HiFi-Kombi

Canton Smart GLE 9 & Smart Connect 5.1 im Test

15.4.2020 von Andreas Günther

Canton sieht die Zukunft des HiFi in dieser Kombi aus Aktivbox und Pre. Wir testen die Kombi aus der Smart Connect 5.1 und den Smart GLE 9 Lautsprechern von Canton.

ca. 4:20 Min
Testbericht
VG Wort Pixel
Canton Smart GLE 9 im Test
Die vier Membranen auf der Front werden aktiv befeuert, im Rücken liegen Verstärker und der Bassreflex-Schlitz.
© Josef Bleier

Pro

  • auf den Punkt genau inszeniert: praktisch und klangstark (Smart Connect 5.1)
  • Åganz tief unten in der Preisliste setzt Canton auf Smart-Aktivität (Smart GLE 9)

Contra

  • die Verarbeitung ist freundlich, aber überschaubar (Smart GLE 9)

Fazit

Audio-Klangurteil: Smart Connect 5.1: 88 Punkte; Preis/Leistung: sehr gut; Audio-Klangurteil: Smart GLE 9: 91 Punkte; Preis/Leistung: überragend;

Legospielen ist nichts für Anfänger, man muss seine Steinchen kennen. Canton weiß, was passt: Die Hessen kombinieren ihre feinsten Bauteile sehr geschickt, in diesem Fall Chassis und ein Verstärker-Modul. Da braucht es Fantasie und die Kenntnis des Marktes. 

Wir haben laut gejubelt über die vielen neuen, nun „Smart“ genannten Lautsprecher der Hessen. Großartigier Klang, gepaart mit Drive und Zugriff. Super. Doch wie weit in die Tiefe lässt sich dieses Modell strecken? Mit der A 45 haben wir sogar gemeinsam eine AUDIO-Version erschaffen.

Nun sucht Canton sein Heil in der GLE-Serie. Die ist überraschend günstig, sogar brutal günstig. Wir stehen vor einer erwachsenen Standbox mit Aktivmodul, die im Stereo-Doppel 1700 Euro kosten soll. Nur, muss man sagen.

Zum Vergleich: Die A 45 in der AUDIO-Version liegt um das Doppelte höher. Da lohnt der Blick auf die Unterschiede: In der A 45 schwingt ein weiteres, drittes Bass-Chassis, die Membranen wurden aus dem hochedlen Aluminium-Keramik-Wolfram-Mix gezogen. Bei der GLE 9 hingegen vertraut Canton den Signalfluss reinen Aluminium-Chassis an. 

Das ist ohne Frage ein Sparkurs. Auch das Finish wirkt abgespeckt. Bei der A 45 sehen wir feinsten Hochglanzlack, sogar eine Version im Kirsch-Furnier ist zu haben. Die GLE 9 hingegen wird nur mit einer Folie überzogen, wahlweise in Weiß oder dunkler Esche.

Smart Connect 5.1 im Test
Die Smart Connect 5.1 ist genauso klein wie potent. Sie streamt die Signale direkt an den Aktivlautsprecher.
© Canton

Smart GLE 9: 350 Watt im Rücken

Doch die Rückenpartien gleichen sich. Hier hat Canton sein aktives Herz eingepflanzt – einen mächtigen Digitalverstärker mit allerlei Anschlussoptionen. 350 Watt stellt das Kraftwerk bereit. 

Wir kommen hinein per Cinchkabel, per XLR-Verbindung, wir könnten die Daten optisch wie koaxial zustreamen, und sogar ein direkter Kontakt per USB-Kabel vom Heimrechner ist möglich. 

Untereinander sprechen die beiden Lautsprecher per Funk, der eine als Master, der andere als Slave. Auch zwei weitere Zugaben könnten Käufer anlocken. Nehmen wir an, wir würden die beiden Standboxen in unserem Wohnzimmer aufstellen, mit einem Fernseher in der Mitte. 

Dann könnte beispielsweise die Sky-Box im Regal direkt an den Master angeschlossen werden – die GLE 9 vermag die Kunst, Dolby Digital und DTS zu wandeln. Und auf Wunsch springt im Hintergrund noch ein Virtual-Surround-Decoder an.

Canton Smart GLE 9 im Test - Anschlüsse
Canton hat ein hochpotentes Aktivmodul entwickelt, dass nun die Günstig-Ebene erreicht.
© Josef Bleier

Sind wir ganz faul, dann kommen wir nach Hause und nehmen unsere Kopfhörer von den Ohren – die gleiche Playlist kann dann aber subito per Bluetooth den beiden Cantons überantwortet werden. Clever und sehr elegant. 

Jetzt wäre Canton kein Marktführer, würden die Hessen nicht auch ihr Smart-Konzept zu Ende denken. So gibt es ganz frisch die schwarze Box Smart Connect 5.1. Sie kostet 500 Euro und kann enorm viel. Mit dem Modul lassen sich etliche Formate wandeln, allerlei Komponenten werden verbunden. 

Und der Name verrät es: Dies ist ein Multikanal-Vorverstärker/Wandler. Drei HDMI-Ports nehmen die Signale entgegen, zudem kann per Ethernet ein Musikserver-System eingebunden werden. Danach strömt alles kabellos an die Lautsprecher. 

Super – der Traum von ganzen Generationen. Hätten wir diese Botschaft vor zehn Jahren verbreitet, die meisten Menschen hätten den Kopf geschüttelt und „unmöglich“ ausgerufen. Nun ist es Realität. 

Noch einmal für das innere Bild: Wir schließen unseren TV-Receiver, unseren CD-Player, unseren Streamer an die kleine Kiste an – und aller Klang fliegt den beiden GLE 9 zu. Wir haben 2200 Euro investiert und uns eine neue Klangwelt erschaffen.

Wir könnten weitere Smart-Lautsprecher als Rear-Speaker oder als Center definieren. Oder ein ganz großes Klang-Event in unserem Haus inszenieren, mit unterschiedlichen Hörräumen. Ein Universum öffnet sich.

Wenn dann halt auch die Klangqualität zu faszinieren weiß. Genau an diesem Knackpunkt zeigt Canton – mal wieder – dass hier Meister beschäftigt werden. Frank Göbl ist nicht nur das Master-Mind, sondern auch das Master-Ohr.

Er liebt den zupackenden, aber perfekt linearen Klang. So misst sich auch die Smart GLE 9 wie mit dem Lineal gezogen, fügt sich der Frequenzgang in die perfekte Ebene. Das könnte langweilig sein. 

Doch Göbl ist auch ein Mann des Tempos – das hatte Druck und wunderbar anspringende Momente. So karg die Verarbeitung vor den Augen auftaucht, so füllig und lebendig war doch das Klangbild.

Canton Smart Connect 5.1 - Rückansicht
Die Connect 5.1-Box verwaltet Audiosignale per HDMI, Ethernet, optisch, koaxial und klassisch über Cinch.
© Josef Bleier

Harmonier, Spielfreude & Analyse

Das neue Album von Green Day ist so ein Grenzstein. Schon der erste Track „Father of All …“ fordert uns heraus. Der Schlagzeuger steht am Rand des Herzinfarkts, die Rhythmusgitarren kreischen – ein Lautsprecher darf alles sein, nur nicht langweilig. 

Die Smart GLE 9 feierte die ganz große Party – Gitarren-Soli, Irritationen, unfassbares Tempo. Was für ein Auftritt. Bei gehobener Lautstärke wären wir taub geworden, doch die Canton fügte den Rausch ins Harmonische. 

Perfekt die Abstimmung unter den Chassis, nirgends ein nerviges Element. Mit diesem Setup kann man richtig schön laut hören, ohne in eine Nervenkrise zu verfallen. Dann die magische sechste Sinfonie von Anton Bruckner. Gerade hat das schwedische Label BIS eine Neuaufnahme vorgestellt. 

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Canton verfügt über Komponenten wie das aktive Smart-Modul. Nun hat es der Chefentwickler in den Rücken der Reference 5 K gesetzt. Ein Exklusiv-Test.

Thomas Dausgaard dirigiert das Bergen Philharmonic Orchestra. Es ist kalt dort oben. Doch die Musiker sind extrem warm unterwegs. Alles glüht. Die Dynamik ist – wie so oft bei BIS – bis in das Extrem gesponnen. Den Beginn hören wir kaum, wir erhöhen die Lautstärke und werden beim ersten Forte in das Hörsofa gedrückt. So schön, so eindrucksvoll kann High-End sein. 

Behauptung: Im Konzertsaal wäre dieser Effekt nur halb so gut gelungen. Wieder überzeugte die Smart GLE 9 mit Harmonie, Spielfreude, Analyse. Alles, wofür wir High-End lieben, zeigte sich. Wir haben gelernt, dass so etwas nur für deutlich mehr Geld möglich ist. Canton sagt nun: Wer Abstriche am äußeren Finish akzeptiert, kann auch für viel kleinere Summen in den Himmel aufsteigen.

Fazit

Die Gefühlslage sagt uns: Sehr viel weiter unten wird Canton nicht mehr grasen können. Mit der GLE 9 ist ein Markstein erreicht. Das ist der günstigste Weg zur Welt des hauseigenen Smart-Kosmos. Dann eine kleine schwarze Box: Die Smart Connect 5.1 passt perfekt ins Canton-Universum. Gemeinsam ist man stark. Ein Supermix.

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