Plattenspieler-Sonderedition

George Harrison - The Vinyl Collection: Solo-Alben als Sonderedition

6.7.2017 von Lothar Brandt

ca. 2:35 Min
Testbericht
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George Harrison LP
George Harrison - The Vinyl Collection
© Universal

Universal hat das akustische Erbe in einer imposanten Schatulle zusammengefasst. Ein Schmuckstück für Sammler, musikalisch kommt zum Licht auch Schatten.​

Die englische Musikpresse hat ihm irgendwann mal - Etiketten müssen wohl sein – das Attribut „Der stille Beatle“ verpasst. Was zwar ziemlicher Stuss war, dafür aber um so stärker haftete. Klar, der am 25. Februar 1943 geborene George Harrison war der jüngste der Fab Four. Und gegen den schlagfertigen Wortwitz eines John Lennon, das musikalische Genie eines Paul McCartney und den staubtrocken-coolen Humor eines Ringo Starr muss man erst mal ankommen.

Doch George Harrison verschaffte sich – zunächst durch Rockergehabe, dann durch immer bessere Songs – Respekt in der Beatles-Community. Auch wenn er insgesamt nur 18 Lieder zum Werk der Fab Four beitrug, zählen doch viele davon zum Kanon der „Olympischen“. Und er war der erste der Nicht- Mehr-Pilzköpfe, der ein echtes Soloalbum veröffentlichte.​

Doch als Indien-Fan und Sitar- Schüler George Harrison am 1. November 1968 die Filmmusik zu „Wonderwall“ herausbrachte, zur Hälfte in England und Indien aufgenommen, interessierte sich die Musikwelt erheblich mehr für das, was er noch zum „White Album“ und „Abbey Road“ der Beatles beisteuerte. Und „While My Guitar Gently Weeps“ oder „Here Comes The Sun“ waren allemal besser als die zum Teil mit Ringo Starr, Eric Clapton, Tony Ashton und Peter Tork von den Monkees eingespielten „Wonderwall“-Musetten. Auch die nachfolgenden „Electronic Sound“ (1969) überzeugten mit ihrem Synthesizer-Experimenten niemanden.

Doch nach dem Ende​ der Beatles landete Harrison mit der Triple-LP „All Things Must Pass“ einen Befreiungsschlag. Nicht nur der von den Chiffons „inspirierte“ Superhit „My Sweet Lord“, auch viele andere der von Phil Spector aufgemotzten Songs zeugten von künstlerischer Verwirklichung. Dieses Frühwerk steckt wie alle weiteren Studio-Solo-LPs des 2001 Verstorbenen in der „Vinyl Collection“, inklusive des posthum 2002 veröffentlichten​ „Brainwashed“. Auf CD musste man noch mit zwei Boxen vorliebnehmen: „The Apple Years“ (1968–1975) und „The Dark Horse Years“ (1976–1992), letztere benannt nach Harrisons eigenem Label​.

Die schwere, stabile Vinyl-Slipcasebox mit einem tollen 3-D-Cover enthält auch das sehr schöne Live- Album „Live In Japan“ auf Doppel- LP. Die umliegende Banderole informiert darüber, dass die 13 Solo-​alben von den originalen Analogbändern remastered wurden von Paul Hicks und Gavin Lurssen. Ein separates Booklet mit etwas höherer Informationsdichte gibt es leider nicht. Dabei hätte man gar nicht lange suchen müssen: „The Dark Horse Years“ etwa enthielt ein hübsches Beiheft, das man nur hätte neu layouten müssen.

Das Original- Artwork der LPs wurde suboptimal bis manierlich restauriert; wo es bedruckte Innenhüllen gab, stecken diese gemeinsam mit gefütterten Innenhüllen in den nochmals in Zellophan eingetüteten (Klapp-)Covern.

Exklusiv gibt es die beiden Maxisingles „When We Was Fab“ und „Got My Mind Set On You“ als Picture Discs. Beide Songs stammen vom von Jeff Lynne produzierten Album „Cloud Nine“, mit dem Harrision seine sehr lange musikalische Durststrecke ab „Living In The Material World“ (1973) 1987 endlich beendete. „Dark Horse“ (1974), „Extra Texture“ (1975), „Thirty Three And 1/3“ (1976), „George Harrison“ (1979), „Somewhere In England“ (1981) und „Gone Troppo“ (1982) boten insgesamt allenfalls mediokre Popkunst.​

Pro-Ject Essential III - George Harrison Edition
Leider gibt sich der Plattenspieler in Sachen Komfort eher karg. Zur Geschwindigkeitsumschaltung muss man den Riemen von Hand auf einen anderen Durchmesser am fein gearbeiteten Pulley umlegen. Immerhin liegt ein Werkzeug dafür bei.
© Pro-Ject

Dennoch: Immer mal wieder findet man Songperlen wie „All Those Years Ago“, „Dark Horse“ oder „Woman Don’t You Cry For Me“. Schon um deretwillen macht es heute viel Freude, sich durch die Musikbiografie zu hören, auch wenn es manchmal erstaunlich dicht und etwas matt tönt wie seinerzeit produziert. Ein Riesenplus für die Sammlerbox: die exzellente Pressqualität. Eines Ex-Beatles würdig, auch wenn es der vermeintlich „Stille“ war.​

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