Smartphones aus Afrika

Mara X und Mara Z im Test

Ein Smartphone "Made in Africa"? Ja, das gibt es, noch dazu aus dem ehemaligen Bürgerkriegsland Ruanda. Die Mara Phones sind etwas ganz besonderes. connect hat sie durchs Testlab geschleust, und verrät, wo die Stärken und Schwächen liegen.

© Hersteller

Das Mara Z ist eines von zwei Smartphones "made in Africa".

Pro

  • gute Verarbeitung und preisgerechte Haptik
  • leuchtstarkes Display
  • überdurchschnittliche Kameraqualität
  • Android One mit Update-Garantie (Mara Z)
  • Klinkenbuchse und Radio
  • gutes Preis-Leistung-Verhältnis
  • gute Funkeigenschaften

Contra

  • leistungsschwache SoCs
  • kurze Akkulaufzeit
  • veraltetes System (Mara X)

Fazit

Kompromisse bei Akkulaufzeit und Systemleistung, im Gegenzug ragen Display und Kamera positiv heraus. In Summe ein guter Start für den Newcomer. --- Testurteil: Mara X - 330 von 500 Punkten (befriedigend); Mara Z - 354 von 500 Punkten (befriedigend)

Ein goldener Löwe ziert die Rückseite, auf der Verpackung ist deutlich sichtbar ein Stempel "Made in Africa" gedruckt. Die beiden Mara-Phones sind die ersten und bisher einzigen in Afrika produzierten Smartphones. In einer nagelneuen Fabrik in Ruandas Hauptstadt Kigali laufen pro Tag bis zu 5.000 Geräte vom Fließband, eine zweite Fabrik produziert in Südafrika. Der Markt dafür ist ist riesig, in Ruanda beispielsweise haben erst 15 Prozent der Bevölkerung ein Smartphone.

Dass es sich nicht um teure Highender handelt, wird niemanden überraschen. Bei einem Bruttonationaleinkommen von 780 US-Dollar pro Person und Jahr kauft sich nur eine verschwindend kleine Minderheit ein Galaxy S20 Ultra oder ein iPhone.

Das Mara Phone wird in zwei Varianten produziert: Den Einstieg markiert das Mara x mit 159 Dollar, gefolgt vom Mara z mit 229 Dollar. Beide Modelle müssen sich vor Einsteiger-Smartphones aus China nicht verstecken. Hier die technischen Daten im Überblick:

Technische Daten Mara X / Mara Z

  • Preis: 159 / 229 US-Dollar
  • Display: 5,5 Zoll LCD mit 720 x 1440 Pixel / 5,7 Zoll LCD mit 720 x 1440 Pixel
  • SoC: Mediatek MT6739, 1,5 GHz, 1 GB RAM / Qualcomm MSM8940, 3 GB RAM
  • Speicher: 16 GB / 32 GB
  • Dual-SIM oder micro-SD / Dual-SIM oder micro-SD
  • Hauptkamera: 13 Megapixel / 13 Megapixel
  • Frontkamera: 5 Megapixel / 13 Megapixel
  • Connectivity: LTE CAT 4, Bluetooth 4.2, WLAN a/b/g/n / LTE CAT 7, Bluetooth 4.2, WLAN a/b/g/n
  • Akku: 3500 mAh / 3075 mAh
  • System: Android 8.1 Go Edition / Android 9 Pie
  • Biometrie: Fingerabdrucksensor / Fingerabdrucksensor+Gesichterkennung
  • Maße und Gewicht: 150 x 71 x 9 mm, 152 Gramm / 154 x 73 x 8 mm, 152 Gramm

Der Kenner sieht sofort, dass viele Komponenten nicht aus Afrika stammen können – in Anbetracht der internationalen Arbeitsteilung der Mobilfunkindustrie wäre das ein Ding der Unmöglichkeit.

Zu Qualcomm und Mediatek gibt es für einen Hersteller kaum Alternativen. Wie bei Gigaset und seinen "Made in Germany"-Smartphones müsste es daher eigentlich "assembled in Germany/Africa" heißen. Das ist keine Kritik, im Gegenteil, es bedeutet, dass Maraphones auf bewährte Markenqualität setzen.

© Hersteller

Das Mara Z kostet 229 US-Dollar.

Testergebnisse im Detail

Im Testlab überraschen denn auch die gute Haptik und Verarbeitung. Das Gehäuse aus Polycarbonat ist verwindungssteif, die Tasten haben knackige Druckpunkte, alle Komponenten sind sauber und ohne Spaltmaße verklebt. Im Karton liegen nicht nur eine Schutzhülle, sondern auch realitv gute In-Ear-Kopfhörer – ebenfalls keine Selbstverständlichkeit.

Die Kamera macht einen überdurchschnittlichen Job, die beiden 13-Megapixel-Optiken schaffen bei guten Lichtverhältnissen sogar eine sehr gute Fotoqualität. Das teurere Mara Z hat vorne die gleiche Optik eingebaut, was ein Garant für gute Selfies ist.

Die Displays fallen ebenfalls positiv auf, mit 493 Candela (Mara X: 427 Candela) geben sie sich leuchtstark und schaffen es, auch in einer hellen Umgebung Inhalte noch kontrastreich darzustellen. Die Displayränder fallen allerdings sehr breit aus (besonders oben und unten), ein weiterer Kritikpunkt ist die Blickwinkelstabilität, die nicht besonders hoch ausfällt.

Die Connectivity gibt sich preisgerecht, 5-GHz-Wlan wird unterstützt, über LTE werden Daten mit CAT 4 (Mara X), beziehungsweise CAT 7 übertragen. Die Funkeigenschaften sind allen Netzen gut, auch die Akustik bewegt sich auf einem guten Niveau.

© Hersteller

Das Mara X wird für 159 US-Dollar verkauft.

Ein Schwachpunkt ist die Akkulaufzeit, mit 7:02 Stunden (Mara Z) beziehungsweise 6:22 Stunden kommt man nur knapp durch den Tag; andere Einsteiger bieten deutlich mehr.

Auch beim Prozessor und beim Arbeitsspeicher ist die Konkurrenz besser: Mit Mediateks MT6739 (Mara X) und Qualcomms MSM8940 ist eine Einsteigerklasse eingebaut, die nicht nur wenig Performance liefert, sondern auch schon einige Jahre auf dem Buckel hat. Der SDM435 wurde 2016 vorgestellt, der MT6739 2017. Die Systemperformance ist entsprechend behäbig, vor allem beim Mara X, das nur 1 GB RAM hat. Das Z mit seinen 3 GB schafft im Vergleich eine spürbar höhere Geschwindigkeit. Bei diesem Modell ist auch der Software-Support gesichert: Mit Android One ist ein Betriebssystem mit einer Update-Garantie von 2 Jahren installiert. Das X läuft dagegen nur mit einer abgespeckten Version des Google-Systems, der Go-Edition in der veralteten Version 8.1.

Mara X und Mara Z: Das Fazit

Dass Smartphones in dieser Preisklasse ihre Schwächen haben, ist eine unvermeidbare Tatsache – irgendwo muss der Hersteller schließlich sparen. Bei den Maraphones muss man Kompromisse bei der Akkulaufzeit und bei der Systemleistung eingehen, im Gegenzug ragen das Display und die Kamera positiv heraus. In der Summe ein guter Start für den Newcomer aus Afrika.

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