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Q Acoustics Active 200 im Test

Seltsam. Und dennoch aufregend. Q Acoustics hat sich in die eher seltenen Balanced Mode Radiatoren verliebt. Ob auch wir in Andacht verfallen? Lesen Sie unseren Test zur Active 200.

© Q Acoustics

Q Acoustics Active 200 im Test

Pro

  • elegant, spielfreudig
  • starkes Gesamtkonzept

Contra

  • Grenzen im Maximalpegel

Fazit

AUDIO Klangurteil: 86 Punkte; Preis/Leistung: sehr gut

Da muss ein Nest sein. Seltsam. Plötzlich fluten Lautsprecher mit BMR-Chassis den Markt. Kennt man nicht? Sollte man kennen. Die drei Buchstaben stehen für einen „Balanced Mode Radiator“. Das haben nur die wenigsten auf dem Schirm. Aber es gibt die Connaisseurs. Wir tippen mit dem Finger auf eine vollkommen plane Membran. Seltsam. Wie wird die Energie umgesetzt?

Eigentlich ganz klassisch nach dem Prinzip eines elektrodynamischen Treibers. Das Panel bewegt sich in der Form eines Kolbens. Wenn es um die tieferen Frequenzen geht. In der Höhe hingegen erweitert sich die Konstruktion zu einem Biegewellenwandler. Also ein Doppel, ein Spagat, ein Zwitter. Abermals: Nicht viele Entwickler wagen sich an diese Konstruktion, weil man noch einmal in die Schule gehen muss, um die Details zu beherrschen.

Und nun gleich ein Doppel. Hier besprechen wir den neuesten Lautsprecher von Q Acoustics, in der kommenden Ausgabe lassen wir die neue Braun-Serie hochleben. Aus irgendeinem Grund hat da eine neue Entwicklergeneration einen Narren an diesen Wandlern gefressen. Sie müssen punktgenau angesteuert und beherrscht werden. Sonst kommt es zu Verzerrungen. Insbesondere bei hohen Pegeln kann es kritisch werden.

Weshalb ihnen der Ritterschlag fehlt: Klein, fein ist großartig, doch als wirkliche Raumfluter werden nur selten BMRs eingesetzt. Was auch schade sein könnte. Schauen wir genauer hin. Der neueste Coup von Q Acoustics heißt ganz simpel Q Active. Der Kompaktling 200 ist gerade erschienen, bald, im nächsten Jahr, soll der Standlautsprecher 400 folgen. Werfen wir den Röntgenblick an. Die 200 ist eine Kombi aus zwei BMR-Tönern und einem internen Basslieferanten. Das ist in der Form irgendwie skurril. Oder besser: eigenwillig.

© Q Acoustics

Über winzige Schalter lassen wir die Box wissen, ob sie rechts, links und wo im Raum aufspielt.

Obwohl die Front noch viel Platz hätte, werden die BMRs auf ein Drittel gezwängt. In Richtung Rückwand kommt ein Schlitz. Hier atmet der Tieftöner, der mit über elf Zentimetern recht deutlich geraten ist. Um 150 Hertz springt er an. Erstaunlich tief. Auf jeden Fall ein spannendes Konzept. Drei Chassis, aber per Weiche ein lupenreiner Zwei-Wege-Aufbau. Genau jetzt juckt es uns, auf das Preisschild zu schauen. Dort stehen 2000 Euro – inklusive Hub.

Die moderne Rundum-Lösung

Jetzt wird es spannend. Denn der Q Active 200 versteht sich als moderne Medienlösung inklusive Wandler und Sender. Mit 5,8 GHz, das ist stolz, werden die Streams vom Hub zu den Lautsprechern übertragen. Im Inneren des Lautsprechers liegt für jedes Chassis eine Class-D-Stufe. Bedeutet für unsere Rechnung: Wir sparen uns eine Endstufe, mit dem Hub noch eine Vorstufe, einen Wandler und einiges mehr. Das könnte ein wundervoll entspecktes Gesamterlebnis werden.

Service

Die dienstälteste Testliste im HiFi-Bereich bietet Ihnen einen schnellen Überblick über fast alle Testergebnisse der letzten Jahre.

Schauen wir genauer hin: Auf der Rückseite der Lautsprecher kann/muss ich per Winzschalter vorgeben, ob diese Box links oder rechts steht. Ein weiterer Schalter fordert von mir die Entscheidung, ob das Kunstwerk frei steht oder an einer Seitenwand. Der Hub selbst kann thronen, wo er mag.

Was ihn uns sofort liebenswert erscheinen lässt: Es gibt einen Schalter für die Wahl, ob wir den Cinch-Port linear betreiben wollen oder einen Plattenspieler mit MM-System angeschlossen haben. Beides vermag die kleine Box zu wandeln.

Optisch kommen wir hinein oder über den Fernseher per HDMI. Natürlich darf auch der eckige Stecker für das Ethernet nicht fehlen. So binden wir das Set in unser Heimnetzwerk ein; wir können Streamingdienste befehligen oder den hauseigenen NAS ausbeuten. Wir sind bereit für Roon, dazu noch AirPlay. Qobuz, Tidal, Spotify und Deezer sind keine Fremdsprachen. Das ist ein wirklich mutiger Griff in die moderne Zauberkiste.

© Q Acoustics

Die Bassmembran pulsiert zur Rückseite. Statt Bassreflex gibt es einen offenen Schlitz.

Wir haben eine Erwartung an den ersten Klangeindruck – und werden dezent vor den Kopf gestoßen. Das klingt irgendwie – sumpfig. Als ob eine zwar schöne, aber auch gefährliche Moorlandschaft alle wichtigen audiophilen Details versinken ließe. Das muss ein Missverständnis sein. Genau in diesem Momenten setzen wir Adrenalin frei. Wir beginnen zu spielen.

Im ersten Aufbau hatten wir die beiden Lautsprecher auf ein Sideboard gestellt. Zwar haben wir über die Winzschalter im Rücken klar vorgegeben, dass sie wandnah residieren. Dennoch blieb ein großer Bass-Blub als entscheidender Eindruck. Also alles zurück auf eine neue Startposition, auf freie Ständer im Raum, deutlich von der Rückwand entfernt.

Das können irgendwelche Fabrikate sein, aber wir argumentieren natürlich klar für die Originale von Q Acoustics. Filigran, gespannt, passgenau mit Schraubverbindungen. So will ich diese Lautsprecher sehen, so will ich sie hören. 460 Euro für das Paar sollten hierfür unbedingt eingeplant werden.

© Q Acoustics

Der äußerst kompakte Hub beherrscht viele Signale. Wir können Streaming-Services ausbeuten, in der Kür auch einen MM-Plattenspieler.

Klanglich geht dann wundersam der Himmel auf, da kommt Tempo ins Spiel, da hat der Bass eine klar umrissene Kontur. Was aber auffällt: Ultralaut sollten diese feinen Membranen nicht gepeinigt werden. Auch der Bass in seiner größten Tiefe nimmt sich zurück. Aber diese elegante Spielfreude – die schlägt schon Funken. Da stimmen Preis und das Erlebnis aufs Schönste.

Fazit

Der Gesamtaufbau kommt einem Kunstwerk gleich. Skulpturen im Raum, dazu Freudenspender vor den Trommelfellen. Aber unsere Messergebnisse zeigen auch die Grenzen auf. Dieser Lautsprecher ist nicht dafür gedacht, einen übergroßen Wohnraum zu beschallen. Doch dafür soll ja bald eine schwesterliche Standbox kommen. Klar sagen wir auch: Auf den passgenauen Ständern klingt die 200 am besten.

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