Testbericht

Yotaphone 2 im Test

Das Yotaphone 2 sorgt im Test für Überraschungen. Das Smartphone aus Russland lässt die Apples und Sonys dieser Welt alt aussehen, weil es mit zwei Displays ausgestattet ist. Der connect-Test legt aber einige Schwächen offen.

  1. Yotaphone 2 im Test
  2. Datenblatt
  3. Wertung
Yotaphone 2

© connect

Yotaphone 2
EUR 449,99

Pro

  • E-Ink-Touchscreen als Zweit-Display
  • schlankes und schnelles Android
  • sehr gute Funkeigenschaften bei UMTS und LTE
  • starke Software-Extras fürs E-Ink-Display

Contra

  • Speicher nicht erweiterbar
  • Schwächen im GSM-Netz
  • Akkulaufzeit zu kurz
  • hoher Preis
82,2%

Das Yotaphone 2 bricht wie bereits sein Vorgänger mit Traditionen: Auf der Rückseite zeigt sich im Test ein zweiter Bildschirm, der 4,7 Zoll groß ist, 960 x 540 Pixel darstellt und auf der E-Ink-Technologie basiert, die man so auch von elektronischen Lesegeräten wie dem Amazon Kindle kennt. Das Yotaphone 2 ist also Smartphone und E-Book-Reader in einem.

E-Ink-Display: Bordkarte auch bei leerem Akku

Neben der augenschonenden Darstellung und der guten Ablesbarkeit im direkten Sonnenlicht hat elektronisches Papier den Vorteil, dass Energie nur in dem Moment verbraucht wird, in dem sich das Bild verändert. Man kann also eine digitale Bordkarte auf dem E-Ink darstellen - wo sie auch sichtbar bleibt, wenn der Akku leer ist.

Der Wechsel zwischen beiden Displays gelingt intuitiv. Wenn man mit dem Daumen vom unteren Rand des Hauptbildschirms nach oben wischt, werden zwei Icons eingeblendet: Entweder man sendet einen Screenshot vom Displayinhalt an das E-Ink (etwa die Bordkarte) oder man spiegelt dort die Android-Oberfläche - praktisch, wenn man gerade ein E-Book oder einen längeren Artikel im Browser liest.

Bedienung: Übers E-Ink-Display machbar

Theoretisch lässt sich das Yotaphone 2 komplett über das Zweitdisplay bedienen, inklusive E-Mails schreiben oder im Internet surfen. Allerdings sorgt die für diese Displaytechnologie typische Latenz bei der Darstellung dafür, dass zum Beispiel die Tastatur nur mit Verzögerung reagiert. Außerdem sehen Webseiten in 16 Graustufen doch etwas dröge aus.

Praktische Widgets: Die Yota Panels

Viel sinnvoller ist es, hier Widgets und Benachrichtigungen zu platzieren. Dafür hat der Hersteller die sogenannten Yota Panels entwickelt, spezielle Homescreens für das E-Ink, die sich frei konfigurieren lassen: Widgets für die Uhrzeit, das Wetter, E-Mails, RSS-Feeds, der Kalender und viele andere Elemente machen das Entsperren des Hauptbildschirms oft überflüssig. Einfach das Telefon aus der Tasche ziehen, draufschauen, fertig. Hier bietet das Yotaphone 2 tatsächlich mehr als die versammelte Konkurrenz.

Bildergalerie

Yotaphone 2
Galerie
Android

Wir stellen das Yotaphone 2 mit E-Ink-Display vor. Das stromsparende Zweit-Display kann auch bei leerem Akku Inhalte anzeigen.

Ausstattung: Ohne Glanzpunkte

Vom Zweitbildschirm einmal abgesehen, fehlen aber die Highlights. Der Qualcomm-Chipsatz steht dabei stellvertretend für das gesamte Ausstattungspaket: Das Modell Snapdragon 800 wird seit mehr als 18 Monaten verbaut. Die Leistung reicht zwar auch 2015 noch aus, aber es ist eben nicht die neueste Technik, auf die der Hersteller hier setzt.

Das Hauptdisplay genügt mit 5 Zoll und 1920 x 1080 Pixeln aktuellen Standards. Es handelt sich um ein OLED mit den für diese Technologie typischen Eigenschaften: keine hohe Leuchtkraft (315 Candela), dafür ausgeprägte Kontraste, satte Farben und eine hohe Blickwinkelstabilität.

Kamera: Anfällig bei schlechtem Licht

Die 8-Megapixel-Kamera erwies sich im Test als erstaunlich lichtstark, entsprechend bieten die Fotos vor allem bei schlechten Lichtverhältnissen eine gute Qualität. Auffällig ist aber, dass sowohl Software als auch Sensor mit starken Hell-Dunkel-Kontrasten schlecht umgehen können, vor allem helle Flächen werden schnell überstrahlt. Insgesamt ist das zu wenig für den Preis.

Gehäuse: Schlicht und handlich

Das gilt auch für das Design, denn das Yotaphone 2 steckt in einem sehr schlichten Gehäuse, dem jede Eigenständigkeit fehlt - vom zweiten Bildschirm abgesehen. Keine Frage, mit der gewölbten Rückseite und den abgerundeten Ecken liegt es sehr gut in der Hand, aber dass es sich um ein 700 Euro teures und technisch einzigartiges Produkt handelt, sieht man ihm nicht an, zumal der Rahmen nur aus mattem Kunststoff besteht. Optisch und haptisch würden wir das Gerät der Mittelklasse zuordnen.

Yotaphone 2

© Archiv

Ausdauer: Schwache Laufzeit bei Nutzung des Hauptscreens

Bei niedrigem Ladestand wird auf Wunsch automatisch ein spezieller Akkumodus aktiviert, der Energiefresser wie GPS und auch das Hauptdisplay deaktiviert. Fortan steuert man das Smartphone komplett über das stromsparende E-Ink. Bei einem Akkustand von 15 Prozent soll man so noch knapp neun Stunden Laufzeit herauskitzeln können, verspricht der Hersteller.

Lesetipp: Das erste Yotaphone im Test

Das haben wir nicht überprüft, stattdessen haben wir unsere standardisierten Messungen durchgeführt - und waren überrascht vom Ergebnis, denn mit einer Laufzeit von nur 5:14 Stunden im connect-Nutzungsmix ist das Yotaphone 2 eines der Schlusslichter in der Smartphone-Oberliga. Gut möglich, dass es im Alltag tatsächlich länger durchhält als viele Konkurrenten, weil man nicht gezwungen ist, zum Ablesen der Uhrzeit das Hauptdisplay einzuschalten. Fakt ist aber: Wenn man es genauso nutzt wie ein normales Smartphone, dann geht die Puste deutlich schneller aus als bei einem Xperia Z3 (Test) oder iPhone 6 (Test).

Labormessungen: Sehr gute Funkeigenschaften bei LTE und UMTS

Eine Überraschung erlebten wir auch in der Hochfrequenzkabine: Sehr guten Funkeigenschaften im LTE- und UMTS-Netz steht ein Einbruch im GSM-Netz gegenüber. Da die meisten mobilen Verbindungen mittlerweile über 3G- und 4G-Netze abgewickelt werden, fällt dieser Schnitzer zwar nicht so stark ins Gewicht, kostet aber trotzdem Punkte.

Fazit: Zu wenig für ein 700-Euro-Phone

Am Ende reicht es nur für einen Platz im hinteren Mittelfeld - das ist zu wenig für ein 700 Euro teures Telefon, trotz innovativem E-Ink auf dem Rücken.

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