Tablet

Huawei Mediapad T2 10.0 Pro im Test

Was hat sich Huawei nur dabei gedacht? Ein Pro-Tablet, das keines ist, und ein Testgerät, das mehr verspricht als der Kunde im Handel geboten bekommt. Nach Auflösung der Verwirrungen steht beim Test des Huawei Mediapad T2 10.0 Pro am Ende ein gutes Verhältnis von Leistung und Preis.

© Huawei

Maße: 259x155x9 mm
Gewicht: 483 Gramm

EUR 122,75

Pro

  • gut verarbeitetes flaches Tablet mit angenehmer Handhabung
  • Blaulichtfilter
  • teilbarer Bildschirm, Video im Fenster
  • gute virtuelle Tastatur Speicher um 128 GB erweiterbar
  • LED, Frontkamera mit Aufhelllicht
  • Stereolautsprecher
  • sehr gute Ausdauer

Contra

  • wenig interner Speicher
  • ältere Android-und EMUI-Version
  • kein LTE
  • kein NFC

Fazit

connect Testurteil: befriedigend (371 von 500 Punkten)
74,2%

Ein Tablet mit dem Namenszusatz "Pro" weckt Erwartungen. Erwartungen, die die Hersteller in der Vergangenheit ganz unterschiedlich erfüllt haben: Bei Microsoft war das Surface Pro ehemals durch seinen stärkeren Prozessor schlicht leistungsfähiger. Seitdem das Surface generell variabel konfiguriert werden kann, setzt sich das Pro-Modell nun unter anderem durch sein 12-Zoll-Format sichtbar ab, wie auch die Samsung Tablets Galaxy Tab Pro (Android) und Tab Pro S (Microsoft Windows). Dell dagegen kennzeichnet mit "Pro" die Windows-Tablets seiner Venue-Serie während bei Apple feine Technik-Innovationen den höheren Preis rechtfertigen sollen.

Keine Pro-Features

Was also dürfen Käufer des Pro-Tablets von Huawei zusätzlich erwarten, wenn sie sich dafür entscheiden statt beispielsweise für das gleich große MediaPad M2 10.0 - ohne Pro im Namen, aber mit Pro-Features wie Fingerprint-Sensor und optionaler Stiftbedienung? Die Antwort ist ernüchternd: Nichts. Das Mediapad T2 10.0 Pro hat weder einen Fingerscanner noch taugt das Display mehr als gewöhnlich für die Bearbeitung mit einem Stylus.

Und es kommt noch kurioser: Beim Prozessor im T2 setzt Huawei nicht wie üblich auf ein Eigenprodukt der zum Unternehmen gehörenden Marke HiSilicon, auf die man zu Recht stolz ist. Stattdessen wurde für das Mediapad T2 10.0 Pro mit dem Snapdragon 615 ein bereits 2014 erschienener Mittelklasse-Chip von Qualcomm zugekauft. Auch die Kamera löst nur mit 8 Megapixeln auf (die auf der Frontseite mit 2 Megapixeln), während das Nicht-Pro-Tablet 13 und 5 Megapixel vorweist. Immerhin besitzt auch das T2, das hinsichtlich seiner Specs nun folgerichtig als das Kleinere bezeichnet werden muss, eine LED auf der Rückseite und die vom M2 bekannte optionale Displayaufhellung für Selfies.

© WEKA Media Publishing GmbH

Testsiegel

Anpassbares Display

Das Display selbst ist nicht nur in Größe und Auflösung gleich, sondern liegt auch qualitativ auf dem gleichen Niveau. Erneut gibt Huawei dem Benutzer die Clari-Vu-Technologie und mit ihr einige Optionen an die Hand: So kann das Tablet im Sonnenlicht nicht nur die Helligkeit automatisch angleichen, sondern auch die Kontraste, um in dem hellen Licht die Lesbarkeit zu erhöhen. Auch auf eine optionale Augenschutzfunktion darf der Benutzer vertrauen, wenn er das Mediapad als Reader verwendet.

Dafür ist der 10-Zöller mit seinen 483 Gramm freilich nicht die beste Wahl, eher schon für Videos in Full-HD und mit Stereoklang. Die verfügbare Super-Wide-Sound Technologie (SWS) sollte man allerdings unbedingt zuschalten - und selbst dann fehlen merklich Bässe für einen ausgewogenen Ton. Alternativ kann man auch einen großen Monitor verbinden - sofern dieser den Drahtlosstandard Miracast unterstützt.

© Huawei

Huawei Mediapad T2 Pro in weiß

Ausstattung dünn und nicht aktuell

Einen HDMI-Ausgang besitzt das Mediapad nicht. Der USB-Ausgang liegt noch im alten Micro-B-Format vor, was aber mit Blick auf eventuell vorhandene Ladevorrichtungen im Auto und in der Wohnung von Vorteil sein kann. Anders verhält es sich beim Betriebssystem. Ob Smartphone oder Tablet: Bei einer Neuanschaffung nimmt man doch gerne das aktuellste Betriebssystem mit, zumal Updates in der Regel nicht zugesichert werden und Tablets noch seltener erreichen als Smartphones.

Auf dem Mediapad T2 10.0 Pro ist Android 5.1.1 installiert. Android 6 ist seit Herbst 2015 draußen, das Mediapad T2 10.0 Pro seit Mai 2016. Zeit genug eigentlich für die nötigen Anpassungen, zumal Huawei sie aktuellen Smartphones bereits angedeihen lässt. Auch die hauseigene Oberfläche EMUI hat den Sprung von 3 zu 4 bislang nur auf den Smartphones gemacht. Von der neuen Optik in App-Übersicht und Einstellungsmenü beispielsweise ist auf dem T2 mit EMUI 3.1 folgerichtig nichts zu sehen.

Wesentliche EMUI-Pluspunkte wie der teilbaren Bildschirm finden sich aber auch auf dem T2; über die vorinstallierte Video-App laufen Filme auf Wunsch im Fenster. Vielschreiber loben auch die teilbare Tastatur mit deutschen Sonderzeichen auf oberster Ebene, Wortvorschlägen und integrierter Swype-Funktion. Was zunächst allerdings fehlt, sind entsprechende Apps wie die auf dem Mediapad M2 vorinstallierte Suite WPS-Office.

© Huawei

Sitzen die Lautsprecher wie beim Mediapad T2 10.0 Pro seitlich im Rahmen, besteht die Gefahr, dass sie überdeckt werden, wenn man das Tablet frei vor sich hält.

Das Gehäuse des Pro-Tablets ist aus Polycarbonat. Das ist ungewöhnlich für ein Unternehmen, das bei seinen Tablets bislang Aluminium bevorzugte, für sich genommen aber durchaus gelungen: Die Kanten sind weich abgerundet, das Tablet liegt angenehm in der Hand. Der samtige Eindruck wird optisch durch einen Perlmuttschimmer verstärkt. Wer griffige Materialien bevorzugt, sollte vom Mediapad T2 allerdings ablassen.

Pro: der Preis

Mit Abstrichen in Ausstattung und Gehäuse landet das Mediapad T2 10.0 Pro am Ende punktgleich mit Lenovos Tab S8 drei Plätze hinter dem M2. Lediglich im connect-Ausdauertest kann es mit sehr guten 9:50 Stunden nochmal Punkte wettmachen. Positiv fällt ein ausgesprochen niedriger Verbrauch im Standby auf, die Aktivitätsmessungen liegen knapp unter dem Durchschnitt der zuletzt im connect-Labor gemessenen Tablets.

Es gab aber am Ende noch eine weitere Enttäuschung: Das für die Messungen zur Verfügung gestellte Gerät mit 32 GB Datenspeicher und 3 Gigabyte RAM, die sich auch indirekt auf Leistung und Punkte auswirken, wird in Deutschland gar nicht verkauft werden, wie Huawei auf Nachfrage nach dem Test mitteilte. Da das T2 aber selbst in der höherwertigen Ausstattung bereits knapp unter die Marke "gut" rutscht, bliebe es auch nach Abzug der Punkte insgesamt bei dem befriedigenden Endergebnis.

Zumindest versöhnt der Preis mit den Abstrichen und Verwirrungen: Die UVP für das Mediapad T2 mit 2 Gigabyte Arbeits- und 16 Gigabyte Datenspeicher liegt mit 249 Euro unter der für das vergleichbare M2. Darüber hinaus gibt es neben der Wi-Fi-Variante in Schwarz oder Weiß für gerademal 50 Euro mehr ein LTE-Modell.

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