Testbericht

Yamaha DSP-Z 11

10.6.2008 von Redaktion connect und Bernhard Rietschel

So natürlich, fein und edel hat bislang kein AV-Verstärker geklungen.

ca. 2:50 Min
Testbericht
  1. Yamaha DSP-Z 11
  2. Datenblatt
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© Archiv

Yamaha geht mit dem DSP-Z 11 einen Schritt weiter: Wo keine Herausforderungen mehr sind, erfinden die Japaner einfach neue. Wie etwa die vier zusätzlichen "Presence"-Kanäle, die das gewohnte Siebenkanal-Setup um die vertikale Raumdimension erweitern sollen. Das stellt nicht nur besondere Anforderungen an das Boxenset. Da selbst die modernen HD-Tonspuren keine Überkopf-Informationen enthalten, müssen die DSPs im Yamaha aus dem zweidimensionalen Original mit einer raffinierten Mischung aus Empirik und intelligentem Ratespiel die dritte Dimension extrahieren. Das Vorhaben gelingt sogar: Wer die zahlreichen zu den jeweiligen DSP-Programmen gehörigen Einstell-Parameter behutsam trimmt, bekommt tatsächlich ein Soundbad, das nicht nach Effekt klingt, sondern die Glaubwürdigkeit des Filmtons sogar noch erhöht.

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Hinten zwei weniger, dafür einen an der Front: Auch der Z 11 hat mehr als genug HDMI-Eingänge. Die Lautsprecher-Anschlüsse sind etwas mickrig und mögen keine Kabelschuhe.
© J.Bauer

Videotechnisch begnügt sich der Z 11 mit einem im Vergleich zum Denon nicht ganz so vornehmen Prozessor, der freilich für fast alle Ansprüche völlig ausreicht. Standard-TV-Bilder skaliert auch er in beachtlicher Qualität auf 1080 Zeilen, also Full-HD-Format; aber die Hauptbildquelle im anspruchsvollen Heimkino dürfte eh nicht das Fernsehen sein, sondern der Blu-ray-Player, dessen Bild über jede Nachbearbeitung erhaben ist.

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Der Blick in das Innere des Yamaha
© J.Bauer

Viel drin, viel dran

Dass den Super-Amps vor lauter Rechenzauber die HiFi-Tugend abgeht, muss niemand befürchten. Monströse Netzteile (im Denon zum Beispiel mit allein sechs Einzeltrafos), D/A-Wandler, auf die auch high-endige CD-Player stolz wären (hier allerdings in fünffacher Anzahl), aufwendige Stabilisierungsmaßnahmen für den digitalen Datentakt: Die Entwickler haben alles eingebaut, was dem Klang zuträglich sein könnte - und was Musikfreunde bei schlichteren AV-Receivern mitunter schmerzlich vermissen. Nur wenn wirklich an nichts gespart wird und alles so rücksichtslos vom Feinsten, Prallsten und Edelsten sein darf, dass sich das Topmodell für den Hersteller kaum noch rechnet, folgt dem riesigen Preis- auch ein entsprechender Qualitätssprung.

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Auch der DSP-Z 11 verfügt über eine Web-Schnittstelle - sogar farbig. Sie kann allerdings nur steuern - Setup-Zugriff bietet
© Archiv

Es geht nicht anders. Denn letztlich ist es nicht die gewaltige Feature-Komplexität dieser Verstärker, die eine derartige Investition rechtfertigt. Wer einfach nur unendlich viele Anschlüsse, erstklassige Videokonverter, Netzwerkzugriff und totale Kompatibilität mit allen Tonformaten der Gegenwart (und per Software-Update möglichst auch mit denen der Zukunft) sucht, der kommt fast immer auch mit einem nicht mal halb so teuren Receiver ans Ziel. Was die Topmodelle zukunftsweisend macht, ist ihre Fähigkeit, aus den digitalen Tonspuren wirklich alles an Klangpotenzial herauszuholen. Das letzte Prozent kann riesig sein, wie der Hörtest zeigte.

Hörtest

Mit einem schönen Ausschnitt aus dem japanischen Anime-Kunstwerk "Ghost In The Shell 2 - Innocence" kam zunächst Dolby True HD aus dem Blu-ray-Player. Der Yamaha haute vielleicht nicht ganz so nachdrücklich auf die Felle wie Denon, er setzte sich dafür mit einer noch freieren, von den Boxen gänzlich losgelösten Raumabbildung und seinen surreal schönen, extrem nuancenreichen Klangfarben in Szene. Auf den resultierenden entspannten Schwebezustand, der frei von jeder Künstlichkeit war und mit "Surround" eigentlich nichts mehr zu tun hatte, wollten die Tester noch weniger verzichten als auf die minimalen Dynamik-Vorteile des Denon - der Yamaha ging mit HD-Ton knapp in Führung.

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Eine Mikrofon-Schablone soll die Einmess-Genauigkeit des Yamaha erhöhen.
© M.Wehner

Ganz ähnliche Klangcharakteristika zeigten die beiden Verstärker auch mit konventionellem Digital-Surround. Selbst mit Action- und Kriegsfilmen schien der Yamaha sich noch mehr aus dem Geschehen zurückzunehmen, noch weniger Eigenklang zum Filmton beizusteuern. Das ließ die Aufmerksamkeit immer wieder von der Handlung zum vermeintlich Nebensächlichen schweifen: Barfuß-Schritte patschten auf nassem Asphalt, als stünde man daneben; Fahnen knatterten im Wind, dass man dessen Stärke auf den Knoten genau zu hören meinte.

Es waren feine Unterschiede auf höchstem Niveau, die sich auch mit Stereo-Musik via Analogeingang manifestierten - was darauf hindeutet, dass nicht die digitale Signalverarbeitung, sondern die Abstimmung der analogen Endstufen dafür verantwortlich zeichnet. Die scheint den Yamaha-Entwicklern hier noch einen Hauch besser gelungen zu sein.

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© Archiv

Fazit:

Über Kraft, Komfort und Verarbeitungsqualität erübrigt sich bei diesen Amps jede Diskussion: Der Gegenwert ist trotz des hohen Preises enorm. Den Test gewinnt der Yamaha - nicht weil er mehr Kanäle hat, sondern weil er aus banalem Filmton ein audiophiles Abenteuer machen kann. So natürlich, fein und edel hat bislang kein AV-Verstärker geklungen.

Yamaha DSP-Z 11

Yamaha DSP-Z 11
Hersteller Yamaha
Preis 5500.00 €
Wertung 113.0 Punkte
Testverfahren 1.0

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