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Android ohne Google - geht das?

Der Skandal um Huawei zeigt schmerzlich unsere Abhängigkeit von Google. Laufen Smartphones auch ohne die Android Apps des US-Riesen Google? Wir zeigen, welche rolle Google bei Android spielt.

Top 10 Android-Handys

© Hersteller


Der 15. Mai 2019 ist ein Datum, an das man sich erinnern wird, nicht nur in der Mobilfunkbranche. An diesem Tag hat die Trump-Administration den nationalen Notstand in der Telekommunikation ausgerufen und den chinesischen Tech-Riesen Huawei auf eine schwarze Liste gesetzt. 

Seitdem ist es US-Unternehmen verboten, mit Huawei Geschäfte zu machen. Vordergründig stehen Spionagevorwürfe im Raum, aber in Wahrheit geht es um den Kampf zweier Supermächte um die technologische Vorherrschaft – einen Wirtschaftskrieg, in dem Huawei ein Bauernopfer ist. 

Das US-Embargo hat den chinesischen Überflieger, der in diesem Jahr die realistische Chance hatte, in Deutschland bei Smartphone-Verkaufszahlen an Samsung vorbeizuziehen, völlig aus der Bahn geworfen. Denn plötzlich traten die internationalen Verflechtungen und Abhängigkeiten in der Branche überdeutlich hervor. 

Ein Schlaglicht fällt auf die erdrückende Dominanz von Google bei Android. Der IT-Riese aus den USA hat die Kontrolle über ein System, das momentan auf 2,5 Milliarden Smartphones weltweit läuft. Der Marktanteil von Android bei mobilen Betriebssystemen liegt nahe der 90-Prozent-Marke.

Diese Monopolstellung war bisher kein Thema, weil Google sich geschickt im Hintergrund hält. Die Strategie, die ihre Wurzeln in der Gründung der Open Handset Alliance (OHA) 2007 hat, ist im Rückblick betrachtet genial.

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Das Geheimnis des Erfolges 

Der offizielle Startschuss für die Initiative fiel am 5. November 2007, zu den 34 Gründungsmitgliedern gehörte fast alles, was in der Mobilfunkindustrie Rang und Namen hat – große Netzbetreiber, Chip- und Smartphone-Produzenten sowie Software-Unternehmen. 

Impulsgeber und treibende Kraft war von Beginn an Google, kein Wunder also, dass die OHA an deren Hauptsitz in Mountain View angesiedelt ist. Erklärtes Ziel der Initiative: eine quelloffene Software für Mobiltelefone zu entwickeln, die den Herstellern kostenlos zur Verfügung steht. 

Der Name „Android“ kristallisierte sich bereits 2005 heraus, als Google das gleichnamige Unternehmen für 50 Millionen Dollar von Andy Rubin gekauft hatte, der danach viele Jahre Chefentwickler des Systems war. In der Folge wurde die OHA zur Dachorganisation, die den System-Quellcode im „Android Open Source Project“ (AOSP) verwaltet. 

Google zog in der OHA die Fäden und hatte sich die Rechte an der Marke Android gesichert, ging dafür aber große Risiken ein. Man steckte viele Ressourcen in die Entwicklung eines Systems, das jeder gratis nutzen kann. Dahinter stand ein weitsichtiges Kalkül: Um Erfolg zu haben, musste Reichweite aufgebaut werden.

Und das konnte nur gelingen, indem man die Software kostenlos anbot und einen breiten Verbund von Unternehmen an der Entwicklung beteiligte. Hohe Anfangsinvestitionen sind ein zentrales Merkmal des Plattformkapitalismus, das auch die Anfangsjahre von Amazon, Facebook und anderen kennzeichnet. 

Der Aufbau verschlingt enorme Summen, die Einnahmen fließen erst viel später – aber wenn sie fließen, dann umso üppiger.

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Schlüsselstellung bei Android 

Bei Android bestand das Geschäftsmodell von Google von Anfang an darin, zum einen persönliche Daten zur zielgruppengenauen Ausspielung von Werbung zu erfassen, zum anderen die eigenen Dienste und Anwendungen, die auf das offene Kernsystem aufsetzen, zu lizenzieren.

Für den Anwender sind alle Google-Dienste kostenlos, ein Smartphone-Hersteller wird dafür aber zur Kasse gebeten. Was die „Google Mobile Services“ pro Smartphone kosten, ist offiziell nicht bekannt, unbestätigten Berichten zufolge variieren sie in Abhängigkeit von Land und Modell zwischen 10 und 40 US-Dollar. Kein Hersteller ist gezwungen, das Google-Paket zu lizenzieren. Oder doch? 

Die führende Rolle in der OHA und beim AOSP versetzte Google schon früh in eine optimale Position, um die eigenen Apps wie Docs, Gmail, Drive oder Maps nahtlos in Android zu integrieren. Gleichzeitig sorgte der Open-Source-Charakter von AOSP dafür, dass die in der OHA orga- nisierten Unternehmen eigene Verbesserungen in das System trugen. 

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Android wurde immer besser und Google profitierte am stärksten davon. Die wachsende Funktionsvielfalt von Smartphones spielte dem IT-Riesen zusätzlich in die Hände, denn so war er in der Pflicht, komplexere Software zu entwickeln und eine Cloud-Architektur aufzubauen. 

Im Zuge dieser wachsenden Komplexität kam es 2012 zum Start der Google-Play-Dienste, die in den folgenden Jahren eine immer wichtigere Rolle einnahmen. Dabei handelt es sich um ein Bündel an Diensten und Software-Schnittstellen, die im Hintergrund laufen und nicht nur für ein reibungs loses Ineinandergreifen aller Google-Apps sorgen, sondern auch für die Apps von Drittanbietern essenziell sind, Stichwort Cloud Messaging. 

Für einen Smartphone-Hersteller ist es daher kaum möglich, auf die Lizenz von Google zu verzichten. Android ist zwar Open Source, aber viele wichtige Funktionen sind so eng mit den Google-Diensten verzahnt, dass eine Trennung nur schwer möglich ist. Google hat hier eine Monopolstellung.

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Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel China: Weil Google-Dienste seit 2010 von der „Great Firewall“ geblockt werden, konnte sich dort ein Ökosystem aus alternativen Apps und Diensten entwickeln. Die Chinesen nutzen We-Chat statt Whatsapp, Alibaba statt Amazon sowie Baidu Maps statt Google Maps. 

Und die Smartphone-Hersteller von Huawei bis Xiaomi haben auf der Basis von AOSP Betriebssysteme mit eigenen App-Stores erarbeitet, die einem Google-Android in nichts nachstehen. Diese Systeme funktionieren allerdings in Europa nur eingeschränkt, weil die App- und Dienste-Infrastruktur (Cloud Messaging) eine andere ist. 

Aber in Deutschland hat man auf jedem Smartphone immerhin die Möglichkeit, die eigene Nutzung digitaler Dienste breiter zu streuen. Dabei geht nicht darum, dass die digitalen Dienstleistungen von Google schlechter oder unsicherer wären als vergleichbare Dienste, im Gegenteil. Aber was für Huawei und andere Unternehmen gilt, gilt am Ende auch für Privatkunden: 

Es ist nie gut, sich zu sehr von einem Anbieter abhängig zu machen. Bei Google kommt noch der Aspekt der Datenerfassung dazu, denn mit der Zahl der genutzten Google-Dienste wächst auch die Masse der persön- lichen Daten, die bei einem Unternehmen konzentriert sind. Google ist nicht gleich Android, es schadet nicht, wenn man sich diese Tatsache ab und zu in Erinnerung ruft.

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