Testbericht

Lautsprecher Audio Physic Tempo VI

Die Audio Physic Tempo - jetzt in der sechsten Generation - für 3000 Euro das Paar kommt klanglich dank neuem Mitteltonkonzept noch schneller auf den Punkt.

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Lautsprecher Audio Physic Tempo VI

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Lautsprecher Audio Physic Tempo VI

Am Erscheinungsbild gab es nichts zu verbessern. Die Proportionen, die Größe, die stilsicheren Rundungen, die Verarbeitung waren schon bei der Vorgängerin schlichtweg perfekt, weshalb die Tempo VI genau so elegant aussieht wie die V. Gut so. Technisch allerdings stellte Audio-Physic-Entwickler Manfred Diestertich so gut wie alles auf den Kopf. Die beiden 17-Zentimeter-Bässe an den Seiten tauschte er gegen noch verzerrungsärmere Typen mit stattlicher 40-Millimeter-Schwingspule aus, und die neue Hochton-Gewebekalotte spielt nun anstandslos bis weit über 30 Kilohertz.

Die Überlegenheit der neuen Chassis spiegelte sich prompt im Messlabor wider: Die sechste Tempo ist viel pegelfester als ihre Vorgängerin (106 zu 101 Dezibel) und reicht mit einer unteren Genzfrequenz von 42 Hertz (Tempo V: 65 Hertz) auch deutlich tiefer. Besonders stolz aber ist Entkopplungsspezialist Diesterich (er hat unter anderem die vielfach bewährten SSC-Füße ersonnen) auf seinen neuen Mitteltöner mit 15-Zentimeter-Alu-Membran.

Tempo Mitteltöner

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Herzstück der neuen Tempo ist der Mitteltöner mit Doppelkorb-Konstruktion und 15er-Alu-Membran.

Der nämlich besteht aus einer ambitionierten Doppelkorb-Konstruktion: Der innere Kunststoffkorb hält die Membran, der äußere Metallkorb trägt das gesamte Konstrukt (Bild nächste Seite) und ist mit der Schallwand verschraubt. Die einzige feste Verbindung der beiden besteht unten am Magnetsystem. Durch diese Abkopplung hält Diestertich Vibrationen der Schallwand wirkungsvoll vom klangsensiblen Mittelfeld (Übertragungsbereich 150 bis 3000 Hertz) fern.

Zudem beklebt der Tüftler zur unterstützenden Resonanzdämpfung den Magneten des Mitteltöners mit einem Tuning-Chip - siehe auch Interview nächste Seite. Ein interessantes Detail, denn auch stereoplay hat mit diesen Chips (im Vertrieb von www.creaktiv.de) schon in vielen Hörtests experimentiert. Die meisten verliefen durchaus zu Gunsten der flachen Silberlinge. Doch in folgenden Blindtests egalisierte sich das Ergebnis oft, weshalb sich die Redaktion bislang zu keinem klaren Statement durchrang.

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© Julian Bauer

Die Ausleger-Füße sorgen für guten Stand. Ihre 8-Millimeter-Gewinde nehmen die beigelegten Spikes (beste Präzision bei dickem Teppich) oder die VCF (Vibration Control Feet, acht Stück 200 Euro, im Bild ) auf, die auf glatten Böden noch mehr Offenheit in den Mitten bringen.

Aber schaden tun sie wohl nicht, denn im Hörtest blühte gerade der Mittenbereich auf. Alan Taylors Stimme auf "Isn't She Lovely?"  (Titel-CD 5/07) brachte die Tempo VI satt und vollmundig, wunderbar geschmeidig - ohne weichzeichnerisch Details einzuebnen. Die Audio Physic modellierte den Aufnahmeraum auch in der Tiefe so nachvollziehbar echt, dass selbst eine Raum-Koryphäe wie die KEF 203 hier nicht wirklich besser war.

Das noch spannendere Rennen aber lieferte sie sich mit der gleichteuren Isophon Corvara (55 Punkte), die der  Vorgängerin Tempo V im Test 4/05 noch ein Unentschieden abtrotzte. Die sehr schlüssige und auf ihre Art hochpräzise Isophon erwies sich auch hier als harter Prüfstein. Doch am Ende musste sie sich der enormen Plastizität und Klangfarbenpracht, letztendlich auch der gesteigerten Bandbreite der neuen Tempo geschlagen geben: Die Stimme von Alan Taylor klang über die Isophon ebenso klar und detailgetreu, aber etwas flacher, ausdrucksloser, tonal eingeengter. Und: Die Saiten seiner Gitarre flirrten über die Tempo noch feiner...

Nette Notiz am Rande: Gemeinhin lässt stereoplay die Testkandidaten vor dem Test ja wenigstens eine Nacht mit ausreichend Pegel durchlaufen, um die Chassis und die Weichenbauteile einzuspielen. Bei der Tempo erwies sich diese Maßnahme als unnötig, weil Audio Physic jeden Hoch- und Mitteltöner (Ausnahme: die Chassis der günstigeren Yara-Modelle) schon im Werk einspielt. So kann der neue Besitzer ohne langes Vorspiel genießen. Ein super Service!

Aber müssen nicht auch Tieftöner eingespielt werden? Bei der Tempo offenkundig nicht. Denn ihr Doppelbass kam im Handumdrehen auf Touren: Mit viel Wucht und Kraft semmelte die elegante Säule die deftigen Bassdrums des "Tuva Rap" (Titel-CD 5/07) in den Hörraum. Nur selten haben die Tester aus einer so schlanken Box einen so souveränen Bass gehört. Vielleicht war die Isophon an dieser Stelle ein wenig präziser, doch das änderte nichts am Resultat: Die Tempo VI ist ein rundum begeisternder Lautsprecher - und nebenbei der derzeit günstigste Einstieg in stereoplays Absolute Spitzenklasse!

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