Die HiFi-Welt von AUDIO und stereoplay
Bluetooth-Aktivlautsprecher

Canton GLE 496.2 BT im Test

Canton bringt mit der GLE 496.2 BT einen Bluetooth-Standlautsprecher, der sich dank etlichen Anschlüssen perfekt in das Heimkino integrieren lässt.

Canton GLE 496.2 BT Front

© Canton

Die Canton GLE 496.2 BT gibt es ab 1.500 Euro.

Pro

  • durchdachtes, praxisgerechtes Konzept für Stereo und Surround ausgewogener Klang

Contra

  • das Display ist zwar von Weitem ablesbar, aber wie die Fernbedienung sehr spartanisch

Fazit

AUDIO Klangurteil: 81 Punkte; Preis/Leistung: überragend

Normalen Plug-&-Play-Produkten haftet immer ein Hauch von Spielzeug an. Alles ist miniaturisiert bis zum Gehtnichtmehr – von den Gehäusen über die Treiber bis zu den Anschlüssen. Doch dieser Bluetooth-Speaker ist anders. Wer den linken Master mit dem rechten Slave verbindet, kommt sich vor, als würde er ein Elektroauto betanken. Canton verwendet bei der neuen GLE 496.2 BT zur Verbindung der beiden stattlichen, 106 cm hohen Standlautsprecher ein professionelles Speakon-Kabel mit solidem Bajonettverschluss. Schon daran merkt man, dass sich die alte HiFi-Welt mit dem verbindet, was man in Anlehnung an Thomas Dolbys erstes Album „The Golden Age Of Wireless“ nennen könnte. Anders gesagt: Bluetooth-Audio für Erwachsene. 

Um etwas Außergewöhnliches zu schaffen, musste Chefentwickler Frank Göbl mit seinem Team das Rad nicht neu erfinden. Dank des vielseitigen und fortschrittlichen Programms von Deutschlands höchsten Lautsprecher-Bauer aus dem Taunusgebirge bei Frankfurt am Main genügte der Griff in gewisse Schubladen. Das Rezept ist ganz einfach und analog zur Entwicklung des Smartphones zu sehen, wo Telefon, Touchscreen und Digitalkamera mit einem Internetzugang zu einem neuen, begehrenswerten Ding vermengt wurden. Man nehme eine bewährte Canton GLE 496.2, einen Lautsprecher der 1.000-Euro-Klasse, gebe ein Display hinzu, fülle das Ganze mit hauseigenen Akltivmodulen und runde es mit dem Decoder aus den erfolgreichen Soundbars aus. Voilà, fertig ist ein leckeres Zwei-Gänge-Bluetooth-Menü für Fortgeschrittene. 

Canton GLE 496.2 BT Rückseite

© Canton

Der linke Lautsprecher fungiert als Master. Er versorgt den Slave über ein professionelles Speakon-Kabel mit Betriebsspannug.

Aber halt: Obwohl das Bluetooth-Kürzel im Namen auftaucht, wäre es sehr tiefgestapelt, die Qualitäten dieses 3-Wege-Bassreflex-Lautsprechers nur an dem beliebten Drahtlos-Streamingverfahren (mit A2DP-Protokol und klangstarkem aptX-Codec) aufhängen zu wollen. Als Gruß aus der Küche gibt es nämlich Virtual Surround und großzügige HDMI-Connectivität. Damit kann ein Paar dieser in dezentes Folienfurnier gekleideten High-Tech-Boxen nicht nur die Stereoanlage und die Bluetooth-Box fürs Handy ersetzen, sondern auch gleich das ganze Heimkino-Soundsystem. 

Drei HDMI-Eingänge und ein -Ausgang mit dem Audio-Rückkanal ARC (Audio Return Channel) ermöglichen das Durchschleifen von Videosignalen mit 4K-Auflösung und 3D-Bild. Damit übernimmt das aktive Lautsprechersystem die Funktion eines AV-Receivers, wobei die Möglichkeit zur Ausgabe von Bildschirm- Menüs ungenutzt bleibt. Hier beschränkt Canton das visuelle Feedback auf ein weithin sichtbares LED-Display, das allerdings nur drei Stellen hat. Passend zu diesem Minimalismus kommt die IR-Fernbedienung mit nur neun Tasten aus. Selbstredend gibt es einige „Cheats“, mit den sich nach Experimentierphase und/oder Blick in die Bedienungsanleitung versteckte Einstellungen abrufen lassen. 

Die Bedienung gelingt insgesamt problemlos; der Lautsprecher merkt sich automatisch den zuletzt gewählten Soundmodus für die unterschiedlichen Quellen und schaltet beim nächsten Aufruf automatisch auf Stereo oder Surround um. Beim ersten Druck auf die Stereo-Surround-Taste zeigt die GLE 496.2 BT die aktuelle Einstellung an und wechselt erst bei erneutem Druck. Das würde man sich von der Bass-Treble-Steuerung auch wünschen, denn hier macht man beim Nachschauen gleichzeitig einen Schritt nach unten oder oben. 

Immerhin kann die Box die Codes von TV-Fernbedienungen lernen und gewährt dann die bequeme Steuerung ihrer vielen Funktionen mit dem Fernseh-Handset. Das beste Feature für alle Fernsehgucker ist allerdings DTS TruSurround. Canton verwendete diese früher als SRS TruSurround bekannte Virtual- Surround-Technologie schon in seinen frühen Soundbars. Und auch das Elektronikmodul der linken Master-Box kommt aus diesem Bereich. Es baut auf dem Soundbar DM 90.3 auf. Dank leistungsfähigem Texas-Instruments-DSP ist es so flexibel, dass es sich an den neuen Einsatzzweck anpassen ließ. 

Canton GLE 496.2 BT Anschluss

© Canton

Drei HDMI-Eingänge mit CEC-, 3D- und 4K-Unterstützung machen die GLE 496.2 BT zur AV-Steuerzentrale.

Filter vierter Ordnung 

Die Entwickler mussten zunächst das Signal-Routing ändern und den LFE-Kanal möglicher 5.1-Bitstreams auf die beiden Tieftonkanäle verteilen. Canton verwendet vier 75-Watt-PWM-Class-DAmps des Typs Texas Instruments Pure- Path und teilt die Endstufenbereiche wie beim Bi-Amping auf den Bass und die Mittelhochtonsektion auf – und zwar digital im DSP. Die Trennung des aus der GLE-Serie bekannten 2,5-cm-Alu-Mangan- Horchtöners und des 18-cm-Alu- Mitteltöners übernimmt eine 18-dB-Passivweiche. Wer Frank Göbls Schöpfungen kennt, weiß, dass er auf Filter vierter Ordnung schwört. Die fehlenden 6 dB steuert der mechanische Roll-off der Chassis bei. Beim Bass genügt zur Trennung ein digitaler 12-dB-Tiefpass, weil der 20-cm-Alu-Tieftöner am oberen Bereichsende bei 300 Hz mit 12 dB abfällt. Damit die zwei GLE 496.2 BT bei hohen Pegeln keinen Schaden nehmen, setzt Canton auf situationsabhängige Strombegrenzung im PWM-Netzteil.

Das Konzept ging in allen Belangen auf. Wer die beiden Säulen im Heimkino mit Spezialeffekten so richtig fordert, der staunt, was sie abkönnen, ohne zu verzerren oder angestrengt zu wirken. Vor allem aber erstaunen die sehr weiträumigen und stabil abgebildeten Surround-Effekte – zumindest, wenn man die Canton-Soundbars nicht kennt. Auch die konnten schon Phantomschallquellen hinterm Rücken der im Zentrum platzierten Zuhörer auftauchen lassen. 

Doch für AUDIO-Leser zählt in erster Linie Stereo. Diese Übung erledigten die GLE 496.2 BT sehr überzeugend. Sie fokussierten sehr gut und erzeugten eine große, stabile Bühne. Dazu kam ein straffer, kontrollierter Bass, der für diese Klasse recht tief hinabreichte. Nur hohe Gesangsstimmen konnten bisweilen bei S-Lauten etwas verschmiert wirken. Doch auch diese minimale Verfärbung lag für diese Klasse durchaus im oberen Bereich des üblichen Rahmens. 

Canton GLE 496.2 BT Fernbedienung

© Canton

Die Canton GLE 496.2 BT wird über eine Fernbedienung gesteuert. Die Box kann jedoch auch Codes von TV-Fernbedienungen lernen.

Schließlich gibt es hier, um bei unserem Rezept-Bezug vom Anfang zu bleiben, ein „All you can hear“-Angebot, das Heimkino und Streaming vom Handy äußerst überzeugend abdeckt. Vom iPhone klang Musik sehr differenziert, transparent und recht dynamisch. Die Auflösung der Bluetooth-Zuspielung brauchte sich nicht zu verstecken, auch wenn sie kühler, weniger bassstark und auch nicht so anspringend klang wie die anderen Quellen inklusive Analog, wo Canton nicht den PWM-Modulator des DSP nimmt, sondern einen hochwertigen A/D-Wandler vorschaltet. Also: kein alter Wein in neuen Schläuchen, sondern ein äußerst smarter Problemlöser für Aufsteiger und Abspecker.

Fazit

Nachdem ich kürzlich spät abends beim Experimentieren mit einem winzigen JBL Flip 4 die Nachbarn auf den Plan rief, frage ich mich erst Recht, wie viel Sinn eine teure, viel Platz beanspruchende Stereoanlage oder ein Heimkino-Set in einem Mehrfamlienhaus ergibt. Für alle, die ähnlich denken, aber trotzdem nicht ganz kapitulieren wollen, ist die Canton-Box GLE 496.2 BT DAS Produkt des Jahres.

Produktpräsentation: Sonos Playbase

Quelle: video
Aman Rafi, Senior Accountant Manager Central Europe, stellt die Sonos Playbase vor.

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