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Dali iO-4 im Test

Nun auch die Dänen: Dali spielt im Markt der Kopfhörer mit – klangstark und schön. Der iO-4 fasziniert mit Drive, Schönheit und gehobener Verarbeitung. Lesen Sie hierzu mehr in unserem Test.

© Dali

Dali iO-4 im Test

Pro

  • 60 Stunden Akkulaufzeit
  • hohe Verarbeitungsqualität
  • hohe Auflösung

Contra

Fazit

Stereoplay Gesamturteil: 76 Punkte; Klang: 61 Punkte; Preis/Leistung: überragend

Der schlaue Surfer kann die Wellen lesen. Wann es am besten ist, ins Wasser zu steigen. Eine dieser mächtigen Wellen flutet gerade durch die Unterhaltungsindustrie – Kopfhörer. 

Seit einigen Jahren lässt sich mehr Geld mit Ohrschmeichlern als mit Lautsprechen machen. Ein Paradigmenwechsel. Wer dabei ist, profitiert. Wer zu spät kommt, wird bestraft.

So ist nun endlich auch Dali dabei. Die „Danish Audiophile Loudspeaker Industries“ bietet ganz frisch zwei Kopfhörer-Modelle an – iO-6 mit aktivem Noise-Cancelling, iO-4 rein analog und stringent. 

Wir haben uns für die kleine 4er-Version entschieden. 300 Euro rufen die Dänen dafür auf. Das ist angemessen – was wir schon beim Auspacken erleben dürfen. 

Die Ohrpolster sind erstaunlich weich und dick – in kaum einem anderen Test haben wir diese Anfassqualität erfühlt. Auf den Ohren staunten wir über die passive Geräuschdämmung. 

Da wird die Umwelt schon ohne jede weitere technische Trickserei ausgeblendet. Wir fühlten uns angenehm abgeschirmt. 

Dann kommt noch der Tragekomfort hinzu. Wir erleben ihn, sind aber weder an den Ohren noch auf dem Kopf gedrückt. Da kann man Stunden lauschen. Obwohl er mit 320 Gramm nicht wirklich leicht ist. 

Der Mix aus Leder, Memory Schaum und Stahl wirkt zudem angenehm robust. Hier haben die Dänen nicht schnell geschossen, sondern wirklich Feinheit vor finanzielles Gewinnstreben gesetzt.

© Dali

Neben Hellbraun gibt es auch einen Augenschmeichler in Schwarz.

Natürlich kann ich eine Strippe mit 3,5-Millimeter-Klinke anlegen, ideal klicke ich jedoch auf mein Smartphone und steuere den iO-4 per Bluetooth an. Das gelingt in unter einer Minute. 

Selbstverständlich wird das aptX-Format unterstützt, sogar in der HD-Variante. Mikrofone sind auch an Bord – ich kann per Knopfdruck auch Telefonate annehmen. Alles wurde am Firmenstandort erdacht, die Fertigung aber nach Fernost ausgelagert. 

Nicht ehrenrührig, aber Hintergrund für den noch erschwinglichen Preis. Kern der Klangwiedergabe ist eine Membran mit stolzen fünf Zentimetern in der Diagonale. Und wieder setzen die Dänen auf ihre optimierte Papiermembran, wie bei den großen Lautsprechern. 

Das soll den typischen Dali-Sound einbringen, unverfärbt aber bis in die kleinsten Informationen dynamisch. Und es gibt noch ein Alleinstellungsmerkmal: Der interne Akku hält – aufgemerkt – 60 Stunden. Das übertrifft alle Konkurrenten.

Einmal laden, eine Woche hören, wir staunen. Das ist der ideale Gefährte für den modernen Menschen: einmal per Bluetooth andocken und sich um nichts mehr kümmern. Angesichts der hohen Verarbeitungsqualität prognostizieren wir ein langes gemeinsames Leben.

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Ein Sturm an den Ohren Streamen wir zu Beginn das neue Number-One-Album aus dem vereinigten Königreich zu. Das sind – Überraschung – die Beatles. Mit dem neuen Remastering/Remix von Abbey Road. 

Schon im ersten Song wird den Membranen alles abgefordert: „Come together“ bricht wie ein Sturm über uns herein, John Lennon schnorrt mit harter Stimme, Ringo peitscht auf den Punkt und Paul hat die charakteristische Basslinie entworfen. 

Der erste Takt mit seinem „Schubbabdabidiiba“ muss mich mitten zwischen die Augen treffen. Da braucht es beherrschte Kraft und schlaue Auflösung. Genau diese Werte brachte der iO-4 ein. Sofort fühlte man sich im Klangbild wohl. Was nicht allen Kopfhörern gelingt. 

Wir haben Spielfreude und können uns sicher sein, dass kein Detail unterschlagen wird. Das zeichnet die wirklichen Könner aus. Da darf man schwelgen. Wunderbar auch George Harrisons „Something“ – wie sich die Dynamik im Refrain ballt, und wie abermals stark Paul McCartney eine trickreiche Basslinie darunterlegt. 

Dann das Schlagzeug-Happening in „The End“ – an schlechten Kopfhörern schwingen sich Verzerrungen auf, hier jedoch mächtiger Trommelfell-Punch, der bis auf unsere Atemfrequenz einwirkt.

© Dali

Die rechte Muschel ist schlau: Hier wird eingeschaltet, per Bluetooth verbunden und aufgeladen. Dazu ist das silberne Feld hinter der Membran druckemfpfindlich – ein Tipp und eingehende Telefon­gespräche lassen sich annehmen.

Kurz entspannen, ausatmen und Klassik herbeistreamen. Der Markt kennt etliche Aufnahmen von Donizettis „Lucia di Lammermoor“, die absolute gibt es nicht. Die einen mögen die Callas, die anderen die Version mit Pavarotti. Wir haben uns in die Interpretation von Alfredo Kraus verliebt (EMI). 

Kein Tenor stirbt im Finale schöner. Die Stimme glänzt metallisch aus der Mitte der Klangbühne, enorm fein flirrt das Vibrato. Jeder Ton ist eine Kostbarkeit, sensibel geformt, man hört jede Phrase, jeden Atemzug. Schlechte Kopfhörer sind damit überfordert – alles wird auf ein Niveau gebürstet. Nicht gut. 

Der Dali-Hörer stand auf der Gegenseite. Er baute sein Klangbild angenehm aus den tiefen Mitten auf – hier wird unser Zwerchfell angesprochen oder ganz poetisch: unsere Seele. Keine Show in den Höhen, kein falscher Druck in der Tiefe. Aber ein sehr inniges Gespür für die inneren Kräfte einer guten Opernaufnahme. 

Wir haben diese Szene tatsächlich in der U-Bahn abgespielt. Der iO-4 hat einen Großteil der Umgebungsgeräusche ausgeblendet. Zum Vergleich haben wir uns noch den aktiven Noice-Cancler iO-6 beschafft. Ein Unterschied ist da, aber es sind keine Welten. 

Deshalb nochmals auf den Preis geschaut: 300 Euro für den iO-4 sind wirklich klein berechnet – in Technik, Laufzeit, Haptik und natürlich Klang liegt er weit über dieser Summe.

Fazit

Das ist keine Premiere, sondern eine veritable Ur-Aufführung: Dali wagt sich in das Geschäft mit den Kopfhörern. Das könnte danebengehen. Doch Dali schafft es wunderbar, seine audiophilen Werte aus dem Lautsprecherbau direkt an die Ohren zu bringen. Das hat Drive, knorrigen Bass, eine angenehme Mittenbetontheit und hohe Auflösung. Dazu eine unfassbar lange Batterielaufzeit.

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