Testbericht

HP Veer im Test

So klein kann kein Smartphone sein: Das HP Veer löst bei jedem Auftritt ungläubiges Staunen aus. Doch kann der Winzling aus Amerika im Einsatz überzeugen?

  1. HP Veer im Test
  2. Datenblatt
  3. Wertung
HP Veer

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Im Test: HP Veer

Wer mit seinem Smartphone gern ein wenig Aufmerksamkeit erregt, liegt  mit dem HP Veer genau richtig. Wo die Tester von connect mit dem 379 Euro teuren Mobiltelefon auch auftauchten - das Interesse an dem winzigen Gerät war stets riesengroß.

Klein, aber fein

HP Veer

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Die Tastatur des HP Veer ist trotz begrenzter Fläche auch mit kräftigen Fingern gut zu bedienen.

Mit Abmessungen von nur 88x55x15 Millimetern ist das Veer deutlich kleiner geraten als andere Objekte der Begierde aus der Kategorie Smartphone. Der Größenvergleich zum iPhone 4 verdeutlicht dies. Wobei der niedliche Eindruck durch die stark abgerundeten Ecken noch hervorgehoben wird, das Veer gleicht einem vom Wasser geschliffenen Stein. Mit dieser handschmeichlerischen Gestaltung orientiert es sich optisch an den Pre-Vorgängern von Palm. Wir erinnern uns: HP hat den ehemaligen PDA-Spezialisten im Jahr 2010 übernommen.

Doch von den von allen Palm-Fans sicher hochgeschätzten konzeptionellen Ähnlichkeiten abgesehen ist beim Veer auch die Handschrift von HP deutlich zu sehen. Der Materialmix des Gehäuses etwa ist spürbar hochwertiger ausgefallen als bei den Pres der ersten Stunde. Fein gummierte Oberflächen zieren das überdurchschnittlich stabile Gehäuse. Das Upgrade schlägt sich am Rande bemerkt auch in der Verpackung nieder: Die orientiert sich nun eher an den exquisiten Schachteln, in denen Apple seine Produkte ausliefert, als an den Blister-verpackungen, in denen man früher Palm-PDAs kaufen konnte.

Etwas kurzatmig, der Kleine

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Touchstone nennt sich der Block, der das Veer durch einfaches Auflegen per Induktion lädt.

So gesehen ist das HP Veer ein optisches Kleinod, das auch in der Anfassqualität sehr hohen Ansprüchen genügt. Doch die auf die Spitze getriebene Miniaturisierung hat ihren Preis. Der ist etwa in Form des fest eingebauten und damit nicht wechselbaren Akkus zu bezahlen, an den wir uns dank iPhone mittlerweile gewöhnt haben. Dafür ist der laut HP 910 Milliampere-Stunden speichernde Energieriegel schön leicht, sodass das Veer auf ein Gesamtgewicht von nur 106 Gramm kommt.

Doch auch an der geringen Ausdauer hat der Akku seinen Anteil: Im typischen Betrieb hält das kleine HP-Smartphone maximal fünf Stunden durch, die Gesprächszeiten liegen zwischen drei (UMTS-Netz) und fast acht Stunden (E-Netz). Für Power-User ist das sehr knapp bemessen. Im Testalltag ließen wir das HP Veer denn auch öfter mal stecken, damit es sich nicht vor Erreichen der nächsten Lademöglichkeit verausgabte.

Auch reagierte das HP manchmal nicht ganz so schnell auf Eingaben, wie es moderne Oberklasse-Smartphones üblicherweise tun. Und dass das kleine Display die  Treffsicherheit der Nutzer auf den Prüfstand stellt, muss nicht betont werden. Solcher Kritik stehen die sehr gute, eingängige Gestensteuerung und die Multitasking-Fähigkeit des Betriebssystems gegenüber.

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HP Veer
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Dem nicht gerade kompakten Pre 3 stellt HP mit dem Veer einen kleineren Bruder zur Seite. Das HP Veer im ersten Test.

Was HP mit Web OS bei der gleichzeitigen Nutzung mehrerer Applikationen vorlegt, lässt iOS und Android blass aussehen - zumal der Wechsel zwischen aktiven Apps mit Tipp- und Streichgesten einfach und intuitiv erfolgt. Nach dem bisher Gesagten ist klar: Das Display des Veer ist berührungsempfindlich, es gibt zudem eine darunter liegende, schwarze Fläche für spezielle Gesten. Natürlich versteht sich die Anzeige auch auf Multitouch-Fingerzeige, die etwa zum Aufziehen von Webseiten praktisch sind.

Kein Surfertyp

Dass das Surfen trotzdem nicht die Stärke des Veer ist, liegt dann auch weniger am durchaus konkurrenzfähigen Browser, sondern am limitierten Display. Das stößt mit einer Diagonalen von 2,6 Zoll bei 320x400 Pixeln naturgemäß an Grenzen. Doch im Gegensatz zu den meisten zur Zeit populären Smartphones ist das Veer nicht allein auf den Bildschirm zur Bedienung angewiesen.

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Kartenspiel: Applikationen lassen sich übersichtlich wechseln.

Eine Tastatur lässt sich bei Bedarf praktisch spielfrei unter dem Display hervorziehen und rastet in zwei möglichen Positionen satt ein. Obwohl sie wegen des geringen verfügbaren Platzes sehr klein ausfällt, ist dank stark gewölbter Tasten auch bei dickeren Fingern eine hohe Treffsicherheit garantiert. Hinzu kommen der gute Druckpunkt, die Hinterleuchtung der Tasten und die Tatsache, dass selbst besondere deutsche Buchstaben eindeutig ausgewiesen sind. Wer auf gute Schriftform Wert legt und oft lange Texte schreibt, liegt mit dem HP Veer richtig.

Mit "Just type..." ist zudem ein sehr nützliches Feature eng mit der Tastatur verbunden: Es reicht, einen Begriff einzugeben - und schon durchsucht das Veer seinen Speicher nach Programmen, Dateien, Personen und Ähnlichem mit Bezug zum eingegebenen Wort. Zusätzlich wird die Suche per Google, Wikipedia oder Twitter angeboten, auch andere Aktionen wie die Erstellung eines Termins offeriert das Veer bei Texteingaben automatisch.

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Immer parat: Die Schnellstartleiste lässt sich bei Bedarf hochschieben.

Ungünstig ist nur, dass ein geringfügiges Aufschieben der Tastatur das Veer sofort aktiviert. In der engen Hosentasche entwickelt das Smartphone so mitunter ein ungewolltes Eigenleben. HP sollte eine Option vorsehen, die Entsperren nur über längeres Drücken des Einschalters erlaubt. Volle Zustimmung erhält die Umschaltung zwischen Normal- und Lautlos-Profil per Hardware-Schalter. So kann man auch von außen sehen, in welchem der beiden möglichen konfigurierbaren Profile sich das Gerät gerade befindet.      

Ausstattung mit Potenzial

Bei der Ausstattung hat HP nicht gespart. Das kabellose Ladeteil Touchstone und die üppigen 8 Gigabyte Flashspeicher, von denen 6,5 Gigabyte frei verfügbar sind, markieren mehr als einen Hauch Luxus. Die fehlende Möglichkeit, den Speicher per Steckkarte auf-zurüsten, ist so oft verschmerzbar. Die blitzlose 5-Megapixel-Kamera macht unter guten Bedingungen ordentliche Schnappschüsse. Insgesamt ist das HP Veer sogar besser ausgestattet als sein nächster und deutlich größerer Verwandter Palm Pre Plus .

In Sachen Apps hinkt der App Catalog den Vorbildern Apple und Android aber noch weit hinterher: Damit das Veer in speziellen Anwendungsbereichen wie Navigation oder Office sowie generell in der Fülle der Programme mithalten kann, muss sich noch viel tun.

Technisch reife Leistung

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connect-Kurzbewertung

Messtechnisch ist dieser Sprung bereits vollzogen. Ohne die guten Akustikeigenschaften seines Vorgängers Palm Pre Plus zu vernachlässigen, hat sich das Veer bei den Funkmessungen in die Spitzengruppe der Smartphones geschoben. So hat HP nicht nur das kleinste Smartphone, sondern auch das bisher beste Web-OS-Modell geschaffen. Weitere Informationen:HP und Palm - Alle Test im Überblick Alle Handy/Smartphone Tests  

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