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Interview zum Glasfaserausbau

Inhalt
  1. Glasfaserausbau in Deutschland - wo liegen die Probleme?
  2. Interview zum Glasfaserausbau

Walter Goldenits, Geschäftsführer Technologie der Telekom Deutschland im Interview: "Wir bauen Glasfaser für Millionen, nicht für einige wenige."

Herr Goldenits, die TK-Branche bewegt sich mit rasantem Tempo. Was sind die Hauptthemen der Telekom in Ihrem Verantwortungsbereich? 

Ein großer Fokus liegt auf dem Glasfaserausbau. Wir verlegen pro Jahr ca. 40 000 Kilometer Glas­ faser. Im nächsten Jahr haben wir vor, weitere 60 000 Kilometer zu verlegen. Hier befinden wir uns derzeit in der Planung bzw. in der Bereitstellungsvorbereitung. Der zweite große Fokus bleibt unser Mobilfunknetz. Die Konkurrenz schläft nicht, wir müssen zusehen, dass wir vorne dabei bleiben. Sprich: Wir brauchen neueste Technologien, um noch mehr Coverage, also Netzabdeckung, ins Land zu bringen. Wir versuchen zum einen, die Lücken, die es gibt, Stück für Stück zu schließen. Zum anderen müssen wir natürlich die Kapazität an den großen Knoten­ punkten wie Bahnhöfen, Flughäfen und Innenstädten erhöhen, um eine sehr gute mobile Breitbandversor­ gung zu gewährleisten.

Welche Rolle spielt beim Ausbau heute schon der nächste Mobilfunkstandard 5G? 

Unser Netz ist grundsätzlich 5G ready. Das bedeutet, dass wir heute bereits 5G­-Anwendungsfälle im Netz abwickeln können.

Kommen wir noch einmal zurück auf das Glasfasernetz. Was macht aus Ihrer Sicht das beste Glasfasernetz aus? 

Wir haben in Deutschland 455 000 Kilometer Glasfaser und sind damit der größte Glasfaserbetreiber im Land. Dabei ist eine grundsätzliche Fragestellung entscheidend: Bauen wir Glasfaser für wenige, also Glas­faser bis ins Heim (Anm. d. Red.: Fiber to the Home)? oder bauen wir im ersten Schritt Glasfaser bis zu den Verteilerkästen, wovon Milli­onen profitieren (Anm. d. Red.: Fiber to the Curb)? Unsere Antwort ist, dass wir Glasfaser für Millionen bauen und somit jetzt und heute die Technologie Fiber to the Curb einsetzen. Wir sehen das jedoch als Zwischenschritt, da unserer Einschätzung nach spätestens ab 2030 noch höhere Bandbreiten benötigt werden, die es erfordern, mit Glasfaser noch näher an den Kunden zu rücken. In Neubau­gebieten gehen wir natürlich in der Regel heute schon mit der Glasfaser direkt in das Haus.

Wo liegt der Unterschied zwischen Fiber to the Home und Fiber to the Curb? 

Fiber to the Home ist wesentlich teurer zu verlegen und hat deutlich längere Vorlaufzeiten als Fiber to the Curb. Daher sind wir davon überzeugt, dass wir aktuell Glas­faser für Millionen verbauen sollten anstelle Spitzengeschwindigkeiten für wenige. Wer Fiber to the Home haben will, dem entsprechen wir natürlich in seinem Wunsch. Wir haben dazu entsprechende Pro­gramme aufgesetzt, die individuelle Angebote für maßgeschneiderte Anbindungen erstellen. Wir öffnen also durchaus den Weg für diese Technologie. Wir möchten nur un­mittelbar den richtigen evolutionä­ren Zwischenschritt konsequent verfolgen.

Die Frage besteht ja auch darin, ob es bereits Anwendungen gibt, die die Technologie Fiber to the Home heute schon erforderlich machen. An Ihr Portfolio gedacht, wäre aus unserer Sicht das Produkt „Entertain“ in der Bereitstellung für alle Familienmitglieder eines Haushaltes als größte Ausbaustufe anzusehen. Oder sehen Sie in der Zukunft noch größere Anwendungsfälle? 

Bewegtbild ist definitiv der eine Anwendungsfall, Gaming ist der zweite im Haushalt. Was wir auch sehen, ist, dass die Jugend von heute komplett anders digitalen Content konsumiert – sie ist auf vielen Plattformen gleichzeitig un­terwegs. Neben dem Linearen­ und Streaming­TV wird parallel gespielt und ergänzend vielleicht sogar noch ein Chatfenster geöffnet. Daher glaube ich schon, dass der Bandbreiten bedarf in den Haus­halten steigen wird. Auch die Multi­media­-Anwendungen werden zu­ nehmen. Wir sehen ja auch, dass der Videoverkehr steigt. Ich bin auch davon überzeugt, dass die Symmetrie der Netze in der Zukunft eine noch größere Rolle spielen wird. Im Augenblick haben wir noch eine gewisse Asymmetrie, sprich höhere Downloadraten als Uploadmengen. Wenn ich zukünftig – und das ist die aktuelle Entwick­lung – meinen Content aktiv mit anderen teilen möchte, bin ich auf höhere Uploadraten angewiesen. Daher müssen wir mit unserer Technologie den Kunden zukünftig eine noch höhere Ausgewogenheit anbieten.

Wenn Sie sagen, Geschwindigkeit für die Masse statt Spitzengeschwindigkeit für einige wenige, was haben Sie für Datenraten im Kopf? 

Wir planen derzeit, dass wir Mitte dieses Jahres unsere FTTC­An­schlüsse mit bis zu 250 Mbit/s anbieten werden. Kurzfristig kön­nen wir darüber bereits bis zu 100 Mbit/s liefern.

Wie wichtig ist aus Ihrer Sicht die kommunizierte Bandbreite in Bezug auf die Wahrnehmung beim Verbraucher?

Ich glaube, dass die Diskussion der Geschwindigkeit oft nichts mit dem Kundenerlebnis zu tun hat. Natür­lich beschweren sich jene, die nur 2 oder 3 Mbit/s bekommen, zu Recht – das ist heutzutage nicht mehr State of the Art. Hier sehen wir ganz klar Verbesserungsbedarf. Aber wenn ich heute als Familie  50 oder 100 Mbit/s habe, bin  ich in der Regel auf der sicheren Seite, denn welche Anwendungen gibt es, die diese Bandbreite aus­reizen? Im klassischen Konsum­bereich werden selten 100 Mbit/s benötigt. Würde man sich darüber hinaus einmal in den privaten Haushalten anschauen, wie viele WLAN­-Netzwerke bzw. Laptops und Endgeräte beispielsweise 500 Mbit/s und mehr überhaupt prozessieren können – die Zahl wäre er­nüchternd. Dennoch beobachten wir den Bedarf natürlich sehr ge­nau. Ich bin eher davon überzeugt, dass es darum geht, stabile Band­breiten symmetrisch bereitzustel­len. Ich halte es für ein absolut wichtiges Thema, dass wir uns darum bemühen müssen, die „weißen Flecken“ zu bereinigen. Im Geschäftskundenbereich sehe ich das allerdings anders. Da ist es mir schon wichtig, dass wir gerade in den Gewerbegebieten Glasfaser sehr zeitnah bis in die Firmen hineinbringen.

Jetzt wären Sie aus unserer Sicht das beliebteste Unternehmen überhaupt, wenn Sie eine flächendeckende Versorgung realisieren könnten. Hat sich an dieser Stelle etwas an der Wirtschaftlichkeit verändert? 

Das Problem der Unwirtschaftlich­keit besteht nach wie vor. Aus die­sem Grund legen Bund und Länder Förderprogramme auf, auf deren Basis sich jeder bewerben kann, so auch wir. Diese helfen natürlich, die weißen Flecken besser zu ver­sorgen. Das wäre ohne die Unter­stützung der öffentlichen Hand nicht mehr wirtschaftlich. Da hat die Regierung die richtigen Schlüs­se gezogen. Aber Förderprogram­me sind auch immer zwiespältig, weil sie die Eigeninitiative der Un­ternehmen einschränken können. Es wird viel öfter abgewogen, ob eine Förderung kommt oder nicht. Man sollte daher mit dem Instru­ment der Förderung grundsätzlich sehr moderat und für die Kunden mehrwertgenerierend umgehen.

Sie wollen Deutschland also flächendeckend versorgen? 

Wir stehen zu unserer Zusage. Es investiert im Moment niemand so viel in die Glasfaserinfrastruktur in Deutschland wie wir. Doch kön­nen wir das Thema alleine stem­men? Das glaube ich nicht. Ich denke vielmehr, dass wir auch über Kooperationen das Land erschlie­ßen werden. Da frage ich schon: Wie viele Unternehmen machen das noch in diesem Maße in Deutschland?

Das Festnetz ist ja auch wieder für den Mobilfunk relevant, um die Daten abzuführen. 

Über 80 Prozent unserer Mobil­funkstationen sind mit Glasfaser angebunden. Ich mache mir um die Zukunftssicherheit hier keine Sor­gen. In den nächsten Jahren wer­ den wir weit über 90 Prozent An­bindung haben. Die ganzen The­men, die mit 5G kommen, werden natürlich auch davon leben, dass eine vernünftige Glasfaseranbin­dung der Mobilfunkstationen vor­handen ist. Dieses Wachstum kommt quasi synergetisch.

Was sind in den kommenden Jahren die großen Herausforderungen für die Telekom im Bereich Technik?

Die größte Herausforderung, die wir im Augenblick sehen, ist die Tiefbaukapazität am deutschen Markt. Wir finden nicht ausreichend Unternehmen, deshalb suchen wir mittlerweile innerhalb und außer­halb der EU. Im Mobilfunk haben wir überdies im Vergleich zum Mit­bewerb das größte Commitment abgegeben. Als Beleg dafür kann Bayern dienen, wo wir dreimal so viel ausbauen wie der Mitbewerb. Wir haben bei neuen Mobilfunk­stationen jedoch Vorlaufzeiten von 12 bis 24 Monaten. Die Genehmi­gungsverfahren für neue Stationen ziehen sich oft zu lange. Diese äußeren Umstände beeinflussen uns auch beim Festnetzausbau.

Steckt aus Ihrer Sicht zu viel Bürokratie in diesem Prozess? 

Im Kern glaube ich, dass die Dring­lichkeit unterschiedlich wahrgenommen wird. Es gibt Behörden, die sind sehr schnell unterwegs und entscheiden in wenigen Wo­chen. Und es gibt Behörden, bei denen sich der Prozess über meh­rere Monate zieht. Hier sind wir mit der öffentlichen Hand und Admini­strationen in Kontakt.

Dieses Problem haben aber auch Ihre Mitbewerber … 

Das ist vollkommen richtig. Die Forderung aus der Politik ist ja, dass das Land digitalisiert werden soll. Das ist auch unser Ziel. Nur ist die Ausgangssituation aufgrund der genannten Probleme schwierig.

Da wäre die Politik ja der richtige Hebel. 

Korrekt. Ein zweiter Hebel wäre die Art der Verlegung von Glas­fasern. In anderen Ländern ist es durchaus üblich, die Kabel auch überirdisch zu ziehen – in Deutsch­ land passiert das in aller Regel unterirdisch, was natürlich teurer ist und länger dauert.

Woran liegt das aus Ihrer Sicht? 

Ich vermute einmal, dass es mit dem Ortsbild zusammenhängt. Wir beginnen jetzt mit dem Trenching. Bei diesem Verfahren wird nur die Asphaltdecke geschlitzt und das Kabel eingebracht. Eine sehr schnelle und dabei noch kosten­ günstige Alternative, um das Glas­fasernetz auszubauen.

Abschließend die Frage: Wo setzen Sie sich vom Wettbewerb ab?

Meiner Meinung nach im Kunden­erlebnis. Wenn Sie sich den Be­reich Mobilfunk anschauen, haben wir das größte LTE­Netz. Die con­nect hat uns das erst kürzlich wie­ der in ihrem Netztest attestiert. Wir haben nicht nur das beste Mobil­funknetz, sondern auch das größte. Darauf sind wir sehr stolz. Gleich­zeitig ist es unsere Motivation, auch hier noch besser zu werden. Auch unsere Produkte im Festnetz, wie beispielsweise Entertain, ste­hen im internationalen Vergleich im Hinblick auf Convenience und das Kundenerlebnis sehr gut da. Ich glaube schon, dass wir in der Kon­vergenz und in der Integration et­was bieten, was andere Unterneh­men so nicht können. Unser Fokus liegt auf der Kundenwahrnehmung.

Das Gespräch  mit dem Geschäftsführer Technnologie der Telekom Deutschland führten Dirk Waasen und Marc-Oliver Bender

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