1&1, Yourfone & Co.

United Internet und Drillisch: Das bedeutet die Fusion

United Internet und Drillisch legen ihr Mobilfunk- und DSL-Geschäft zusammen und wollen so als vierte Macht auf dem deutschen TK-Markt für mehr Wettbwerb sorgen.

  1. United Internet und Drillisch: Das bedeutet die Fusion
  2. Interview: Dr. Michael Opitz über die Fusion
Ralph Dommermuth und Vlasios Choulidis

© United Internet

United-Internet-Chef Ralph Dommermuth und Vlasios Choulidis, Vorstandssprecher von Drillisch

Per Handschlag besiegelten United-Internet-Chef Ralph Dommermuth und Vlasios Choulidis, Vorstandssprecher von Drillisch, am 12. Mai ihren vielversprechenden Deal: United Internet will durch zwei Kapitalerhöhungen seine mit 5,85 Milliarden Euro bewertete Mobilfunk- und DSL-Sparte „1&1 Telecommunication“ gegen Aktien in Drillisch einbringen und so mit 72,7 Prozent zum größten Aktionär des Mobilfunkers aus Maintal werden.

Auf Augenhöhe mit den Netzbetreibern 

Mit dem Zusammenschluss sieht sich United Internet als vierte Kraft auf dem deutschen TK-Markt und damit auf Augenhöhe mit den Netzbetreibern Telekom, Vodafone und Telefónica Deutschland.

Das starke Interesse seitens United Internet an Drillisch kommt nicht von ungefähr: Laut dem Vertrag mit Telefónica Deutschland, der im Zuge der E-Plus-O2-Fusion im Juni 2014 ausgehandelt wurde, kann Drillisch in den nächsten drei Jahren bis zu 30 Prozent der Netzkapazität der deutschen Telefónica übernehmen und darf zudem mindestens bis 2030 das Telefónica-Netz nutzen. 

Damit schafften die Hessen den Sprung vom Service-Provider zum MVNO-Betreiber und können dank eigenen Netzkapazitäten eigenständig attraktive LTE-Bundles und künftig auch 5G-Produkte vertreiben. 

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Die Rolle hätte United Internet vor drei Jahren gerne selbst eingenommen. Doch Drillisch kam dem ambitionierten Gründer und Vorstandschef Ralph Dommermuth zuvor und schnappte sich den Zuschlag für den uneingeschränkten Zugriff aufs Telefónica-Netz.

Daraufhin erhöhte United Internet, die schon vor zehn Jahren bei dem börsennotierten Wettbewerber als Aktionär eingestiegen war, im Frühjahr 2015 ihre Beteiligung an Drillisch auf über 20 Prozent. Mittlerweile hält United Internet knapp über 30 Prozent an den Hessen. 

 Daher kommt der Schulterschluss der beiden Unternehmen zwar plötzlich, aber nicht unerwartet: Schließlich konnte United Internet nur durch eine Transaktion zum Nutznießer des aussichtsreichen Drillisch-Coups mit Telefónica werden. 

„1&1 verfügt über eine starke Marke, einen riesigen Kundenstamm und enorme Vertriebskraft. Drillisch ist ein schnell wachsender Mobilfunkanbieter mit einem attraktiven Produktportfolio“, ist Ralph Dommermuth überzeugt, der neben 1&1-Chef Martin Witt und Drillisch-Finanzvorstand André Driesen die Führungsriege des kombinierten Unternehmens bildet.

Service-Provider wachsen

© Branchenverband VATM

Laut der Studie des Branchenverbands VATM konnten 1&1, Drillisch und Freenet 2016 im Mobilfunk ihren Umsatz steigern (in Klammern werden die absoluten Umsätze vom Vorjahr angegeben).

Der Telefónica-Deal zahlt sich aus

Dass das nicht nur fromme Wünsche des erfolgshungrigen United-Internet-Chefs sind, belegen die Geschäftszahlen: 1&1 und Drillisch vefügen zusammen über mehr als 12 Millionen Kundenverträge. Davon bringt 1&1 mit 8,7 Millionen Mobilfunk- und DSL-Kunden den Hauptanteil als Mitgift in die Hochzeit ein. 

Der gemeinsame Umsatz beider Firmen betrug am Jahresende 3,6 Milliarden Euro. Dabei soll es freilich nicht bleiben: Schließlich konnte Drillisch im Zuge der E-Plus- und O2-Fusion 300 Shops vom Münchner Netzbetreiber übernehmen, in denen nun die eigene Mobilfunkmarke Yourfone vertrieben wird. 

Durch die Zusammenlegung kann Drillisch in den Innenstädten neben Mobilfunk auch schnelle 1&1-Internet-Anschlüsse aus einer Hand verkaufen. Von den Synergien versprechen sich die beiden Firmengründer Dommermuth und Choulidis viel: Ab 2020 will man 150 Millionen jährlich durch den gemeinsamen Hardware- und Vorleistungseinkauf und durch eine effizientere Auslastung der Netzkapazitäten einsparen.

Ob es dann bei der Tiefstpreispolitik bleibt, mit der Drillisch erfolgreich wurde, bleibt freilich abzuwarten. Laut Analysten hat der Kunde aber nichts zu befürchten. Nachdem das Kartellamt Anfang Juni die Zusammenführung bewilligt hat, müssen nun noch 75 Prozent der Drillisch-Aktionäre bei der außerordentlichen Hauptversammlung am 25. Juli dem Deal zustimmen. 

Das United-Internet-Angebot lautet: 50 Euro pro Aktie. Doch auch nach der Konsolidierung, die vorbehaltlich der Zustimmung der Anleger am Ende des Jahres erwartet wird, soll Drillisch als eigenständige börsennotierte Gesellschaft unter dem Dach von United Internet bleiben.

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