Blitzmarathon am 10. Oktober

Radarwarner-Apps im Vergleich

Am Donnerstag steigt der so genannte Blitzmarathon: Bundesweit wird an über 8.000 Stellen das Tempo kontrolliert. Wir stellen sechs Blitzer-Apps vor.

Vorsicht Blitzer

© Vorsicht Blitzer

Vorsicht Blitzer

Der bundesweite Blitzmarathon startet am 10. Oktober um 6 Uhr und soll 24 Stunden dauern. Bei dieser bislang größten konzertierten Aktion sollen laut Spiegel Online bundesweit an 8.500 Stellen Temposünder mit Radar- und Laserkontrollen ausgebremst werden. Knapp 15.000 Ordnungshüter sollen im Einsatz sein.

Wir stellen aus diesem Anlass noch einmal sechs Blitzerwarn-Apps und klären, ob die kleine Helfer, die teilweise auch mobile Blitzer kennen, legal oder verboten sind.

Radarwarn-Apps: Legal oder verboten?

Sind sie nun legal oder nicht, die Radarwarner-Apps und Blitzer-Dienste fürs Navi, die vor Radarfallen und Blitzern warnen? Fragt man beim ADAC oder im Verkehrsministerium nach, so ist die Antwort eindeutig: Nein, diese Dienste sind illegal. Hier greife Paragraf 23, 1b der Straßenverkehrsordnung, der da lautet:

"Dem Führer eines Kraftfahrzeuges ist es untersagt, ein technisches Gerät zu betreiben oder betriebsbereit mitzuführen, das dafür bestimmt ist, Verkehrsüberwachungsmaßnahmen anzuzeigen oder zu stören. Das gilt insbesondere für Geräte zur Störung oder Anzeige von Geschwindigkeitsmessungen (Radarwarn- oder Laserstörgeräte)."

Auch nach Meinung vieler Juristen gilt dieser Paragraf uneingeschränkt.

Eine Grauzone des StVO?

Doch dieser einst zum Verbot der klassischen Radarwarngeräte gedachte Gesetzestext ist nicht eindeutig formuliert: Ein Smartphone ist eben nicht in erster Linie für diesen Zweck bestimmt, sondern hauptsächlich ein Mobiltelefon. Außerdem kann es die Geschwindigkeitsmessungen mit Sicherheit auch nicht stören.

Daraus leiten die Anbieter der Radarwarn-Apps ihre Berechtigung ab: Was nicht eindeutig geregelt ist, sei im Umkehrschluss erlaubt oder zumindest eine Grauzone. Und auch hier gibt es viele Juristen, die diese Einschätzung bestätigen.

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Eine eindeutige Antwort auf diese Frage gibt es also nicht - oder zumindest noch nicht. Doch egal ob Grauzone oder nicht, Fakt ist: Vor Gerichte wurde die das Thema noch nicht eindeutig geklärt, und im Zweifelsfall muss ich wohl auch niemand ins Handy schauen lassen.

Das muss auch Thomas Jarzombek, Verkehrsexperte der CDU-Bundestagsfraktion, zugeben: "Es wäre ein unverhältnismäßiger Eingriff in die Privatsphäre, wenn Polizisten in die Smartphones der Autofahrer schauen dürften."

Von einer Grauzone will er aber nichts wissen: "Die Straßenverkehrsordnung verbietet die Nutzung von Blitzer-Apps eindeutig. Diese Vorschrift ist derzeit in der Praxis aber einfach nicht durchzusetzen."

Mehr Verkehrssicherheit

Um dies zu ändern, hat Jarzombek im September 2012 mit einem Antragsentwurf zur Neuregelung des Paragrafen einen Stein ins Rollen gebracht: Wo stationäre Blitzer stehen, existieren Gefahrenstellen, und wenn sich Autofahrer davor warnen lassen, diene dies der Verkehrssicherheit.

Eine effektive Kontrolle der Blitzer-Apps erscheint aufgrund der Vielzahl der verwendeten Techniken kaum noch durchführbar. Die aktuelle Gesetzeslage wird der Entwicklung in diesem Bereich nicht gerecht. Im Interesse der Verkehrssicherheit muss es daher das Ziel sein, die StVO entsprechend anzupassen.
Thomas Jarzombek, Verkehrsexperte der CDU-Bundestagsfraktion.

Die Warnung vor stationären Radarfallen sollte daher erlaubt sein und sogar durch eine Liste anderer Gefahrenstellen von der jeweils zuständigen Gemeinde erweitert werden, vor denen dann ebenfalls gewarnt werden solle. Die Warnung vor mobilen Blitzern jedoch solle weiterhin verboten bleiben, weil sonst der erzieherische Wert und die Abschreckwirkung der Kontrollen verloren ginge.

Die Front bröckelt auch an anderer Stelle: Ließ der ADAC noch Ende 2011 per Pressemitteilung wissen, dass das Verbot "nicht nur für klassische Warngeräte, sondern auch für Navigationssysteme und Mobiltelefone, die vor Blitzern warnen" gelte und man vorinstallierte Software am besten sofort löschen solle, so hat sich der Automobilclub mittlerweile der Forderung nach eindeutiger Legalisierung angeschlossen:

Da stationäre Überwachungseinrichtungen nur an Unfallschwerpunkten und besonderen Gefahrenstellen stehen sollen, dienen POI-Radarwarner ganz konkret der Verkehrssicherheit.
Katharina Bauer, Externe Unternehmenskommunikation ADAC, Ressort Recht.

Die Apps im Test

In der folgenden Galerie stellen wir Ihnen sechs Radarwarner-Apps vor, die wir mit dem iPhone ausprobiert haben (natürlich auf dem Beifahrersitz), die es teilweise aber auch für Android gibt.

Bildergalerie

iCoyote
Galerie
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Im europäischen Ausland ist Coyote in vielen Ländern schon lange aktiv und verspricht daher mit ausgefeilten Algorithmen im Hintergrund hochgenaue…

Rasen ohne Reue?

Doch führt eine Legalisierung der Warnung auch vor mobilen Radarfallen tatsächlich zum Rasen, wie offensichtlich befürchtet wird? Vincent Pena, Vice President beim französischen Blitzerwarner-Anbieter Coyote, glaubt das nicht:

Unsere langjährige Erfahrung mit Blitzerwarnern in anderen Ländern zeigt, dass Autofahrer aufmerksamer und vorsichtiger unterwegs sind, wenn sie rechtzeitig vor Gefahrensituationen sowie vor festen und mobilen Blitzern gewarnt werden. Sie passen ihr Fahrverhalten an und erhöhen damit die Sicherheit für alle.
Vincent Pena, Vice President International Business Development bei Coyote.

Ohnehin ist die Situation gelinde gesagt verfahren: Der Beifahrer dürfte die Apps aktuell problemlos nutzen; auch ist es erlaubt, sich vor der Fahrt eine Übersicht der Blitzer auf der geplanten Route auszudrucken und mitzunehmen.

Die Radarwarnungen im Radio sind ebenfalls erlaubt und von der Polizei sogar erwünscht: Aufgrund der nie ganz genauen Positionsangabe der Standorte wird nach einer solchen Warnung weiträumig um die Messstelle langsamer gefahren, auch noch lange nach Abschluss der Messungen, da die Radarfallen meist schon längst wieder abgebaut sind, während die Meldung noch im Radio verkündet wird. Und das dient definitiv der Verkehrssicherheit.

Ein anderes Kaliber sind da schon die Live-Blitzerdienste der Navi-Anbieter sowie Community-Navisysteme wie Waze, die zum Teil in wenigen Minuten Infos über Blitzerstandorte via Mobilfunk an alle Fahrer verteilen.

Waze oder Coyote wären nach einer Neuordnung, wie Experte Jarzombek sie fordert, eindeutig verboten und müssten sich auf andere Warnmeldungen wie "Liegengebliebenes Fahrzeug" oder "Unfall" beschränken. Doch wie das kontrolliert werden soll, weiß gegenwärtig niemand.

Keine Einigung in Sicht

Eine Entscheidung in dieser Sache wird noch eine Weile auf sich warten lassen, denn eine Neuregelung muss im Einklang mit den Bundesländern erfolgen, von denen manche dafür (Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen und Hessen), andere aber dagegen sind. Auf der jüngsten Verkehrsministerkonferenz Mitte April 2013 lehnte jedenfalls die Mehrheit der Teilnehmer eine Lockerung des Verbots schon einmal ab.

Und so dürfte es bis auf Weiteres bei der gegenwärtigen, unklaren Situation bleiben: Blitzerwarner sind zwar verboten, doch das Risiko, belangt zu werden, weil man eine solche App laufen hat, scheint äußerst gering.

Trotzdem geht man bei der Nutzung einer Blitzer-App ein Risiko ein, denn ob der Einspruch gegen einen entsprechenden Bußgeldbescheid vor Gericht Erfolg hätte, ist nicht nur unter Juristen umstritten. Die Angst fährt also immer mit - egal ob mit oder ohne Blitzer-App.

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