Smartphone mit Doppel-Display

LG G8X ThinQ im Test

17.2.2020 von Andreas Seeger

Mit dem G8X bringt LG frischen Wind in das Smartphone-Einerlei. Aber das innovative Zweitdisplay ist für eine spitze Zielgruppe gemacht, Zweifel an diesem Konzept sind angebracht. Lesen Sie unseren Test hierzu.

ca. 4:05 Min
Testbericht
VG Wort Pixel
  1. LG G8X ThinQ im Test
  2. LG G8X ThinQ im Test: Der Dual Screen
LG G8X ThinQ im Test
LG G8X ThinQ im Test: Doppel-Display
© LG
EUR 521,1
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Pro

  • elegantes Design mit Haptik und Verarbeitung auf Spitzenniveau
  • Kamera mit Top-Fotoqualität
  • Audioplayer mit starken Messwerten und vielen Extras
  • starke Akkulaufzeit und gute Funkeigenschaften
  • separate Schutzhülle und gute In-Ears im Lieferumfang

Contra

  • mit Cover zu dick und zu schwer
  • beide Displays mit deutlichen Unterschieden und nicht aufeinander abgestimmt
  • Akkulaufzeit schrumpft mit Dual-Display dramatisch
  • Kamera ohne Tele-Brennweite

Fazit

connect-Urteil: gut (421 von 500 Punkten)


84,2%

Das faltbare Smartphone war der Hype des Technikjahres 2019. Heute wissen wir, dass die damit verbundenen hohen Erwartungen nicht erfüllt werden konnten – die Anforderungen an die Materialforschung sind so hoch, dass es noch dauert, bis bezahlbare und serienreife Lösungen auf den Markt kommen. 

Mit dem G8X verspricht LG ebenfalls das, was eine der Hauptattraktionen der Falt-Smartphones ist: Ein Bildschirm im Tablet-Format. Die Koreaner setzen allerdings nicht auf neue Hightech-Displays und komplexe Scharnierkonstruktionen, sondern gehen die Sache hemdsärmeliger an: mit einem separaten Zweitdisplay, das in ein Kunststoff-Cover integriert ist. 

Das G8X sieht denn auch ein bisschen unbeholfen aus mit dem breiten Streifen zwischen den Displays, außerdem ist es mit dem klobigen Scharnier-Cover 85 Millimeter breit und 15 Millimeter dick und passt damit nicht mehr in jede Hosentasche. Das rekordverdächtige Gewicht von 326 Gramm macht sich zudem schon nach kurzer Zeit unangenehm bemerkbar. 

Das Dual-Display bietet sich im Alltag somit eher als kurze Zwischenlösung bei Bedarf an, weniger als Dauerlösung über den gesamten Tag. Dafür spricht auch die im dualen Betrieb dramatisch schrumpfende Akkulaufzeit, aber dazu später mehr.

LG G8X ThinQ im Test - Screenshots
(links) Das Menü zur Steuerung des Zweitdisplays ist überschaubar – die Möglichkeiten sind begrenzt. (Mitte) Auf der linken Seite gibt es eine Extrataste für den Google Assistant. Sie lässt sich nicht frei belegen. (rechts) Nur über den Spiele-Launcher hat man Zugriff auf das Gamepad und dessen unterschiedliche Layouts.
© Screenshot & Montage: connect

Displays nicht abgestimmt 

Ohne das klobige Cover präsentiert sich das G8X dagegen wie ein typischer Highender von LG: mit einem schlicht-eleganten Gehäuse, das aufgrund seiner exzellenten Haptik und Verarbeitung auf Anhieb überzeugt. 

Dazu trägt auch die geschlossene Bauform bei: Weil die Kamera plan unter der Glasrückseite (Gorilla Glass 5) integriert ist, wirkt das Gehäuse wie aus einem Guss. Der Aluminiumrahmen ist in der Gehäusefarbe lackiert (in Deutschland ist das G8X nur in Schwarz erhältlich) und ergonomisch gerundet, sodass das Smartphone trotz der Größe angenehm in der Hand liegt. 

Eine IP68-Zertifizierung rundet den starken Auftritt ab. Der erste Dämpfer kommt allerdings nach dem Einschalten, denn das 6,4 Zoll große OLED lässt sich manuell nur auf eine Leuchtkraft von 259 cd/m2 regeln. Im Automatikmodus wird sie nur in einer sehr hellen Umgebung auf ordentliche 624 cd/m2 hochgeschraubt. 

Auffällig und ärgerlich: Das zweite Display kann qualitativ nicht mit dem Smartphone-Panel mithalten und hat obendrein eine andere Farbtemperatur. Eine manuelle Nachkalibrierung ist nur für das Hauptdisplay möglich, sodass man die Farben für eine harmonischere Darstellung nicht angleichen kann. 

LG G8X ThinQ im Test - Konstruktion
Das Cover ist vorne glatt und leicht verspiegelt, das Hauptteil mit Scharnier besteht aus mattem Kunststoff, der einen robusten Eindruck macht, allerdings keine wertige Haptik vermittelt. Weil die Scharnierseite breiter ist, sitzt das Phone nicht mittig in der Hülle, sondern versetzt.
© LG

Das ist insofern eine Überraschung, als dass LG Wert auf die Feststellung legt, dass es sich um zwei identische Displays handelt. Beim Zweitdisplay findet man sogar die tropfenförmige Einkerbung am oberen Rand für eine Kamera, obwohl gar keine eingebaut ist. Alles in allem liefern die Koreaner hier eine wenig überzeugende Darstellung ab.

Unter dem Display werkelt mit Qualcomms Snapdragon 855 der Top-Prozessor des Jahres 2019, der auch in diesem Jahr noch eine zeitgemäße Wahl ist. Benchmarks bescheinigen eine hervorragende Performance, die locker ausreicht, um auch das zweite Display anzusteuern. 

Flankiert wird das SoC von 6 GB RAM und 128 GB Speicher, der sich per micro-SD problemlos erweitern lässt. Es handelt sich um einen hybriden Steckplatz, der ent-weder eine zweite SIM oder eine Speicherkarte schluckt. Der Nutzer hat also die Qual der Wahl zwischen Dual-SIM und mehr Speicher.

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Kamera ohne Zoom-Optik

Bei der Kamera setzt LG auf ein Duo aus Ultraweitwinkel und Weitwinkel (13/12 Megapixel), die beide eine sehr gute Bildqualität bieten. Auch bei schlechten Lichtverhältnissen liefert die Kamera noch gute Ergebnisse, was keine Selbstverständlichkeit ist. 

Der Nachtmodus erreicht allerdings nicht jene Qualität, die Apple und Huawei inzwischen zu bieten haben. Es gibt eine Vielzahl von Funktionen, die selbst ambitionierte Hobbyfotografen zufriedenstellen können, unter anderem eine RAW-Option, viele spezielle Bild- und Videomodi (YouTube Live), ansteuerbar über ein intuitives Kamerainterface. 

Stark: Videos werden in 4K mit 60 Bildern pro Sekunde aufgezeichnet. Der Verzicht auf ein optisches Zoom wiegt allerdings schwer, denn in der Preisklasse um 900 Euro bieten praktisch alle Konkurrenten eine Triple-Optik mit drei Brennweiten. Die weitere Ausstattung bewegt sich dagegen auf Oberklasseniveau.

Der Fingerabdrucksensor ist unter dem Display integriert, zudem werden WLAN ac, Bluetooth 5.0 und LTE bis Cat 15 unterstützt, dazu kommt eine USB-C-Schnittstelle, die den schnellen Standard 3.1 unterstützt. Gut gefallen haben uns auch die Audioeigenschaften des Smartphones. 

LG gehört zu den wenigen Herstellern, die weiter auf eine 3,5-Millimeter-Buchse für Kopfhörer setzen. Hochwertige In-Ears mit Klinkenstecker gehören zum Lieferumfang, und die vom Testlab ermittelten Messwerte bei der Audiowiedergabe sind sehr gut.

Testsiegel connect gut
Testsiegel connect gut
© WEKA Media Publishing GmbH

Fazit: Top-Laufzeit ohne Zweitdisplay 

Auch bei der Akkulaufzeit glänzt das Smartphone mit überragenden 12:55 Stunden. Die Ausdauer sinkt allerdings dramatisch auf 6:05 Stunden, wenn man das zweite Display anschließt. Zwei weiterere Umstände sprechen gegen die permanente Nutzung als Dual-Screen-Gerät: 

Zum einen sitzt die Klinkenbuchse so tief im Cover, dass viele Winkelstecker nicht mehr hineinpassen, zum anderen wird die Verbindung zum zweiten Display über die USB-C-Schnittstelle realisiert, die dann blockiert ist. 

Wenn das Smartphone im Dual-Display-Cover steckt, kann es nur über einen speziellen PIN-Connector aufgeladen werden, der in der Schutzhülle integriert ist. Ein entsprechender USB-C-Adapter gehört zwar zum Lieferumfang, man muss dann aber eben immer daran denken, das kleine Teil mitzunehmen. 

Eine Alternative ist drahtloses Aufladen, bei einem Durchsatz von 5 Watt vergehen aber vier bis fünf Stunden. Das zweite Display ist also mit einigen Einschränkungen verbunden. Ohne ist das G8X ein gutes Smartphone – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

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