Testbericht

B&W 805 Diamond

Die 805 markiert im B&W-Programm den Einstieg in die noble 800er-Serie. Die gar nicht mal so kleine Box ist ein Muster an Ausgewogenheit.

  1. B&W 805 Diamond
  2. Datenblatt
B&W 805 Diamond

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B&W 805 Diamond

Wenn Produktlinien das Licht der Welt erblicken, stehen fast automatisch die Spitzenmodelle im Rampenlicht. Zum Beispiel bei neuen Autos: Die großen Motoren werden immer zuerst getestet, die Basismodelle oft Monate später.

B&W 805 Diamond

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Der Diamant-Hochtöner schwebt inklusive der nachgeschalteten Dämpfungsröhre frei auf der Box. Das System verzerrt extrem wenig und klingt ebenso detailreich wie unangestrengt.

Nicht viel anders läuft's bei Schallwandlern, speziell wenn sie von renommierten Herstellern wie B&W stammen. Die Briten tendieren zu werterhaltend langen Zyklen, was die Spannung noch erhöht. Wird gar die Spitzenbaureihe erneuert, stürzen sich alle Beteiligten gleich auf die Dickschiffe.

B&W 805 Diamond

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Die runde, dadurch besonders stabile Gehäuseform ist längst ein moderner Klassiker.

Da bei B&W absteigend gezählt wird, betrifft dies die 800 Diamond und die nachfolgenden Standboxen bis hinunter zur 804, deren Test in stereoplay nicht zuletzt aufgrund des enorm guten Abschneidens hohe Wellen schlug. Dass mit der 805 auch ein Kompaktmodell zur Serie gehört, wird bei einer solchen Fokussierung leicht übersehen.

Kompakte Noblesse

Tatsächlich ist die 805 eines der interessantesten Mitglieder der Familie, nicht zuletzt des Preises wegen; hier unterbietet die 805 die 804 um satte 2500 Euro. Die Verarbeitung ist keinen Deut schlechter als bei den größeren Geschwistern, und das will einiges heißen. Das Gehäuse ist innen, wie von B&W gewohnt, matrixartig versteift und außen gerundet. Beides fördert die Klangreinheit. Die Außenhaut trägt denselben erstklassigen Klavierlack, der die Serie optisch so legendär macht. Alternativ stehen Kirsche und Rosenholz zur Wahl.

B&W 805 Diamond

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Die Messung am Hörplatz bei wandnaher Aufstellung zeigt einen eher schlanken Bass, der jedoch bis 40 Hertz hinabreicht, um darunter steil abzufallen. Bei leichter Höhenbetonung fällt die Welligkeit im Präsenzbereich kaum noch auf.

Der Tiefmitteltöner der 805 trägt eine Konusmembran aus gelb schimmerndem Kevlargewebe, die von einer ausgesprochen hubfreudigen Gummisicke kontrolliert wird. Hier unterscheidet sich die Kompaktbox von ihren größeren Geschwistern, wo ein im Kern ähnliches Chassis dank separater Tieftöner kaum Hubarbeit verrichten muss und deshalb mit einer Art Schaumstoffbremse statt einer dezidierten Randaufhängung bestückt werden kann.

B&W 805 Diamond

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Leichte Divergenzen im Präsenz- und Brillanzbereich, sonst recht ausgewogen; Impedanzminimum 4,5 Ohm

Apropos Hub: Boxenkenner müssen bei der neuen 800er Serie ihre gewohnten Maßstäbe in Bezug auf Pegel- und Tiefbassfähigkeiten neu justieren, denn hier wurden lange gültige Erfahrungswerte zum Besseren verschoben. Bereits die 805 erzielt eine untere Grenzfrequenz von 47 Hertz und meistert Lautstärken im dreistelligen Dezibel-Bereich.

B&W 805 Diamond

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Leicht erhöhter Klirr um 700 Hz und einsetzende Kompression um 50 Hz

Richtig spannend wird es beim Hochtöner, denn während in der vorigen Generation die preiswerten Modelle noch mit einer Alu-Kalotte auskommen mussten, galt dieses Mal die Devise "Diamant für alle".

Die bei einem Spezialisten gefertigte Membran ist so viel leichter und steifer als herkömmliche Exemplare, so dass man messtechnisch und klanglich von einer neuen Dimension sprechen muss. Die kommt zudem preiswert ins Haus, denn anderswo kosten einzelne Diamant-Hochtöner mehr als die vollständige 805.Neutral und lebendig

Die klanglichen Erwartungen waren entsprechend hoch, doch die schwarzen Schönheiten schienen zu ahnen, was auf sie zukommt. Durchschnittliche, für den Massenmarkt produzierte Alben klangen mit der 805 sehr neutral und korrekt, aber auch vergleichsweise unspektakulär. Dennoch ist es gerade diese Geschlossenheit, die den Umgang mit der 805 so reizvoll und lohnend macht.

Die Zweiwege-Box spiegelt keine künstliche Lebendigkeit vor, sie stellt keine zarten Zungenschnalzer in den Fokus und tut auch nicht so, als müssten Hörer im Resonanzkörper eines Kontrabasses sitzen statt wie im echten Leben ein paar Meter davor.

Dass diese lehrbuchhafte Neutralität sehr viel Vergnügen bereiten kann, belegten einige klangschonend hergestellte Produktionen, wie sie in Auszügen auf der stereoplay-Heft-CD zu Ausgabe 11/11 versammelt sind. Im letzten Stück singt das Kammerensemble des Figuralchors Stuttgart einen Ausschnitt aus einer Rossini-Messe, die über einen Kunstkopf aufgenommen wurde. Die 805 Diamond übertrug die rund 20 Einzelstimmen so sagenhaft vielschichtig und anstrengungslos, dass man vor dieser Leistung nur respektvoll den Hut ziehen kann.

B&W 805 Diamond

HerstellerB&W
Preis4500.00 €
Wertung57.0 Punkte
Testverfahren1.0

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