Mittelklasse Smartphone

Huawei P30 Lite im Test

Mit dem Lite-Modell rundet Huawei seine P30-Serie nach unten hin ab. Wieder steht die Kamera im Vordergrund – und wieder gelingt es, ein Ausrufezeichen zu setzen, diesmal in der Mittelklasse. Lesen Sie unseren Test zum P30 Lite von Huawei.

Huawei P30 Lite im Test

© Huawei / Montage: connect

Huawei P30 Lite im Test

Pro

  • elegantes Design und top Verarbeitung
  • Schutzhülle und Display-Schutzfolie im Lieferumfang
  • Triple-Kamera mit guter Qualität und großem Brennweitenbereich
  • Kamera-Oberfläche mit vielen Einstellungsmöglichkeiten
  • leuchtstarkes LCD füllt fast die gesamte Frontseite aus
  • Unterstützung für Dual-SIM oder Micro-SD
  • intuitive Benutzeroberfläche mit vielen Extras

Contra

  • Kameraeinheit steht zu weit aus dem Gehäuse heraus
  • Schwächen im Audio-Bereich

Fazit

connect Testurteil: gut (386 von 500 Punkten)
77,2%

Es sind nur Nuancen, die das Lite-Modell vom P30 (749 Euro) unterscheiden, auf den ersten Blick kann man die Phones nur schwer auseinanderhalten. Erst wenn man sie in die Hand nimmt, spürt man den Klassenunterschied: Das P30 (unser Test) gibt sich satt und ausbalanciert, während das Lite mit 159 Gramm einen Tick zu leicht ist. 

Die Haptik ist kunststoff lastig und damit etwas weniger wertig. So muss es auch sein, schließlich erwartet der Käufer beim teureren Modell einen greifbaren Mehrwert. Aber das Lite ist nicht weit weg vom Schwestermodell, das Design ist für ein Mittelklasse-Phone sehr gelungen. 

Uns hat vor allem die blaue Variante gefallen, die auf der Rückseite einen schillernden Farbverlauf zeigt. Es gibt nur zwei Kritikpunkte: Zum einen fehlt eine IP-Zertifizierung (bei Samsung ist auch die Mittelklasse wasserfest), zum anderen steht die Optik deutlich aus dem Gehäuse heraus, das Smartphone kippelt, wenn es auf dem Tisch liegt. 

Gegen Letzteres hilft eine Schutzhülle, die erfreulicherweise zum üppigen Lieferumfang gehört, genauso wie eine bereits aufgeklebte Display-Schutzfolie und ein 18-Watt-Schnellladenetzteil. Einzig die Kopfhörer tanzen aus der Reihe – die billigen Stöpsel tauscht man schnell gegen ein besseres Modell aus, was dank Klinkenbuchse kein Problem ist.

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Solide Performance

Obwohl das Display 6,1 Zoll groß ist, liegt das P30 Lite kompakt in der Hand. Huawei nutzt fast die gesamte Frontseite für den Screen: 83 Prozent bestehen aus Bildschirm – das ist in dieser Preisklasse mehr als ordentlich. Von einer Notch kann kaum noch die Rede sein, die Einkerbung für die Frontkamera ist tropfenförmig und fällt kaum auf. 

Die Darstellung überzeugt auf Anhieb, dafür sorgen die hohe Auflösung von 2312 x 1080 Pixel und eine Leuchtkraft jenseits der 500 cd/ m2. Beim Prozessor setzt Huawei einmal mehr auf den Kirin 710, das Mittelklasse-SoC treibt auch das Mate 20 Lite, das P smart 2019 und diverse Honor-Modelle an. Acht Kerne liefern eine solide Performance, die zwischen Qualcomms 600er- und 700er-Snapdragon-Serie angesiedelt ist. 

3-D-Spiele bringen das Phone nicht ins Schwitzen, intensives Multitasking zeigt aber schon Grenzen auf. Im Alltag erreicht man diese fast nie, hier überzeugt vielmehr die hohe Arbeitsgeschwindigkeit. Huawei hat das System optimal auf die Hardware abgestimmt.

 Auch den Fingerabdrucksensor, der ganz klassisch auf der Rückseite sitzt und in puncto Zuverlässigkeit jeden ins Display eingelassenen Sensor übertrifft.

Huawei P30 Lite im Test - Blaue Variante

© Huawei

Die Rückseite der blauen Variante schimmert in einem Farbverlauf, die edle Optik erinnert nicht von ungefähr an die Oberklasse-Modelle P30 und P30 Pro.

Software und Connectivity

Installiert ist EMUI 9.0.1, Huaweis Benutzeroberfläche auf der Basis von Android 9. Die wurde praktisch unverändert von den teureren Modellen übernommen und bietet damit eine erfreulich große Funktionsvielfalt. An erster Stelle sei hier die umfangreiche Cloud-Infrastruktur von Huawei genannt, die eine automatisierte Online-Sicherung aller wichtigen Daten auf dem Telefon bietet. 

Dazu gesellt sich eine Foto-App, die eine gute Alternative zu Google Fotos darstellt. Beim Software-Support hat Huawei im letzten Jahr mächtig aufgeholt und veröffentlicht nun auch regelmäßig Aktualisierungen für seine Mittelklasse – auf unserem Modell waren die Sicherheitspatches Stand März 2019 installiert, die waren zum Testzeitpunkt fast up to date.

Der interne Speicher fasst 128 GB, was sich erfreulicherweise langsam aber sicher als Standard in der Mittelklasse durchsetzt. Per Micro-SD kann man aufrüsten – wobei der Steckplatz hybrid ist und entweder eine Speicherkarte oder eine zweite Nano-SIM schluckt.

Auch für eine umfassende Connectivity ist gesorgt: Das P30 Lite unterstützt neben LTE CAT 6 (300 Mbit/s) schnelles ac-WLAN, außerdem Bluetooth aptX für die verlustfreie Übertragung von Musik.

Bluetooth ist beim Musikhören ohnehin die erste Wahl, denn die Ausgangsspannung über Klinke ist niedrig, sodass gute Kopfhörer nicht ihr volle Potenzial entfalten können – ein typisches Huawei-Problem. 

Auch der nach unten abstrahlende Lautsprecher ist kein Klangkünstler, andere Phones sind für audiophile Nutzer entsprechend besser geeignet.

Huawei P30 Lite im Test - Kamera

© Huawei

Die Kameras der teureren Schwestermodelle spielen qualitativ in einer höheren Liga. Von diesen übernimmt das Lite aber die Ultra-Weitwinkel-Brennweite für besonders große Bildausschnitte.

Kamera

Dem Lite-Modell fehlt der prestigeträchtige Leica-Schriftzug, auch qualitativ wird weniger geboten. Huawei kombiniert einen hochauflösenden 48-Megapixel-Sensor mit einer Ultra-Weitwinkel-Optik (8 Megapixel). Der dritte Sensor (2 Megapixel) dient nur für die Berechnung der Hintergrundunschärfe. 

Porträts mit dem P30 Lite haben uns gut gefallen, generell bewegt sich die Bildqualität auf einem guten Niveau. Das gilt nicht für den Ultra-Weitwinkel, was allerdings keine Überraschung ist, da diese Brennweite in der Mittelklasse nirgendwo überzeugend umgesetzt ist. 

Interessant ist das technische Konzept hinter dem 2-fachen Zoom: Huawei beschneidet einfach eine 48-Megapixel-Aufnahme an den Rändern, es handelt sich daher um eine verlustfreie „Vergrößerung“, die gegenüber einem Digitalzoom spürbar im Vorteil ist. Dazu wird aus der 48-MP-Aufnahme ein Ausschnitt mit 12 MP „gecroppt“. 

Im Automatikmodus knipst man entsprechend immer mit 12 MP. Wir empfehlen diese Einstellung, die volle Auflösung bringt nur in Ausnahmefällen einen Vorteil. Die Einstellungstiefe ist ordentlich, reicht aber nicht an Huaweis Leica-Modelle heran – RAW wird vom P30 Lite nicht unterstützt.

In der Summe gibt die Kamera ein gutes Bild ab, überzeugt hat uns vor allem der große Brennweitenbereich, der in dieser Preisklasse einzigartig ist.

Testsiegel connect gut

© WEKA Media Publishing GmbH

Testsiegel connect gut

Konkurrenzlos gute Mittelklasse

Aus dem connect-Testlab kommen dagegen nur gute Nachrichten. Die Funkeigenschaften überzeugen in allen Netzen, hinzu kommen eine gute Akustik beim Telefonieren und eine Akkulaufzeit, die mit 8:18 Stunden sehr solide ausfällt. 

Dass drahtloses Aufladen via Qi nicht unterstützt wird, kann angesichts des Preises nicht überraschen. Der Gesamteindruck ist daher sehr positiv. Vor allem die Kamera sticht – mal wieder – heraus. Man hat die Wahl zwischen unterschiedlichen Bildausschnitten, freut sich über eine gute Bildqualität und eine ansprechende Oberfläche mit vielen Extras. 

Andere Smartphone-Kameras mögen in Teilaspekten besser sein, bieten aber nicht dieses Gesamtpaket. Die starke Kamera wird von einem frontfüllenden Display und einer überzeugenden Produktqualität flankiert. 

Mithalten kann da eigentlich nur noch Xiaomi mit dem Pocophone. Alle anderen Mittelklässler müssen sich Huawei geschlagen geben.

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