Traffic. Da der DAB-Dienst bis auf weiteres auf den TMC-Codes basiert, darf man zwar nicht ganz dieselbe Abdeckung erwarten wie sie den Tomtom-Kunden über den Internet-Live-Dienst zur Verfügung steht - die Gefahr, doch in einem Stau zu landen ist also größer. Die Codes wurden jedoch großzügig erweitert und decken wesentlich mehr Straßen ab als dies bei TMC möglich ist.

Deutschland

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Deutschland: Es gibt noch was zu tun: Das bundesweite DAB+- Ensemble deckt 75 Prozent der Autobahnen und mehr als die Hälfte der Bevölkerung und Fläche ab.

Staumeldungen gratis, aber in unterschiedlicher Qualität

"Premium" bedeutet übrigens nicht, dass man für die Staumeldungen extra bezahlen muss: Der Dienst ist im Preis des Gerätes enthalten und auf Lebenszeit gültig. Einziger Haken: Die Angabe auf der Verpackung, ob das neue Navigerät DAB-Staumeldungen empfangen kann, genügt künftig nicht mehr - es kommt vielmehr auf den Anbieter an, ob man die beste Qualität erhält - oder eben nicht.

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