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Quadral Signum 90 im Test

Quadrals neue Signum 90 sieht wie der typische Vertreter Ihrer Klasse aus. Doch ein revolutionärer Hochtöner verleiht ihr Dynamik, Speed und audiophilen Klang, der für 990 Euro schlicht eine Sensation ist. Mehr dazu lesen Sie in unserem Test.

© Quadral

Ein Ring, die Höhen zu knechten: Das neue RiCom-Sigma-Chassis trägt maßgeblich dazu bei, dass die Signum 90 klanglich abhebt.

Pro

  • Sehr gelungene Abstimmung
  • Feiner sowie dynamische Auflösung
  • Kann auch richtig Pegel

Contra

Fazit

stereoplay Testurteil: 81 Punkte, Klang: 58 Punkte "absolute Spitzenklasse", Preis/Leistung: überragend; stereoplay "Highlight"

Der Ring mag in Fantasy-Erzählungen und Opern eine tragende Rolle spielen. In der Lautsprechertechnik ist er unter lauter Kalotten ein seltener und eher unauffälliger Geselle. Wer weiß schon, dass die für ihre Auflösung hochgelobten Car-HiFi-Systeme in den Mercedes-Luxuswagen auf einem Ringstrahler basieren?

Der historisch übrigens seine ganz eigene Verbindung zu den Boxen von Quadral hat, steckte doch einst derselbe Entwickler dahinter. Setzen seine Nachfolger bei den High-End-Lautsprechern auf Bändchentöner, kündigen die Hannoveraner jetzt eine Einsteigerserie mit einem völlig neuen Ringstrahler an, RiCom Sigma genannt.

Laut CTO Sascha Reckert einer der besten am Markt, der jüngst durch ausgelaufene Patente erst so erschwinglich geworden ist, dass er für die neue Signum-Serie taugt, bei der alle Modelle im Paar unter 1000 Euro bleiben.

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2,5-Wege-Konzept?

Das größte Modell, Signum 90, stattete der Redaktion jüngst einen Besuch ab, ohne bei der Erstinspektion durch die Redaktion sonderlich aufzufallen, solides Handwerk eben. Drei Konus-Chassis drängeln sich im mittleren und oberen Bereich der Front, die mit ihrem Hochglanzlack einen Hauch Noblesse bringt in das ansonsten eher funktional gestaltete Gehäuse ohne größere Ansprüche an die Anfassqualität.

Für erste Verwirrung sorgt das Datenblatt. Mitteltöner oder Tieftöner? Chefentwickler Reckert klärt auf: Die drei Runden mit 18 Zentimetern Titan-Membran sind technisch identisch und spielen auch alle den Tiefton gemeinsam. Dass hier dennoch vom Mitteltöner gesprochen wird, hängt mit der getrennten Einkammerung des oberen zusammen, der ab 550 Hertz weitgehend allein hinaufläuft. Er bespielt auch sein eigenes Reflexrohr, das aber identisch funktioniert wie das gemeinsam von den unteren Titanen bespielte. Entwickler würden wohl von einem 2,5-Wege-Konzept sprechen.

© Josef Bleier

Der Tief- wie Mitteltöner macht einen mehr als soliden Eindruck: Kräftiger Ferritmagnet, großvolumige Sicke und genug Luftdurchsatz zum dynamischen Atmen hinter der Schwingspule.

Beim neuen Ringstrahler handelt es sich um ein Gewebemodell mit besonders leichter Membran, das innen wie außen von jeweils einer Sicke gehalten wird. Partiale Resonanzen und Auslöschungen haben damit laut Reckert absolut keine Chance mehr. Die gefürchtete starke Richtwirkung wird dennoch durch das zum Biegen neigende Gewebe und einen mittig sitzenden Plug deutlich gemildert. Letzteren führten die Quadraler durch das Abdeckgitter hindurch, damit auch jeder das Konzept versteht.

Verzerrungen im Grenzbereich werden beim größten Modell, dessen Bässe mächtige Drücke verheißen, durch eine hohe Trennfrequenz des Hochtöners verhindert: unter 3000 Hz wird ausgeblendet. Nicht allzu steil, sondern laut Entwickler nur mit 12 dB pro Oktave, was auch ein Zusammenspiel in der Phase und damit im Timing einfacher macht als bei streng trennenden Filtern.

© Josef Bleier

Trotz knappem Budgets ist die Weiche recht hochwertig bestückt, von Folienkondensator im Signalweg bis Leistungswiderstand. Die Filter selbst benötigen nur jeweils wenige Bauteile.

Labor & Hörprobe

Den ersten handfesten Eindruck hinterließ die Quadral im Labor. Stolze 109 Dezibel Schalldruck ohne störenden Klirr sind ebenso beeindruckend wie der hervorragende Tiefgang, was in Summe kräftigen, satten Bass auch für Pegelfreaks verheißt.

Schwächen leistete sie sich beim Face-Off mit den Labormikrofonen keine einzige. Das Gehäuse macht zudem eine stabile Figur, beim Äußeren gibt es immerhin die Wahl zwischen Weiß und Schwarz. Den schnellen und anspringenden Charakter von Ringstrahlern ist der Autor dieser Zeilen seit geraumer Zeit von seiner privaten Höranlage gewohnt. Insofern lag die audiophile Latte für die Quadral recht hoch.

Deep Purples „Highway Star“ in zünftiger Lautstärke zeigte aber gleich, wie zackig die Hannoveraner Kombi am Gas hängt. Resultat: Rennfähig! Die Signum preschte mit einer luftigen, doch auch energetischen Hochtonwiedergabe vor. Die satten und dynamisch ohne Fehl und Tadel vorgetragenen Tiefton-Impulse verloren dabei nie den Anschluss an die oberen Klangregionen.

Diese Homogenität, die man über das gesamte Spektrum bemerken konnte, ist für eine Box dieser Preisklasse umso erstaunlicher, als sich trotz heftiger Pegel und satter Impulse auch noch das Gefühl von feiner audiophiler Auflösung einstellte. Das rief nach einer sanfteren Stimmprobe.

Elvis Costellos Darbietung auf „North“ gehört mit seiner ruhigen Art zu den großen Herausforderungen für Lautsprecher. Hier überraschte die Signum abermals mit einer feinen, ruhig durchzeichneten Darbietung, die den Charakter des Albums perfekt traf und auch bei den leisen Passagen nie an Spannung verlor.

Gut, Costellos Stimme stand nicht ganz wie angenagelt in der Mitte, auch spielte sich das akustische Geschehen eher vor der Boxenlinie ab. Das dürfte Hörern, die Direktheit und Unmittelbarkeit schätzen, aber gefallen.

© Josef Bleier

Hinten den Zauber gespart: Der matte Folienrücken trägt zwei verschiedene Bassreflexrohre. Das obere zweigt in die Mitteltonkammer, das untere auf das gemeinsame Volumen der beiden Bässe.

Alles außer Welt-Raum

Also schwierige Voraussetzungen für große Besetzungen? Gar nicht! Die zum Teilzeit Filmorchester gewandelten Cincinnati Pops unter Erich Kunzel zeigten bei der „Star Wars Suite“ (Great Film Fantasies) einen gewissen Hang zum Engtanz auf der Bühnenkante im Weltraum, beamten sich aber ganz schnell auf die nötige Lichtgeschwindigkeit ein.

Keine Sekunde war dieses Spektakel langweilig, dynamischer Spaß und audiophile Vielfalt der Instrumente gingen hier Hand und Hand. Dazu hämmerte die Quadral wirklich satt und knackig im Bass, dass man sich fragte, warum man überhaupt eine teurere Box brauchen würde.

Und es ging laut. Richtig laut. Hubert von Goiserns „Mercedes Benz“ lädt zum Open Air Feeling ein. Alles klang hier sehr direkt und anspringend, die Stimmen von ungewohnter Sauberkeit und ohne Schönfärbung. Ein Groove, als wären die Alpenrocker bei einem DJ in die Bass- und Schlagzeugschule gegangen, und ein ziemlich einschüchternder Pegel in den lärmigen Passagen brachten dieses Konzert im Hörraum zur Perfektion.

Wenn Sie bisher Ihren Freunden von preiswerten Boxen abgeraten haben: Lassen Sie es bleiben. Die Quadral Signum 90 ist ein absoluter Allround-Kracher, kann jeden Hörer mit eingeschränktem Budget zu Jubelschreien bringen, sofern sich sein Geschmack auf die ganze Bandbreite von Pop, Rock und Elektronik erstreckt. So viel audiophile Freude und Dynamik-Spaß hatten wir mit einer 990-Euro-Box noch nie.

Fazit

Klingt einfach nur überragend fürs Geld. Das ist jene Art von Lautsprechern, die man guten Freunden empfehlen würde. Das liegt nicht nur an der sehr gelungenen Abstimmung und feiner wie dynamischer Auflösung, die Box kann auch richtig Pegel.

Service

Die dienstälteste Testliste im HiFi-Bereich bietet Ihnen einen schnellen Überblick über fast alle Testergebnisse der letzten Jahre.

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