Testbericht

Lautsprecher Klipsch RF 83

Manche Boxen tun so, als könnten sie Live-Schallpegel erzielen, doch nur wenige schaffen es tatsächlich. Die RF 83 von Klipsch für 3200 Euro das Paar erfüllt solche Erwartungen ganz lässig nebenbei.

  1. Lautsprecher Klipsch RF 83
  2. Datenblatt
Klipsch RF 83

© Archiv

Klipsch RF 83
Die Zahlen sind an Deutlichkeit nicht zu überbieten: Die RF 83 von Klipsch erreicht im stereoplay-Messlabor in 1 Meter Entfernung Maximallautstärken von bis zu 118 Dezibel. Die untere Grenzfrequenz liegt bei 38 Hertz, die Empfindlichkeit beträgt rund 90 Dezibel aus 2 Volt Verstärkerspannung. Kenner der Materie wissen, was das bedeutet, für alle anderen kommt hier die Übersetzung: Lautstärken, die herkömmliche Boxen entweder gar nicht oder nur keuchend erreichen, meistert die Klipsch mit links.

Gleichzeitig ist sie ausgesprochen wattgenügsam und macht schon mit kleinen Verstärkern ordentlich Rabatz. Wer die RF 83 an ihre Grenzen treibt - dazu sind rechnerisch gut 600 Watt notwendig - erzeugt Pegel wie bei einem Rockkonzert. Um diese Werte zu erreichen, nutzt die RF 83 ein Hochtonhorn mit integrierter Druckkammer. Der Schall der tief im Inneren versteckten, gut 3 Zentimeter großen Titanmembran gelangt zunächst in ein definiertes Volumen und durchläuft anschließend eine tunnelartige Führung, deren Durchmesser kleiner ist als der der Membran. Diese Maßnahme bewirkt eine Beschleunigung und eine bessere Ankopplung an die Außenluft.

Klipsch RF 83 Mittelhochtonhorn

© Julian Bauer

Das wuchtige Mittelhochtonhorn ist Kennzeichen der Reference-Serie und in die Schallwandabdeckung der RF 83 integriert. Das sieht proper aus und sorgt für bombensicheren Halt.

Im Gegensatz zu professionellen Bühnenlautsprechern ist das Horn weniger auf extreme Empfindlichkeit (theoretisch über 100 Dezibel bei 2 Volt) als auf eine HiFi-taugliche Bandbreite gezüchtet. Sein Einsatzgebiet beginnt bei 1650 und reicht bis über 20000 Hertz. Mitten und Bässe gewinnt die RF 83 konventionell mit drei jeweils 8 Zoll großen Konustreibern mit Membranen aus Keramik und Metall. Starke Antriebe, reichlich Gehäusevolumen (über 100 Liter netto), drei dicke Reflexrohre (hinten) und eine verlustarme Frequenzweiche sind Garanten maximaler Effizienz auch ohne Schallführungen.

Doch wie klingt ein Hornhybrid mit drei parallel geschalteten Tiefmitteltönern? Bei der testüblichen Hörentfernung von rund 3 Metern schien die RF 83 ihre Hörer räumlich wie auch dynamisch regelrecht einzuhüllen, als wolle sie einen nie mehr loslassen. Fast schon überlebensgroß staffelte die Klipsch die Klangkörper in alle Dimensionen und öffnete den Blick in komplexeste Strukturen. Lautstärke war wie erwartet kein Thema, sie war einfach vorhanden.

Kleinere Besetzungen und moderate Pegel ließen die groß gewachsene Standbox ein wenig unbeholfen und präsenzarm erscheinen. Bei höheren Pegeln verlor sich der Effekt, wobei das Horn nie aufdringlich klang, sondern stets fein und erstaunlich kultiviert. Voll in ihrem Element war die Klipsch bei deftiger Kost jedweder Art. Alte Stones-Klassiker wurden zu einem ganzheitlichen, körperlich spürbaren Erlebnis, auch hier war der Eindruck laut stimmiger als leise. So bleibt der Eindruck eines ausgereiften Schallwandlers, der bei hohen Lautstärken keine Konkurrenz fürchten muss. Dass der Leise-Komfort nur maßvoll ausfällt, sollte man Klipsch nicht verdenken. Einen Porsche kauft ja auch niemand für den Stadtverkehr.

Klipsch RF 83

HerstellerKlipsch
Preis3200.00 €
Wertung54.0 Punkte
Testverfahren1.0

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