Smartphone aus Glas

HTC U12 Life im ersten Test

Mit dem HTC U12 Life will HTC zeigen, dass man in der Mittelklasse gut mit Samsung und Huawei mithalten kann. Ist das gelungen?

HTC U12 Life: Das 6-Zoll-Display bietet eine gute Darstellungsqualität.

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Das 6-Zoll-Display bietet eine gute Darstellungsqualität.

Bei einem Mittelklasse-Smartphone besteht die Kunst darin, Ausstattung und Design so abzustimmen, dass das Gerät nicht zu teuer wird, aber trotzdem noch genügend Attraktivität bietet, erklärt HTC-Produktmanager Fabian Nappenbach bei der Präsentation des U12 Life. Er geht natürlich davon aus, dass HTC genau das gelungen ist. Und in der Tat: Das Phone, das Anfang Oktober in einer 64-GB-Variante für 350 Euro in den Handel kommt, sieht gut aus und wirft eine ordentliche Ausstattung in die Waagschale.

Das Design ist interessant. Wie alle Hersteller setzt auch HTC auf viel Glas – für unseren Geschmack sogar zuviel. Denn der Unibody besteht aus einem Stück Glas, das an den Rändern gebogen wurde und oben direkt an das Display andockt. Es gibt keinen Metallrahmen. HTC nennt den dafür erforderlichen Produktionsprozess “Optical spectrum hybrid deposition”, dabei werden mehrere ultradünne Glasschichten zu einer Glasplatte verschmolzen und in die richtige Form gebogen. Der Clou dabei: die einzelnen Schichten können mit Materialien angereichert werden, um besondere optische Effekte zu erzielen – beim U12 Life hat HTC Metall beigemischt, das der Rückseite einen edlen metallenen Glanz verleiht.

Allerdings spiegelt nur das obere Drittel, in den unteren Bereich hat der Hersteller 0,3 Millimeter dünne Linien per Laser aufgetragen. Diese optische Finesse sieht nicht nur gut aus, sie sorgt auch dafür, dass Fingerabdrücke nicht zu sehen sind. Die fein geriffelte Oberfläche sorgt außerdem für eine angenehme Haptik. Allerdings haben wir die Sicherheit vermisst, die ein Metallrahmen der Hand vermittelt. Das Gehäuse des U12 Life war zwar verwindungssteif und top verarbeitet - aber wie gut übersteht es einen Sturz von der Tischkante?

HTC U12 Life

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In die unteren zwei Drittel der Rückseite wurden mit einem Laser feine Streifen eingraviert.

Verzicht auf den "Notch"

Der HTC-Produktmanager erklärte, dass man den Trend zu einem Display mit Einbuchtung (“Notch”) nicht mitgehen will, weil digitale Inhalte wie Filme oder Bücher nicht für eine solche Darstellung augelegt sind – bei einem Film würde im Vollbild immer ein Stück fehlen. Eine Sichtweise, die wir nicht nachvollziehen können, schließlich kann man bei einem "Notch"-Display die Einkerbung auch ausblenden und hat bei der Darstellung also die freie Wahl. Das U12 Life kommt also ohne "Notch", stattdessen füllt ein 6 Zoll großes LCD die Frontseite aus, die Auflösung liegt bei angemessenen 2160x1080 Pixeln. Die Darstellung wirkte angenehm leuchtstark und kontrastreich – HTC bewegt sich hier auf dem Niveau, das man in dieser Preisklasse erwarten kann.

HTC U11 Life:

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Die zweigeteilte Glasrückseite ist ein Hingucker.

Beim Prozessor setzt HTC auf Qualcomms nagelneuen Snapdragon 636, bei dem es sich im Prinzip um eine Version des 660er mit reduzierter Taktung und damit reduziertem Energieverbrauch handelt. In Kombination mit den aufgelöteten 4 GB RAM bringt er das System ordentlich auf Trab. LTE Cat 11 wird unterstützt, genauso wie VoLTE und Bluetooth 5. Dieses SoC ist eine gute Wahl – HTC hat den passenden Motor für das U12 Life gewählt. Wir sind gespannt auf die Laufzeit: Der Snapdragon 636 wird von einem mächtigen 3600-mAh-Akku mit Energie versorgt, was sich sehr vielversprechend anhört.

HTC U12 Life:

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Auf dem Smartphone ist die HTC-Benutzeroberfläche Sense 8.1 installiert.

Dual-Kamera für feines Bokeh

Die 16-Megapixel-Kamera auf der Rückseite wird von einem zweiten 5-Megapixel-Sensor flankiert. Dieser ist allein für die Abstandsberechnungen zum Motiv da, um eine passende Hintergrundunschärfe zu erzeugen. Zur Qualität können wir an dieser Stelle nichts sagen, weil eine Vorserien-Software auf dem Testgerät lief. Die übrige Ausstattung kann sich ebenfalls sehen lassen, HTC hat Stereo-Lautsprecher eingebaut, dazu eine Klinkenbuchse und eine USB-C-Schnittstelle.

Als Software ist HTC Sense 8.1 installiert, die auf Android 8 basiert. Auf dem Vorgänger lief noch Android One – ein Zeichen dafür, dass HTC mit Googles Software-Initiative nicht zufrieden ist? Ein weiteres Detail ist uns aufgefallen: Der Benutzeroberfläche fehlt der noch vor zwei Jahren mit viel Getöse angekündigte HTC Sense Companion – Nappenbach erwähnte beiläufig, dass dieser persönliche Assistent in Anbetracht des Google Assistant überflüssig sei.

Fazit

Abschließend lässt sich sagen, dass das HTC U12 Life auf den ersten Blick alles richtig macht. Preis und Ausstattung sind konkurrenzfähig, das Design hat das gewisse Extra. Vor die Wahl gestellt, würden wir allerdings ein Phone mit Metallrahmen vorziehen.

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